Frühlingsblumen Da blüht uns was!

Im Frühjahr schießen sie als Erste aus der Erde und färben die Gärten kunterbunt. Immer blühen Tulpen, Krokusse und Narzissen zur rechten Zeit. Wie schaffen sie das? GEOlino entblättert die Geheimnisse der Frühlingsblumen
In diesem Artikel
Wenn die Tage länger werden, weiß die Blume: Jetzt muss ich blühen

Am Anfang weigerte sich die Hyazinthe hartnäckig zu blühen

Sie sollte mir den Frühling ins Büro bringen, Farbe ins Grau der Möbel und des Schmuddelwetters. Doch was immer ich auch tat – meine Hyazinthe weigerte sich zu blühen. Eine Woche lang. Erst als die Sonne schien, kam sie aus sich heraus. Ihr Stängel war bereits auf die doppelte Länge gewachsen, doch plötzlich krönten auch pinkfarbene, glockenförmige Blüten die Spitze. Und süße Düfte erfüllten den Raum. Wie hatte die unscheinbare Zwiebel das nur innerhalb weniger Tage geschafft? Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Biologen die Geheimnisse der Frühlingsblumen „entblättert“ und begriffen haben, warum sich Hyazinthen und Narzissen so zeitig aus der Erde trauen. Alle Frühblüher streben aus Zwiebeln, die im Herbst eine Handbreit unter die Erde gesteckt werden.

Da blüht uns was!

Meine Hyazinthe: Am 2. Tag sah man nicht viel mehr als fleischige Blätter.

Blumenzwiebeln sind kleine Kraftpakete

Da blüht uns was!

Am 7. Tag begann ich mich schon neugierig zu fragen: Welche Farbe werden die Blüten wohl haben?

In der Erde schlagen sie Wurzeln und speichern Nährstoffe. Blumenzwiebeln sind so etwas wie Luxushotels der Natur. In ihnen ist eine komplette Minipflanze angelegt, umgeben von Zwiebelschalen, die das „Blumenbaby“ versorgen und vor Kälte und Verletzungen schützen. Andere Pflanzen dagegen, die aus winzigen Samenkörnchen sprießen müssen, sind viel mehr Wind und Wetter ausgesetzt und erst einmal damit beschäftigt, noch Blätter, Spross und Wurzeln austreiben zu lassen. Gut umsorgt, können sich die Zwiebelsprösslinge dagegen ganz aufs Wachsen und Blühen konzentrieren. Und das tun sie auch: Kaum heizt die erste Frühlingssonne die Erde auf, schießen sie aus den Beeten. Den Saatblumen sind sie so um Wochen voraus, was viele Vorteile hat: Sie müssen sich weder Licht noch Nährstoffe mit den Konkurrenten teilen. Und auch die Aufmerksamkeit der Menschen gehört ihnen allein.

Wenn die Tage länger werden, weiß die Blume: Jetzt muss ich blühen

Ich habe mir bereits im zeitigen Frühjahr meine Hyazinthe fürs Büro gekauft. Solche Pflanzen aus dem Blumenhandel werden übrigens mit einem Kälteschock aus ihrer Winterruhe geholt. Drei Wochen lagern sie in Kühlkammern. Kommen sie dann ins Warme, beginnt der Spross, aus der Zwiebel zu treiben. Und die Blätter entwickeln sich vollständig. Woher aber wissen die Frühlingsblumen nun, wann sie blühen müssen? Vom richtigen Zeitpunkt hängt schließlich eine Menge ab: Entfalten sie zu früh im Jahr ihre bunte Pracht, könnten Nachtfröste sie zerstören. Von wärmeren Wintertagen lassen sie sich nicht beirren. Das Startsignal zur Blüte gibt das Licht oder besser: die Tageslänge. Pflanzen nehmen den Wechsel von Tag und Nacht über ihre Blätter wahr.

Da blüht uns was!

Am 8. Tag war der Blütenstand schon voll da!

Verblühte Blumenzwiebeln kann man einpflanzen

Da blüht uns was!

Die Blume ist in ihrer vollen Pracht erblüht - am 10. Tag

Ein darin verborgenes Gen namens „Constans“ zählt wie eine Art innere Uhr die Sonnenstunden und beginnt etwa zwölf Stunden nach Tagesanbruch damit, ein spezielles Eiweiß zu produzieren. Sind die Tage wie im Spätwinter noch kurz, wird das Eiweiß gleich wieder abgebaut. Werden die Tage aber im Frühling immer länger, bildet die Pflanze mehr „Constans“, als sie abbaut. Es reichert sich an und „weckt“ schließlich andere Gene, die zur Blütenbildung führen. Fünf Tage lang strahlte meine pinkfarbene Hyazinthe. Dann fielen die Blüten ein, die Blätter welkten. Kein Grund, sie wegzuwerfen! Denn diese Blume lebt weiter. Im „Luxushotel“ Zwiebel hat sich nämlich während der Blüte eine neue Zwiebeltochter entwickelt, mit neuem Pflanzenbaby, das im nächsten Frühjahr wachsen wird. Dann aber an einem schöneren Ort als in meinem Büro: im Garten unserer Chefredakteurin.

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