Bernstein - uraltes Gold der Meere

Bernstein ist ein ganz besonderer Schmuckstein: Er besteht aus Millionen Jahre altem Baumharz. Manchmal findet man darin sogar eingeschlossene Tierchen aus der Urzeit
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Von hellgelb bis dunkelbraun

Die Wände schimmern goldgelb, Verzierungen und Mosaike schmücken den ganzen Raum. Prunk, wohin das Auge sieht - das berühmte Bernsteinzimmer, ein Geschenk, das der preußische König Friedrich Wilhelm I. dem Zaren Peter dem Großen im Jahr 1716 machte. So oder so ähnlich muss es ausgesehen haben - bis es im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Ist es verbrannt, im Krieg verloren gegangen oder schlummert das wertvolle Zimmer noch irgendwo in einem Versteck? Noch immer sind die Experten auf der Suche - doch was ist Bernstein eigentlich?

Bernstein hat eine lange Geschichte

Vor über 50 Millionen Jahren sah es auf der Erde noch ein bisschen anders aus. Die Ostsee gab es damals noch gar nicht; unser Kontinent bildete ein großes Stück Land. In Südskandinavien, wo heute Schweden und Norwegen liegen, waren riesengroße Nadelwälder. In diesen Nadelwäldern standen Bernsteinkiefern - das sind Nadelbäume, die es so heute gar nicht mehr gibt. Diese Kiefern haben Harz abgesondert, genau wie heutige Kiefern. Das flüssige Harz floss relativ schnell auf den Boden und trocknete, sobald es mit Luft in Berührung kam. Solche Harztropfen sind auch oft ins Wasser gefallen, wo sie sich über viele Millionen Jahre in Bernstein verwandelt haben.

Im Laufe der Zeit stieg der Meeresspiegel an. Das Meer weitete sich aus und die Bäume gingen im Wasser unter. Nur das getrocknete Harz blieb bestehen und wurde durch das Wasser vom Boden losgelöst und fortgeschwemmt. Millionen von Jahren wurde Bernstein so durch die Weltmeere befördert - heute noch kann man dieses uralte, getrocknete Harz finden. Weil die größten Bernsteinwälder im Süden Skandinaviens waren, können viele Bernsteinfunde an der Ostseeküste gemacht werden. Ihr könnt also tatsächlich bei einem Strandspaziergang zwischen den Muschelstücken uraltes Baumharz finden!

Insekten im Bernstein

Wenn das Herz aus dem Baum fließt, ist es ziemlich klebrig. Ihr kennt das vielleicht vom Harz heutiger Bäume. Wenn in dem Moment also ein Insekt an dem Harz kleben geblieben ist, dann konnte es sich nicht mehr lösen. Außerdem wurde die flüssige Masse so schnell hart, dass das kleine Tierchen keine Gelegenheit hatte, zu entkommen. Es wurde im Bernstein eingeschlossen und für immer aufbewahrt. Noch heute findet man in manchen Bernsteinen kleine Insekten. So etwas wird dann "Einschluss" oder auch "Inkluse" genannt, weil die Tierchen in dem Material regelrecht eingeschlossen sind. Das Besondere daran: Sie wurden genau so aufbewahrt, wie sie vor Millionen von Jahren ausgesehen haben. Die meisten dieser Insekten gibt es heute gar nicht mehr, weil ihre Art vor langer Zeit ausgestorben ist. Forscher und Wissenschaftler freuen sich deshalb immer sehr über die Einschlüsse im Bernstein, weil sie dann wieder mehr über die Geschichte der Evolution herausfinden können.

Von hellgelb bis dunkelbraun

Bernstein gibt es in vielen Farbschattierungen. Insgesamt 250 verschiedene Farben haben Wissenschaftler gefunden; meist ist er aber gelblich. Bernsteine sind auch nicht immer klar, abgesehen von den Insekten, die sich darin befinden können, können sich auch Luftblasen gebildet haben, die immer noch im Bernstein zu erkennen sind.

Die meisten Bernsteinstückchen, die ihr am Strand finden könnt, sind sehr klein. Ein bis zwei Millimeter sind die kleinsten Körnchen groß, wenn ihr Glück habt, könnt ihr aber auch größere Stückchen finden. Der größte Bernstein, der heute noch existiert, ist im Berliner Museum für Naturkunde zu sehen. Es ist fast 50 Zentimeter lang und wiegt über 9 Kilogramm. So ein Fund ist aber natürlich äußerst selten.

Nach einem Sturm habt ihr noch mehr Chancen, Bernstein am Strand zu finden. Denn die Winde und die Wellen wühlen das Wasser so auf, dass der Bernstein sich vom Meeresgrund löst und an Land gespült wird. Bernstein ist sehr leicht und schwimmt deshalb gut im Wasser. Deshalb kann er an der Oberfläche auch mit Käschern und ganz dünnen Fischernetzen herausgefischt werden. Bernstein kann man aber nicht nur an der Ostseeküste finden, auch an der Küste der Dominikanischen Republik oder in anderen Teilen der Erde taucht dieser Schmuckstein auf.

Bernstein ist gar kein Stein

Der Name "Bernstein" kommt aus dem mittelniederdeutschen und lautete früher "Börnsteen", weil er so leicht brennen kann. Bei den Griechen hieß Bernstein "Elektron", weil sie beobachtet hatten, dass Bernstein sich elektrisch auflädt. Die Römer nannten den Bernstein "Succinium", was übersetzt "Saft" heißt, weil sie annahmen, dass er aus dem Saft eines Baumes entstanden sei - was ja auch richtig ist.

Toller Schmuck

Bernstein wurde schon immer als Schmuckstein benutzt. Ketten, Armbänder oder Anhänger werden sehr gerne getragen. Dem Edelstein hat man aber auch eine heilende Wirkung nachgesagt. Die Römer glaubten zum Beispiel, dass Bernstein vor Fieber schützen kann. Und noch heute geben manche Mütter ihren Babys Bernstein, weil das die Schmerzen beim Erscheinen der ersten Michzähne lindern soll.

Auch die Zaren und Könige der vergangenen Jahrhunderte liebten Bernstein - und ließen sich ganze Zimmer damit ausstatten, wie eben das berühmte Bernsteinzimmer. Weil niemand weiß, wo sich die Bestandteile dieses Zimmers befinden könnten, wurde es in den letzten Jahren neu gebaut. Und zwar möglichst genau so, wie es auch vor etwa 300 Jahren ausgesehen haben könnte. Seit dem Jahr 2003 kann man dieses neue Bernsteinzimmer nun bewundern; es befindet sich im Jekaterinenpalais bei Sankt Petersburg.

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