Gelb, lang und lecker: Bananen

Jeder kennt sie, jeder liebt sie. Hellgelb, reif und zuckersüß liegen die Bananen da. Doch welcher Aufwand nötig ist, bis wir mit Lust hineinbeißen können, wissen wenige. GEOlino hat es für euch herausgefunden
In diesem Artikel
Südamerikanische Früchte

Ernte-Einsatz in Costa Rica: Mit schnellen Schritten bahnen sich zwei Arbeiter ihren Weg durch die Plantage. Bis zu sechs Meter hoch sind die Pflanzen mit den großen grünen Blättern, die hier dicht an dicht stehen und an denen schwere Lasten baumeln: Bananenbüschel aus bis zu 200 kleinen, krummen Früchten. Vorsichtig schlägt einer der beiden das Büschel mit der Machete am oberen Ende ab und lässt es auf die Schulter des anderen gleiten. Aber Moment mal: Diese Bananen sind ja gar nicht gelb, sondern leuchtend grün. Und steinhart. Und sie schmecken... fürchterlich! So bitter, dass man sie gleich wieder ausspuckt! Völlig ungenießbar.

Hart und grün?

Trotzdem haben die Arbeiter alles richtig gemacht. Denn Bananen müssen hart und apfelgrün geerntet werden. Schließlich haben sie noch einen weiten Weg per Lastwagen und Schiff vor sich, bis sie zum Beispiel in einem deutschen Obstladen landen. Würden sie ihre Reise schon gelb und reif beginnen, kämen sie bei uns als Bananen-Matsch an. Und den will niemand kaufen. Also treten sie ihre Fahrt als absolute "Grünschnäbel" an - und werden dann durch viele Tricks und Kniffe dazu gebracht, genau zum richtigen Zeitpunkt gelb, süß und lecker zu sein. Weil die Banane ein solch empfindliches Früchtchen ist, war es lange Zeit unmöglich, mit ihr weltweit Handel zu treiben. Dabei ist sie bereits seit Urzeiten bekannt: Schon vor 2600 Jahren war sie in Asien weit verbreitet. Arabische Händler brachten Bananenpflanzen bis nach Ägypten und weiter nach Afrika hinein.

"Banan" bedeutet "Finger"

Ihnen verdankt die Frucht übrigens auch ihren Namen: "banan" ist das arabische Wort für "Finger". Spanische Seefahrer und Missionare nahmen einige Pflänzchen mit in die Karibik und nach Südamerika, wo sie im warmen Klima gut gediehen. Um aber weltweit mit Bananen zu handeln, fehlten lange Zeit die technischen Möglichkeiten. Erst als Ende des 19. Jahrhunderts moderne Kühlschiffe und -waggons gebaut wurden, begann ein schwunghaftes Geschäft mit den krummen Früchten. Im Jahr 1876 konnten die ersten gelben "Finger" in den USA bestaunt werden - damals waren sie noch so kostbar, dass jede Frucht einzeln in Silberfolie zum Kauf angeboten wurde. In Deutschland mussten die Menschen noch bis 1892 darauf warten. Heute sind Bananen nach den Zitrusfrüchten das weltweit meistexportierte Obst: Jedes Jahr werden rund zwölf Millionen Tonnen in alle Welt verschifft!

Südamerikanische Früchte

Die meisten in Europa verkauften Früchte kommen aus Ecuador, Costa Rica und Kolumbien. Dort dauert es rund neun Monate, bis die Bananenstaude aufs neue in die Höhe geschossen ist und ihre Früchte die Erntegröße erreicht haben. Nachdem die Arbeiter die Büschel abgeschlagen haben, werden sie zu einer Sortier- und Packstation gebracht. Helfer zerteilen die riesigen Fruchtstände in handliche Abschnitte. Arbeiterinnen begutachten die Bananen und entscheiden: Sind sie mindestens 14 Zentimeter lang? Und mit drei anderen Bananen zusammengewachsen? Ist die Schale frei von Flecken? Nur einwandfreie Bananen werden nach Deutschland verschifft. Der Rest wird gleich vor Ort verkauft.

Eine lange Reise

Bevor es auf die große Schiffsreise nach Europa geht, werden die Bananen in Kühlcontainer verladen. In deren Inneren beträgt die Temperatur 13,2 Grad Celsius. Bei dieser Kälte fallen die Früchte in eine Art Winterschlaf und reifen nicht weiter. Zehn bis 14 Tage dauert die Überfahrt bis nach Bremerhaven oder Hamburg. Von dort geht es direkt weiter per Lastwagen zu verschiedenen Bananen-Reifereien in ganz Deutschland. Denn noch immer sind die Früchte ungefähr so lecker wie rohe Kartoffeln! Die Reifekammern sind wahre Zauberboxen: In fünf bis acht Tagen ist die Verwandlung zur sonnengelben Banane komplett. Maschinen blasen das Gas Ethylen in die Kammern. Das ist ein natürlicher Reife-Beschleuniger und gibt den Bananen das Signal, die Stärke in ihrem Fruchtfleisch in Zucker umzuwandeln. Anschließend werden die Früchte in die Läden gebracht und verkauft. Jeder Deutsche verdrückt im Schnitt rund 14 Kilogramm Bananen jährlich!

Ein Riesengeschäft für die Händler. Aber der weltweite Bananen-Boom hat leider auch viele Nachteile. In den Heimatländern der Früchte wurden viele tropische Wälder abgeholzt, um Plantagen anzulegen. Die Bananenstauden werden häufig mit Gift eingesprüht, das gegen den Befall mit Pilzen und Insekten schützen soll, zugleich aber den Boden und das Wasser verseucht. Und viele Arbeiter müssen für einen Hungerlohn schuften. Seit einigen Jahren regt sich dagegen Widerstand. Immer mehr Bananen stammen nun aus "fairem Handel". Das bedeutet: mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für die Bauern, einen besseren Schutz für die Umwelt. Die "fairen" Bananen sind dann hier im Laden zwar etwas teurer - dafür kann man sie ohne schlechtes Gewissen essen.

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