Redewendung Jemandem die Stirn bieten

Jemandem die Stirn bieten

Bietet man jemandem die Stirn, widersetzt man sich oder protestiert

„Der Wassergraben wird viel zu tief. So sieht die Sandburg nicht mehr schön aus“, sagt Saskia gereizt und drückt ihren Bruder Kilian etwas zu hart zur Seite. Kilian landet unsanft im Sand: „Hey - pass doch auf, Saskia!“ Doch seine Schwester hört gar nicht zu, denn sie ist vollauf damit beschäftigt, die Burg mit Muscheln zu verzieren. Der Sand knirscht zwischen ihren Fingern, als sie anfängt, kleine Türmchen zu formen.

Saskia und Kilian buddeln beide wild im Sandboden herum. Doch da steht Kilian plötzlich auf, stemmt die Hände in die Hüften und sagt: "Das finde ich blöd, Saskia. So können wir die Burg nicht zusammen weiterbauen. Ich biete dir die Stirn!" Saskia wundert sich. Was soll sie denn mit Kilians Stirn anfangen?

Wenn man jemandem die Stirn bietet, vertritt man in einer Auseinandersetzung seine eigene Meinung. Man hat also den Mut, sich zu widersetzen. Die Redewendung geht auf die indogermanische Sprache zurück. Denn das Wort "Stirn" entwickelte sich aus der indogermanischen Wortwurzel ster-, was so viel heißt wie steif oder starr. Durch die frontale, dem Gegner zugewandte Ausrichtung und wegen ihrer Härte gilt die Stirn auch heute noch als Sinnbild des Widerstands.

Kilian besteht darauf, um die hübsche Burg einen breiten und tiefen Graben zu bauen, um sie vor dem Meerwasser zu schützen. Er bietet seiner Schwester also die Stirn. Saskia seufzt: „Na gut, Kilian. Dann bauen wir einen Graben um die Burg herum. So ist sie ja auch sicherer!“ Als die Flut kommt, staunt Saskia nicht schlecht - die Burg hält den Wellen dank des großen Burggrabens problemlos stand. Wäre Kilians Graben nicht gewesen, wäre die hübsche Muschel-Sandburg in den Fluten versunken.

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