Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Auf Timmermanns Hof leben Schweine, die in frischem Stroh und Schlamm spielen können, und glückliche Hühner. Denn die Biobauern haben ein großes Ziel: Sie wollen ihre Nutztiere nicht ausnutzen!

Selma und Luise haben Schwein gehabt, dass sie auf Timmermanns Hof gelandet sind! Fröhlich quiekend suhlen sich die beiden Fer-kel im Schlamm. Und schauen mit großen schwarzen Augen immer wieder den Bauern an, Wilhelm Timmermann, der ihnen Grünzeug in den Blech-trog kippt und frisches Stroh im Stall verteilt. "Den Schweinen soll es richtig gut gehen", sagt er. "Dann kann man auch guten Gewissens ein Schnitzel essen."

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Timmermanns Hof steht in Sülldorf, am äußersten Rand von Hamburg: ein altes Bauernhaus mit weißen Sprossenfenstern, vor denen sich eine Katze ihre Pfoten leckt. Nebenan führt ein Betonweg nach hinten zu den Ställen. Zum Schuppen, vor dem die Schweine balgen, zum Hühnergarten und zu den Kaninchen, dann weiter zur Scheune, aus der 25 Rinder gemütlich ins Freie traben. Ein Biobauernhof wie aus dem Bilderbuch.

Den Tieren soll es gut gehen

Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Auf Pferden reiten? Wie langweilig! Leah trabt lieber auf Flitzer, der schwarzen Kuh, durch den Stall

Die Timmermanns kennen jedes ihrer Tiere, und die kennen jeden aus der Familie: Kommt Leah, die Tochter, angerannt, bleibt Flitzer, die schwarze Kuh, ruhig stehen, damit das Mädchen auf ihren Rücken klettern kann. Nähert sich dagegen Bauer Timmermann, galoppieren die Rinder aufgeregt durch den tiefen Mist - weil sie wissen, dass es von ihm meistens etwas zu fressen gibt. Ruckartig heben sie ihre mächtigen Schädel über die Absperrung und langen mit den rauen Zungen nach dem Brot, das der Bauer hinhält. Der schaut sich um. Haben die Tiere noch ausreichend Futter? Ist die Strohunterlage dick genug - das schont die Gelenke und Klauen der Rinder!

Ganz zuletzt wirft er einen Blick auf ihre Bäuche. 400, 500 Kilogramm wiegen die Rinder nach gut drei Jahren. Dann bringt er sie zum Schlachthof. Wilhelm Timmermann macht das immer selbst, weil er dafür sorgen will, dass es den Rindern bis zum Schluss gut geht.

Timmermann wünscht sich, dass alle Bauern so mit ihren Tieren umgehen. Doch er weiß, die meisten tun es nicht. Nur ein winziger Bruchteil des Rindfleisches, das die Menschen jedes Jahr in Deutschland verspeisen, stammt von einem Biobauernhof wie seinem. Diese Bauern verpflichten sich, ihre Rinder, Schweine oder Hühner so zu halten, wie es ihrer Natur entspricht: Die Tiere haben viel Platz, um sich zu bewegen. Sie schlafen auf Stroh und nicht auf harten Betonspalten. Und sie bekommen nur frisches Futter von hofeigenen Feldern zu fressen, keine Spezial-mischung, die sie möglichst schnell dick werden lässt. Weil diese artgerechte Haltung viel Arbeit macht, sind die Produkte vom Biobauern meist teurer als die von einem gewöhnlichen Hof.

Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Bauer Timmermann kümmert sich um seine Tiere. Hanne ist die Leitkuh der Herde

Timmermanns Hofladen

Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Seit neun Generationen lebt die Familie Timmermann hier. In ihrem Hofladen bietet die Familie über 3000 Produkte an

Vorn im Haus haben Timmermanns einen großen Laden. Oft steht Bäuerin Agnes Timmermann hinter der Kasse und verkauft Eier, Milch und Rindfleisch. Knapp 16 Euro kostet das Kilogramm Gulasch. Das ist doppelt so viel wie im Supermarkt. Agnes Timmermann nickt. Sie weiß auch, dass Milch dort oft billiger zu haben ist als Wasser. "Doch wenn die Kunden nur solche Preise zahlen wollen oder können", sagt sie, "zwingen sie die Bauern, ihre Tiere auszunutzen."

Billiges Fleisch stammt daher meist von Schweinen, die in engen, fensterlosen Ställen groß geworden sind, wo sie sich kaum bewegen, nur fressen können. Schon nach fünf

Monaten wiegen sie 100 Kilogramm und oft werden sie geschlachtet, wenn sie noch Milchzähne haben. Selma und Luise dagegen suhlen sich über ein Jahr im Schlamm! Und Kühe, deren Milch für 70 Cent pro Liter verramscht wird, haben in ihrem Leben kein

Tageslicht oder den Tau auf der Weide gesehen. Vielen Menschen ist das egal: Hauptsache, ihre Lebensmittel kosten wenig Geld. Bloß die Tiere zahlen einen hohen Preis dafür! Agnes Timmermann schüttelt da den Kopf. "Tiere haben nur das Beste verdient - sie geben uns ja ihr Bestes zurück", sagt sie.

Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Glücksschwein: Der Schweinestall von Ferkel Selma ist mit Stroh gepolstert. Im Garten davor hat es einen Schlammpool und viel Platz zum Spielen

Glückliche Hühner

Hier lässt der Bauer die Sau raus!

Die Hennen drängen sich um Bäuerin Agnes Timmermann. Sie wissen: Gleich gibt es frisches Futter. Zum Eierlegen staksen die Tiere in den Stall zurück- dafür brauchen sie ihre Ruhe

Mittagssonne scheint auf den Hof, als sie sich auf auf den Weg zum Hühnerstall macht. Der hat sogar einen überdachten Anbau, der wie ein Wintergarten aussieht. Vorsichtig öffnet sie die Tür und dann die Holzklappe eines länglichen Kanals. Die Eier aus den Hühnernestern kullern dort hinein. Über 260 Stück legen die 300 Hennen jeden Tag. "Das ist ein Zeichen dafür, dass es ihnen gut geht. Wenn sie viel Energie übrig haben, legen sie fast jeden Tag." Die Bäuerin setzt die Eier in die Paletten, eine nach der anderen füllt sich: Heute Abend gibt es wohl wieder Pfannkuchen bei Timmermanns, denn so viele Eier verkauft Agnes Timmermann im Laden nicht. Genau in den muss sie nun zurück, neue Kunden warten schon. Sie blickt noch einmal den Hühnern nach, die in ihren Wintergarten staksen. Zum Sonnen. Da seufzt die Bäuerin leise und sagt: "Manchmal möchte ich wirklich gern mit unseren Tieren tauschen!"

Danke, Tier!

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