Unterschlupf für Braunbären

Im Bärenwald Müritz können Braunbären Tag und Nacht im Wald umherstreifen, im Teich ein Bad nehmen und sich nach Herzenslust Höhlen graben – fast wie in freier Wildbahn. Bären, die zuvor in engen Zwingern leben mussten, sollen hier ein besseres Zuhause finden. Mit Fotoshow

"Bärenrettung" steht in grünen Buchstaben auf den drei Transportkisten, die mit Hilfe einer Hebebühne vom Laster gehievt werden. "Jetzt ganz vorsichtig," ruft Carsten Hertwig. Der Leiter des Bärenwaldes Müritz ist ziemlich aufgeregt. Schließlich zieht nicht jeden Tag eine ganze Bärenfamilie in sein Gehege ein! Mit der 24 Jahre alten Bärendame und ihren beiden zwölfjährigen Söhnen werden von heute an insgesamt acht Braunbären im Bärenwald Müritz am Plauer See leben.

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Von wegen Kuscheltiere

Auf einem Rollwagen fahren Carsten und sein Team die drei Kisten samt Neuankömmlingen in ein geräumiges Gehege und setzen sie inmitten einer Blumenwiese ab. Erst wenn alle Helfer das Gelände der Bären verlassen haben und durch einen Stromzaun von den Raubtieren getrennt sind, ist es sicher, die Zottel in ihr neues Zuhause zu entlassen. Zwischen 150 und 600 Kilogramm bringt ein ausgewachsener Braunbär auf die Waage. Krallen und Zähne muss er gar nicht einsetzen, um einem Menschen gefährlich zu werden. Das Öffnen der Kisten funktioniert über ein langes Seil. Carsten und seine Kollegen müssen nur daran ziehen.

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Hauruck! Fast gleichzeitig schieben sich drei dicke schwarze Nasen an die frische Luft. Der Duft von Kamille und Butterblumen scheint den Braunbären zu gefallen. Mit einem Satz verlassen sie die Transportkisten und fangen sofort an, ihre neue Umgebung zu erkunden. Sehr zur Freude von Carsten: "Das läuft nicht immer so gut. Manchmal trauen sich die Bären erst nach Stunden, den Käfig zu verlassen."

Ein artgerechtes Zuhause

Die Bären haben einen weiten Weg hinter sich. Zwölf lange Stunden mussten sie im LKW verbringen. Ihr altes Zuhause, einen Freizeitpark in Baden-Württemberg, werden die drei bestimmt nicht vermissen. Dort waren sie in einem viel zu kleinen Zwinger untergebracht. Statt Wald und Wiese gab es nur Gitterstäbe und Beton. Ganz anders hier! Der Bärenwald Müritz bietet alles, was Braunbären auch in freier Wildbahn schätzen.

Auf einer Fläche so groß wie elf Fußballfelder gibt es Mischwald und Wiesen, Waldlichtungen, Hänge und sogar Teiche und einen Bach. An Langeweile ist für die Bären gar nicht zu denken: Wie ihre wilden Artgenossen müssen die Bewohner des Bärenwaldes selbst auf Nahrungssuche gehen. Ihr Futter wird zu diesem Zweck von den Tierpflegern an immer unterschiedlichen Orten versteckt. Wenn ihr den Bärenpark besucht, wundert euch also nicht, wenn ihr hin und wieder einen Baum entdeckt, an dessen Ästen in luftiger Höhe Möhren, Gurken und Birnen baumeln.

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Bärenhunger auf Obst und Gemüse

Braunbären sind Allesfresser. Fisch und Fleisch bekommen sie eher selten vor die Nase. Dafür vertilgen sie umso mehr Obst und Gemüse, Nüsse und Brot. Damit sie sich in aller Ruhe an die ungewohnte Futtersuche und ihr neues Zuhause gewöhnen können, sind die drei Neuankömmlinge für die erste Zeit in einem eigenen Gehege untergebracht.

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So können die Tierpfleger des Bärenwaldes leichter überprüfen, ob es den Tieren auch wirklich gut geht. Viele Bären, die im Bärenwald Müritz ankommen, sind verhaltensgestört. Oft haben sie jahrelang auf viel zu engem Raum gelebt und aus lauter Langeweile angefangen, ein und dieselbe Bewegung immer und immer wieder zu wiederholen. Im Bärenwald legen die Tiere dieses sinnlose Verhalten nach und nach wieder ab. "Hier treffen sie Artgenossen und können Stück für Stück ihr natürliches Verhalten wiedererlangen," sagt Carsten.

Hier macht man sich für Bären stark!

Der Bärenwald Müritz wurde von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten ins Leben gerufen und ist ein Schutzzentrum für Braunbären, die in Gefangenschaft gehalten wurden. Im Bärenwald können die Tiere endlich wieder ein richtiges Bärenleben führen: Sie klettern auf Bäume, planschen im Wasser und bauen sich Höhlen für die Winterruhe.

Bären, die einmal in menschlicher Obhut gelebt haben, finden sich in der Natur nicht mehr zurecht. Am liebsten wäre es den Tierschützern deshalb, wenn gar keine Bären in Gefangenschaft leben müssten. Den Freizeitpark, aus dem die drei neuen Braunbären stammen, haben sie von ihren Ideen überzeugt. Die Besitzer werden das enge Gehege abreißen und nie wieder Bären halten. Ein großer Erfolg!

Weitere Informationen zum Bärenwald Müritz findet ihr hier

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