Lawinenhunde Spürnasen im Schnee

Wenn Menschen von einer Schneelawine verschüttet werden, muss alles schnell gehen. In den ersten 15 Minuten ist die Überlebenschance der Opfer am größten. Lawinenhunde helfen den Rettungsteams, die Verschütteten schnell zu finden. Mit ihren feinen Nasen können sie einen Menschen noch unter vier Meter tiefem Schnee erschnüffeln. Doch bevor ein Tier als Suchhund eingesetzt werden kann, ist eine ganze Menge Training nötig…

Schäferhund "Amor" läuft über den verschneiten Hang und schnüffelt. Plötzlich bleibt er stehen. Aufgeregt gräbt er mit den Vorderpfoten im Schnee und bellt. Er hat etwas gefunden! Und wirklich klettert aus dem Loch, das Amor gegraben hat, ein Mann ins Freie. "Gut gemacht!" lobt Hundeführer Alfred Schwaighofer seinen Amor und gibt ihm ein Leckerli.

Regelmäßiges Training

Der Mann, den Amor aus dem Schnee gerettet hat, ist allerdings nicht wirklich von einer Lawine verschüttet worden. Die Suchaktion war nur eine Übung. Damit die Lawinenhunde in Form bleiben, müssen sie regelmäßig trainieren. Zu diesem Zweck haben Alfred Schwaighofer und sein Team Höhlen unter den Schnee gegraben, groß genug, dass sich ein Mensch darin verstecken kann.

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Ein gutes Team: Alfred Schwaighofer und sein Lawinenhund Amor

Amor ist mit seinen sechseinhalb Jahren schon ein erfahrener Lawinenhund. Trotzdem geht es für ihn mindestens einmal im Monat zum Training. Jüngere Hunde üben wöchentlich, denn im Ernstfall müssen sich die Hundeführer auf die Fähigkeiten und auf die körperliche Fitness ihrer Tiere verlassen können.

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Früh übt sich…

Ein Lawinenhund kann nur werden, wer schon als Welpe mit der Ausbildung beginnt.

Anfangs gucken die Welpen den anderen Hunden der Gruppe beim Training zu. So gewöhnen sich die Tiere aneinander, und der Welpe wird bald als neues Mitglied im Rudel akzeptiert. Mit vier bis fünf Monaten setzt bei den kleinen Hunden der Spieltrieb ein. Und spielerisch lernt es sich bekanntlich am besten!

Schritt für Schritt

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Amor beim Training. Ob er schon eine Witterung aufgenommen hat?

Auch Amor hat einmal klein angefangen. Als erstes hat Alfred Schwaighofer ihm beigebracht, einen versteckten Gegenstand aufzuspüren. Zuvor hat er den Gegenstand für eine Nacht mit in sein Bett genommen. Denn etwas zu finden, das nach seinem Herrchen riecht, darüber freut sich ein Hund ganz besonders!

Als nächstes hat Alfred sich selbst versteckt. Und zwar in einem Loch in der Erde. Damit Amor später nicht nur sein Herrchen, sondern auch andere Menschen unter einer Lawine findet, hat Alfred nach einigen Malen noch eine fremde Person mit in das Loch genommen. Nach jeder Übung wird Amor mit einem Leckerli oder einer Runde Ballspielen belohnt. Einen Hund zu bestrafen, ist natürlich tabu.

Als Amor schließlich auch eine fremde Person alleine im Loch finden konnte, erhöhte Alfred die Schwierigkeit für seinen Schäferhund. Dieses Mal verdeckte er das Loch mit Schnee. Erstmals musste Amor lernen, nach der versteckten Person zu graben. Mit der Zeit wählte Alfred immer weitere Entfernungen für die Verstecke. Auch die Schneedecke, unter der sich das Loch verbarg, wurde immer dicker. Doch Amor konnte er damit nicht austricksen! Selbst unter zwei Meter tiefem Schnee erschnüffelte der kluge Schäferhund das Versteck!

So lernen Hunde fliegen

Nach einem Lawinenunglück ist es wichtig, dass die Bergungsteams möglichst schnell am Einsatzort eintreffen. Schon nach 15 Minuten im Schnee wird die Chance zu überleben immer kleiner. Oft müssen die Rettungsteams mit dem Hubschrauber eingeflogen werden. Auch für die Hunde gibt es deshalb Flugtraining. Schließlich dürfen sie keine Angst haben, wenn sie neben ihren Herrchen in Schwindel erregender Höhe in einem Gurt unter dem Hubschrauber baumeln. Nach ein paar Flugübungen mit Streicheleinheiten und viel Lob freuen sich die meisten Hunde, wenn sie den Hubschrauber sehen.

Erst wenn ein Hund alle Übungen beherrscht, wird er, wie Amor, zu wirklichen Einsätzen mitgenommen.

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Im Gurt unterm Hubschrauber: Vor dem Fliegen hat Amor keine Angst

Auf die Rasse kommt es an...

Nicht jeder Hund eignet sich als Lawinenhund. Anders, als die meisten Menschen annehmen würden, sind Bernhardiner zu schwer für den Job. Sie würden im Schnee zu leicht einbrechen. Schäferhunde, Labradors, Golden Retriever und Border Collies geben hingegen besonders gute Lawinenhunde ab. Und eine gute Spürnase allein reicht nicht aus. Die Tiere müssen auch menschenlieb und ziemlich schlau sein.

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