Das Berliner Tierstimmenarchiv: Löwengebrüll als Klingelton

Wie kann das denn sein? Mitten in der U-Bahn heult ein Wolf, im Stadtpark hört man die Gesänge von Walen und im Klassenzimmer zwitschern Amseln. Schuld daran ist das Berliner Tierstimmenarchiv. In den Räumen der Berliner Humboldt Universität lagern über 110.000 Tierlaute aus der ganzen Welt

Angefangen hat alles vor fast 60 Jahren. Am 30. Oktober 1951 flog ein Waldkauz auf den Hof des Zoologischen Instituts der Humboldt-Uni. Seine Artgenossen, die in Käfigen eingesperrt waren, begrüßten ihn mit lautem Geschrei. Der Biologe Günter Tembrock nahm das aufgeregte Gezwitscher auf Tonband auf. Damit war der Grundstein gelegt für das Tierstimmenarchiv. Heute beherbergt es die zweitgrößte Tierstimmensammlung der Welt. Die Laute von 1800 Vogelarten, 580 Säugetieren, 150 Wirbellosen und zahlreichen Fischen und Reptilien wurden im Laufe der Jahre gesammelt.

Für Biologen ist diese Sammlung ein ganz besonderer Schatz. Denn sie können anhand der Laute, die ein Tier in einer bestimmten Situation von sich gibt, auf das Verhalten schließen. So können sie viele neue Dinge über das Verhalten von Tieren herausfinden. Damit möglichst viele Biologen - am besten auf der ganzen Welt – etwas von der tollen Sammlung haben, sollte das Tierstimmenarchiv digitalisiert werden.

Vor fünf Jahren begann Dr. Karl-Heinz Frommolt, der Leiter des Tierstimmenarchivs, mit dieser Arbeit. Doch alleine konnte er es nicht schaffen. Durch eine clevere Idee konnte das Archiv jedoch genug Geld einnehmen, um viele Menschen einzustellen, die Frommolt bei dieser Arbeit helfen. Die Idee ist eigentlich ganz simpel: Im Internet kann sich jeder für wenig Geld Tierlaute als Klingelton fürs Handy herunterladen. So konnte das Tierstimmenarchiv bereits eine halbe Million Euro einnehmen. Mit dem Geld können die vielen Tierlaute nun digitalisiert werden, damit sie nicht verloren gehen.

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