Reise ins arktische Eis

Zwei Hamburger Schülerinnen waren auf einem Forschungsschiff in der Arktis unterwegs. GEOlino.de hat sie kurz nach ihrer Rückkehr interviewt. Mit Fotoshow!

Zwei Hamburger Schülerinnen hatten diesen September die Gelegenheit, mit einer internationalen Expedition in die Arktis zu fahren. "Cape Farewell - Kunst und Klimaschutz" nennt sich das Projekt des British Council. Zwölf Schülerinnen und Schüler aus England, Deutschland und Kanada konnten gemeinsam mit Künstlern und Wissenschaftlern das Eis der Arktis erkunden. Jeder Schüler arbeitete dabei an einem eigenen Projekt zum Thema Klimaschutz. Aus vielen Bewerbern wurden die beiden Hamburgerinnen Katharina Fey und Franziska David ausgewählt. GEOlino.de konnte die beiden Klimaschützerinnen einen Tag nach ihrer Rückkehr aus Norwegen interviewen.

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Auf der "Noorderlicht" fuhren die beiden Mädchen durch die Eislandschaft

GEOlino.de: Ihr seid jetzt über eine Woche durchs arktische Eis gefahren. Wie kam es dazu, dass ihr beiden für die Forschungsreise ausgewählt wurdet?

Katharina und Franziska: An unseren Schulen konnten sich Schüler der 9. und 10. Klassen für einen Workshop anmelden. Dann durften von jeder Schule fünf Schüler nach London zu diesem Workshop fahren.

GEOlino.de: Was habt ihr in dem Workshop gemacht?

Katharina und Franziska: Uns wurde erklärt, worum es bei der Reise geht. Außerdem haben alle Schüler ihre Kunst- und Umweltschutzprojekte vorgestellt. Bevor es richtig los ging, waren wir noch einmal in London zu einem zweiten Workshop. Da haben wir zum Beispiel ein Medientraining gemacht. Weil wir ja viele Interviews geben sollten und in England auch auf einer großen Veranstaltung das Projekt vorstellen konnten. Außerdem haben wir mit Künstlern und Wissenschaftlern über unsere Projekte geredet. Und natürlich die anderen Schüler aus England und Kanada kennengelernt.

GEOlino.de: Und dann ging’s nach Norwegen?

Katharina und Franziska: Genau. Wir sind erst von London nach Stockholm geflogen. Da sind wir mitten in der Nacht angekommen. Und um sechs Uhr morgens mussten wir schon wieder weiter fliegen nach Oslo. Von dort dann noch nach Longyearbyen. Da sind wir dann nach einer Nacht auf das Schiff "Noorderlicht" gegangen.

GEOlino.de: Die Reise hat den Titel "Kunst und Klimawandel". Was hat denn Kunst mit dem Klimawandel zu tun?

Katharina und Franziska: Durch Kunst kann man das Thema anders präsentieren. Der Gründer von "Cape Farewell", David Buckland, sagt zum Beispiel, dass Kunst Emotionen auslöst. Nur mit trockenen Fakten kann man niemanden erreichen. Durch die künstlerische Darstellung geht das leichter. Deshalb hatte jeder von uns nicht nur ein wissenschaftliches Projekt sondern auch ein künstlerisches.

GEOlino.de: Ihr habt vor eurer Reise auch viel in euren Schulen vorbereitet. Waren diese Projekte auch künstlerisch?

Katharina und Franziska: Mal so, mal so. Wir haben mit Grundschülern gesprochen und eine Ausstellung zum Thema "Klimaschutz" gemacht.

GEOlino.de: Katharina, du hast vor, ein Kinderbuch über ein Tier der Arktis, dessen Lebensraum zerstört wird, zu schreiben. Ist schon klar, welches Tier zur Hauptfigur wird?

Katharina: Die Hauptfigur wird ein Eisbär sein. Er wird sich in dem Buch auf Wanderschaft begeben und mit der Zerstörung seines Lebensraums konfrontiert. Zum Beispiel wird er im Eis einbrechen, weil das Eis schmilzt. Wenn er zurückkehrt, ist sein zu Hause verschwunden. Das Buch soll bei Kindern ein Bewusstsein für den Klimawandel wecken.

GEOlino.de: Konntet ihr auf eurer Reise denn einen Eisbären beobachten?

Katharina und Franziska: Wir waren einmal an Land und als wir wieder an Bord waren, sahen wir einen Eisbären. Er hat unsere Fährte verfolgt. Es war wirklich spannend.

GEOlino.de: Franziska, dein Wissenschaftsprojekt beschäftigt sich mit Plankton. Was interessiert dich daran?

Franziska: Das spannende am Plankton ist, dass es am Anfang der Nahrungskette steht. Das heißt, alle Veränderungen im Plankton können sich auch direkt auf alle anderen Tiere auswirken.

GEOlino.de: Konntest Du auf der Reise Plankton untersuchen?

Franziska: Ja, es gab eine Forschergruppe "Plankton", bei der ich dabei war. Wir haben zum Beispiel Planktonproben aus verschiedenen Meerestiefen genommen. Danach haben wir das Plankton sortiert – nach verschiedenen Arten und unter dem Mikroskop angeschaut. Es waren auch Experten da, die uns viel dazu erklärt haben.

GEOlino.de: Erkennt man Veränderungen am Plankton, die mit dem Klimawandel zu tun haben?

Franziska: Es gibt einige neue Arten, die früher nicht in der Arktis vorkamen. Weil es wärmer wird, siedeln sich eben mehr Arten an, die höhere Temperaturen aushalten. Außerdem gibt es Probleme für Tiere und Pflanzen, die Salzwasser brauchen. Dadurch dass die Gletscher schmelzen, gibt es dort nun viel mehr Süßwasser.

GEOlino.de: Ihr wart mit Schülern aus Kanada und England unterwegs. Konntet ihr euch gut verständigen?

Katharina und Franziska: Am Anfang war es ziemlich ungewohnt. Wir waren auch nicht zusammen in einer Kabine, damit wir uns eben auch mit den anderen unterhalten. Aber nachdem eigentlich nur Englisch gesprochen wurde, haben wir uns schnell daran gewöhnt. Am Schluss dachten und träumten wir sogar in Englisch. Schade war aber, dass wir die meisten Witze nicht verstehen konnten. Und die wissenschaftlichen Einzelheiten waren manchmal zu kompliziert, aber das Wichtige haben wir schon verstanden. Und die anderen haben uns, egal wie falsch wir gesprochen haben, trotzdem immer verstanden.

GEOlino.de: Wie werdet ihr euch jetzt weiter für den Klimaschutz engagieren?

Katharina und Franziska: Erst einmal werden wir unsere Kunstprojekte fertig stellen und damit hoffentlich einige Menschen erreichen. Es ist auch ein weiteres Treffen mit allen Expeditionsteilnehmern geplant, vielleicht sogar in Kanada. Einen Film von der Reise wird es auch geben. Außerdem sollen die Schulen, deren Schüler dabei waren, in Kontakt bleiben. Aus den Eindrücken und Daten, die wir gesammelt haben, soll Material für Schulunterricht werden. Und ein Internetportal könnte noch weitere Schulen in das Projekt mit einbeziehen.

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Franziska und Katharina im arktischen Eis

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