Kurzschluss zwischen Himmel und Erde

Weltweit zucken jede Stunde etwa eine Million Blitze zur Erde. Das himmlische Feuerwerk sieht zwar wunderschön aus – aber es kann auch brandgefährlich sein
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Blitzgefährlich

Nirgendwo auf der Erde gehen mehr Blitze nieder als über dem venezolanischen Fischerdorf Congo Mirador. Hier seht ihr das Lichtspektakel im Video:

Plötzlich ist die Sonne weg. Eben noch zwitscherten die Amseln im Garten, nun lässt ein kühler Wind die Bäume rauschen; finstere Wolken ziehen auf. Und während sich der Himmel schwärzt, grollt es aus der Ferne.

Bis ein blendend greller Blitz die Dunkelheit zerreißt. Dumpf knallt der Donner in den Ohren, die Wolken platzen – und dann prasseln die Regentropfen: Der Wettergott lacht Tränen, weil er dich so erschreckt hat!

Das ist natürlich Quatsch. Doch dass himmlische Mächte die Blitze machen, haben die Leute früher tatsächlich geglaubt. Im alten Griechenland hielt man Gewitterlichter für flammende Speere, die der Göttervater Zeus herabschleudert. Indianer in Nordamerika glaubten, dass ein geheimnisvoller Riesenvogel mit blitzenden Federn und donnerndem Flügelschlag die Gewitter bringe. Und mal ehrlich: Sieht ein rasender Zickzack-Blitz nicht sogar wie ein Messer aus, das – ritsch-ratsch – das Himmelszelt aufritzt?

So entstehen Blitze

Dank der heutigen Wetterkunde wissen wir es besser: Vor allem bei feuchtwarmem Wetter kann es blitzen. Wenn die Wärme feuchte Luft nach oben treibt, immer höher, immer mehr, bis aus hellen Schäfchenwolken düstere Gewitterhaufen werden. Weit oben, wo die Luft eiskalt ist, gefrieren die feinen Wassertröpfchen. Diese Eisstücke wirbeln durcheinander, kalte Luft trifft warme Luft – und so wächst eine starke Spannung, die sich mit Lichtblitzen entlädt.

Von der Erfindung des Blitzableiters

Darüber, wie aus Wasser, Luft und Eis dann wirklich elektrische Spannung entsteht, sind sich die Wissenschaftler bis heute nicht ganz einig. Dass Gewitterwolken geladen sind, weiß man aber schon seit 1752. Der amerikanische Naturforscher und Politiker Benjamin Franklin fand es heraus, mit einem lebensgefährlichen Versuch. Er baute einen Flugdrachen und ließ ihn, an einer feuchten Schnur geführt, in Gewitterwolken steigen. Als der Drache oben war, floss starker Strom den Draht hinab – und ein unten befestigter Schlüssel sprühte Funken.

Aha, dachte der pfiffige Forscher – da könnte man den Blitz auch in den Boden leiten, vielleicht mit einer simplen Eisenstange. Und schon hatte Benjamin Franklin den Blitzableiter erfunden.

Blitzgefährlich

Seither sind wir im Haus vor Gewittern ziemlich sicher. Im Freien sind schwere Unwetter aber immer noch blitzgefährlich. Beim Schwimmen zum Beispiel: Mit ihrer unheimlich hohen Spannung können Blitze ganze Seen plötzlich elektrisieren. Und weil sie bis zu 30 000 Grad heiß zur Erde schießen, verursachen sie auch Brände.

Zum Glück ist nicht jeder Blitz ein Feuerteufel: Nur "heiße" Blitze – so nennen Wissenschaftler das – kokeln lang genug, um Bäume zu entzünden. "Kalte" Einschläge treffen nur wenige Tausendstel bis Zehntausendstel Sekunden lang ins Ziel.

Gefährliche Gewitterlichter

Wenn sie es überhaupt bis zum Boden schaffen! Nur jeder vierte bis fünfte Blitz erreicht nämlich die Erde. Alle anderen zucken in den Wolken. Leider können sie auch dort oben Unheil anrichten: zum Beispiel Bordcomputer von Flugzeugen verwirren. Und als 1969 die amerikanische Mondmission "Apollo 12" startete, schlug der Blitz ein und legte das automatische Steuersystem lahm. Abgestürzt ist "Apollo" trotzdem nicht – die Astronauten hatten Glück und konnten die Elektronik wieder unter Kontrolle bekommen.

Heute gehen die Raumfahrer lieber auf Nummer sicher. Bevor der Countdown läuft, lassen sie gefährliche Wolken entladen. Französische Wissenschaftler zum Beispiel haben schon die Elektrizität aus den Wolken "gemolken", indem sie

Raketen, an denen lange Drähte hingen, in die Gewitterzone schossen. Fliegende Blitzableiter also – wie der Drachen des Benjamin Franklin.

Vom Blitz getroffen

Verhindern kann die gefährlichen Gewitterlichter letztlich aber niemand. Und niemand kann vorhersagen, wann und wo sie einschlagen. Der Amerikaner Roy Sullivan hat das am häufigsten zu spüren bekommen: Siebenmal hat ihn der Blitz getroffen. Und obwohl er dabei schwer verletzt wurde, hatte er doch großes Glück: Von zehn Menschen, die vom Blitz getroffen werden, sterben im Durchschnitt vier.

Besser also, man geht ihm aus dem Weg, dem schaurig-schönen Feuerstrahl. Bewundern lässt sich das grelle Lichtspektakel ohnehin am besten so: einfach

einen Stuhl vors Fenster stellen, Kaugummi in den Mund und Vorhang auf – zum spannenden Gewitterkino!

Was tun, wenn es blitzt?

Gewitter brauen sich schnell zusammen. Manchmal zu schnell, um noch in ein sicheres Gebäude zu kommen. Wenn Blitz und Donner euch beim Zelten überraschen, klettert einfach in das nächstbeste Auto. Und Vorsicht: Nur ein Gehäuse ganz aus Metall schützt vor dem Blitz; Wohnwagen mit jeder Menge Plastik sehr viel weniger. Falls aber kein Auto in der Nähe ist, dann solltet ihr am besten in die Hocke gehen, die Füße eng zusammen – aber nicht mit den Händen auf dem Boden abstützen! Denn je mehr Bodenfläche euer Körper "abgreift", desto mehr Blitzstrom jagt zwischen euch und der Erde hindurch. Und weil Blitze oft in Bäume einschlagen, darf man sich auf keinen Fall dort unterstellen – auch wenn es in Strömen regnet.

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