Auch Tiere haben Rechte!

Einige lieben wir wie gute Freunde. Andere haben wir nur zum Fressen gern – oder benutzen sie als Versuchskaninchen. Das darf nicht sein, sagen Tierschützer. Seit Jahrhunderten kämpfen sie für unsere Mitgeschöpfe
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Noch immer leiden viele Tiere

Es war Anfang des 13. Jahrhunderts, als ein Wolf im italienischen Gubbio die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Niemand wagte sich mehr vor das Stadttor – außer Franz. "Hüte dich", warnten ihn die anderen, "der Wolf hat schon viele gefressen, er wird auch dich töten." Doch Franz machte sich furchtlos auf in den Wald. Als der Wolf ihn kommen sah, fletschte er die Zähne – und wurde ruhig. Denn Franz redete lange mit dem Tier, nannte es seinen "Bruder" und versprach, sich um den Wolf zu kümmern. Und so gelang es ihm, das Tier zu zähmen. Wie ein Märchen klingt die Legende des Heiligen Franz von Assisi, der etwa von 1181 bis 1226 lebte. Der Kirchenmann war als Tierliebhaber bekannt, viele Menschen betrachten ihn heute als den ersten Tierschützer überhaupt. Selbst dem winzigsten Wurm sah er als schützenswert an. Warum? Weil er Tiere und Menschen als gleichwertige Geschöpfe Gottes achtete. Am 4. Oktober jeden Jahres fallen deshalb nicht zufällig zwei wichtige Termine aufeinander: der Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi und der Welttierschutztag.

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Die Beziehung von Mensch und Tier ist uralt

Der Hund etwa wurde schon vor mehr als 10 000 Jahren zum Haustier. Pferde zähmte man bereits in der jüngeren Steinzeit. Und seit rund 5000 Jahren gackern Hühner rund um die Hütten und Häuser der Menschen. Tiere waren in erster Linie dazu da, den Menschen zu versorgen: mit Fleisch, Milch, Fett, Leder . . . Oder ihm als Lastenschlepper und Karrenzieher zu dienen. Kaum jemand machte sich Gedanken darüber, wie es den tierischen Helfern dabei erging. Warum auch? In der Antike galten Tiere als "Sachen". Und noch im 17. Jahrhundert beschrieb der französische Philosoph René Descartes sie als "Maschinen". Tiere seien gefühllos wie Metall und spürten keine Schmerzen.

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Doch es gab auch andere Meinungen:

Schon im 3. Jahrhundert v. Chr. verbot der indische Herrscher Ashoka das Opfern von Tieren. Der eigentliche Tierschutz in Europa begann mit einem englischen Gesetz, dem „Martin’s Act“ von 1822. Hierzulande dauerte es etwas länger, bis die Menschen merkten, dass auch ihre Mitgeschöpfe keine "Sachen" sind: 1837 gründeten zwei Pfarrer in Stuttgart den ersten deutschen Verein zum Schutz von Nutztieren. Heute gibt es in den meisten Städten Vereine und Organisationen, die sich um Tiere im allgemeinen kümmern. Seit 1933 wird Tierquälerei außerdem unter Strafe gestellt. Und das Tierschutzgesetz von 1972 erklärt Tiere ausdrücklich zu "Mitgeschöpfen". Das heißt, die Menschen müssen dafür sorgen, dass es den Tieren gut geht, ganz gleich, ob Nutz-, Haustiere oder Wildtiere. Vor fünf Jahren nahm Deutschland sogar als erstes Land der Europäi schen Union den Tierschutz in sein Grundgesetz auf – dort, wo die wichtigsten Vorschriften unseres Landes stehen.

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Noch immer leiden viele Tiere

Trotzdem gibt es noch viele Probleme. Der Deutsche Tierschutzbund prangert zum Beispiel die Haltung von Bären, Elefanten oder Tigern in Zirkussen an: Viele leiden unter den ständigen Ortswechseln und dem Leben in zu kleinen Käfigen. Zwar werden Zirkusse heute von Tierärzten überwacht. Weil die Schausteller aber ständig umherziehen, ist die Kontrolle schwierig. Auch Tiertransporte sind sehr umstritten: Wenn Schweine oder Rinder zum Schlachthof gefahren werden, sind sie oft auf engstem Raum zusammengepfercht – egal, ob es klirrend kalt oder brütend heiß ist. Seit einigen Jahren bestimmen Verordnungen, dass etwa die Temperatur auf den Ladeflächen der Transporter nicht höher als 35 Grad sein darf. Es muss außerdem Erholungspausen für die Tiere geben. Und der Platzbedarf ist ebenfalls geregelt. Und noch immer gibt es erbitterten Streit um Tierversuche in Laboren: Die einen sagen, dass ohne solche Experimente an Mäusen oder Affen keine neuen Medikamente oder Operationsmethoden entwickelt werden können, die später todkranken Menschen helfen. Andere fordern, dass Tierversuche generell verboten werden müssen, weil es erstens zu viele unsinnige Experimente gibt und man zweitens mit Lebewesen sowieso nicht so umgehen darf.

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Bären in Freiheit

Zum Glück gibt es in vielen anderen Fällen eindeutigere Lösungen. So wie kürzlich bei drei Tanzbären in Bulgarien. Um Zuschauer zu unterhalten, waren die Tiere schrecklich gequält worden. Die Besitzer hatten ihnen ihre Krallen abgeschnitten und sie auf heiße Metallplatten gezwungen – wo die Braunbären vor Schmerz "tanzten". Die Organisation "Vier Pfoten" kaufte sie frei und brachte sie in ein 120 000 Quadratmeter großes Reservat, wo sie nun in Ruhe leben. Damit sind die letzten Tanzbären in der Europäischen Union endlich frei. Franz von Assisi hätte sich sicher darüber gefreut.

Kinder für Tiere

Ihr wollt euch für Tiere engagieren und wisst nicht wie? Das Jugendportal des Deutschen Tierschutzbundes hilft weiter: Unter www.jugendtierschutz.de gibt es Tipps und Informationen. Außerdem suchen Tierheime manchmal ehrenamtliche Helfer, die zum Beispiel mit Hunden Gassi gehen. Eine Übersicht über die Tierheime in Deutschland findet ihr hier: www.tierschutzbund.de/tierheime

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