Nandus: Riesen-Vögel auf deutschen Feldern

Nandus sind bis zu 1,70 Meter große Tiere, die eigentlich in Südamerika leben. Seit fünf Jahren laufen sie aber auch in Norddeutschland frei herum
In diesem Artikel
Nandus in Mecklenburg-Vorpommern
Über 4 000 tierische Einwanderer in Deutschland
Streit um die Nandus

Nandus in Mecklenburg-Vorpommern

Bei einem schönen Waldspaziergang könnt ihr Hasen über die Felder hoppeln und Füchse durch das Unterholz schleichen sehen. Und wenn ihr Glück habt, taucht vielleicht sogar ein Reh aus dem Dickicht auf. Doch in Mecklenburg-Vorpommern kann euch auf einem solchen Spaziergang etwas ganz Besonderes begegnen: Nandus.

Nandus in Mecklenburg-Vorpommern

Nandus in Deutschland? Ja genau, so seltsam es klingt, aber auch in Deutschland leben Nandus in freier Wildbahn. Und das schon seit etwa fünf Jahren, weil sie damals nämlich aus einem Gehege in Groß Grönau bei Lübeck ausgebrochen sind. Die Züchter der Tiere glaubten, dass die Nandus in Deutschland nicht überleben könnten. Schließlich ist die Umgebung für sie sehr ungewohnt und ähnelt so gar nicht der Landschaft in Argentinien oder Chile, woher die Tiere eigentlich stammen. Aber da haben sie sich getäuscht: Mittlerweile leben über 60 Nandus in der Gegend, und in jedem Frühjahr nach der Brutzeit kommen neue hinzu.

Ein stattlicher Vogel

So ein Nandu ist ein ziemlich großer Vogel. Er gehört zur Gattung der Straußenvögel, wird bis zu 1,70 Meter groß und über 20 Kilo schwer. Im Gegensatz zu anderen Vögeln kann der Nandu nicht fliegen. Seine Flügel sind verkümmert, helfen ihm aber dafür sehr gut dabei, die Richtung beim Laufen zu wechseln. Der Nandu ist nämlich sehr schnell, und je nachdem, welchen Flügel er benutzt, kann er ganz plötzlich einen anderen Kurs einschlagen.     

In Südamerika lebt der Nandu in den Grasebenen, den so genannten Pampas, und hält sich da am liebsten in sumpfigen Gebieten auf. Er ist ein Herdentier und bleibt mit rund 50 anderen Nandus zusammen - ganz schön beeindruckend, so eine große Nanduherde. Nur in der Brutzeit teilt sich die Herde in kleinere Gruppen auf. Ein Nanduhahn hat mehrere Nanduweibchen und passt dann genau auf, dass bei der Eiablage auch nichts schief geht. Er selbst überwacht die Eier und brütet sie sogar alleine aus.

Über 4 000 tierische Einwanderer in Deutschland

Weil der Nandu in Deutschland frei herumläuft, gehört er zu den Neozoen. So werden Tiere genannt, die in bestimmten Regionen eigentlich nicht heimisch sind und sich trotzdem im Laufe der Zeit dort niedergelassen haben. Die meisten Tiere kommen durch den Menschen in andere Länder, die ersten Neozoen hat zum Beispiel Christopher Columbus von seiner Entdeckung Amerikas mitgebracht. Das waren damals die kleinen Schiffsbohrwürmer, die heute in allen Meeren rund um Europa leben.

Columbus hatte nicht beabsichtigt, diesen Wurm bei uns einzuführen; es war vielmehr ein Versehen. Manchmal siedeln Menschen aber mit Absicht neue Tierarten in anderen Ländern an. So wurde auch die Reblaus nach Europa gebracht: Sie sollte den Mehltau, eine Krankheit auf den Blättern von Pflanzen, bekämpfen. Oder aber die Tiere entfliehen aus dem Zoo oder einem anderen Gehege - wie im Fall der Nandus in Mecklenburg-Vorpommern.

Umsiedelungen haben auch Nachteile

Aber nicht immer sind die Menschen bei den Umsiedelungen von Tieren erfolgreich. Der Schiffsbohrwurm von Columbus macht den Schiffern an der Nord- und Ostseeküste zu schaffen, weil er alles, was aus Holz ist, annagt. Und die Reblaus bekämpft zwar den Mehltau, zerstört aber leider auch die Weinreben der Winzer. Nur: Wenn die Tiere einmal eingeführt sind, dann kann man sie nicht wieder loswerden.

Gefährliches Federvieh?

Viele Besucher fahren jetzt extra nach Mecklenburg-Vorpommern, um die Nandus anzugucken. Und die Menschen, die in der Umgebung wohnen, sind auch ganz stolz auf ihre neuen ausländischen Freunde.

Aber manche haben auch Angst, dass die Nandus Schaden anrichten könnten. Das Gebiet, in dem sie leben, steht unter Naturschutz. Seit vielen Jahren kümmern sich die Menschen darum, dass dort alles so bleibt, wie es ist. Aber die Nandus können da einiges durcheinander bringen.

Zum Beispiel wohnen in diesem Naturschutzgebiet auch zwei sehr seltene Heuschreckenarten, die streng geschützt werden sollen. Nandus sind zwar eigentlich Vegetarier, aber besonders in der Brutzeit und während des Wachstums brauchen sie ganz viel Eiweiß - und das finden sie in Insekten. Jetzt befürchten einige Jäger und Pächter, dass die Nandus die seltenen Heuschrecken auffressen könnten. Und das möchte ja eigentlich niemand, weil es eh nur noch so wenige von ihnen gibt.

Streit um die Nandus

Außerdem könnten die Nandus auch gefährlich für den Menschen werden. Die großen Tiere haben gar keine Angst vor uns, sind viel schneller als wir und auch ziemlich stark. Wenn so ein Nandu sich bedroht fühlt, wie zum Beispiel während der Brutzeit, dann greift er auch an. So ist es zum Beispiel auch schon vorgekommen, dass ein Nandu sogar den Tierwärter im Zoo aus seinem Gehege vertrieben hat.

In Mecklenburg-Vorpommern ist jetzt ein Streit darüber ausgebrochen, ob die Nandus bleiben dürfen oder wieder weg sollen. Viele Menschen sind dafür, dass die süßen Federtiere auch weiterhin durch die Wälder und über die Felder ziehen - andere wollen sie sofort loswerden. Der Streit wird wohl noch einige Zeit weitergehen und die Nandus werden genau beobachtet. In der Zwischenzeit habt ihr auf einem Spaziergang vielleicht Glück und begegnet einem der gefiederten Riesen. Wenn ihr euch dabei ganz normal verhaltet, dann werden die Nandus auch nicht gefährlich. Ihr dürft sie nur nicht ärgern, denn dann könnten sie angreifen.

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