Höhlen – Unterirdische Wunderwelten

Manche sind groß wie Fußballstadien, durch andere passen Menschen nur, wenn sie auf allen vieren kriechen: Höhlen, die wohl geheimnisvollsten Löcher unseres Planeten. Mit Interview und Höhlen-Tipps

Der Weg in die Höhle führt an einem Seil mehr als 150 Meter in die Tiefe. Ankunft im Kuppelsaal: Gebündelt wie Scheinwerferlicht fallen die Sonnenstrahlen durch die beiden Löcher in der Decke. Ungeheuer riesig ist sie, die Majlis-al-Jinn-Höhle in Oman, einem Land auf der Arabischen Halbinsel. Sie gehört zu den größten unterirdischen Kammern der Welt. Menschen, die sich hier hinunterwagen, wirken unter der mächtigen Kuppel winzig wie Legofiguren. War Salzwasser der Baumeister dieser Unterwelt? Oder hat saures Grundwasser den Hohlraum ins Gestein gefressen? Im Fall der Majlis-al-Jinn rätseln Experten noch immer.

Wasser, Wind, Wellen, Witterung: Höhlen sind das Ergebnis meist Millionen Jahre dauernder Prozesse in der Natur. Im Gegensatz zu Tunneln oder Bergwerken bezeichnen Höhlenforscher, sogenannte Speläologen, nur natürlich entstandene Hohlräume als Höhlen. Die unterirdischen Löcher, Gänge und Gewölbe müssen außerdem, um den Namen Höhle tragen zu dürfen, mindestens so groß sein, dass sich ein Mensch darin bewegen kann – egal ob aufrecht, auf allen vieren oder nur mit eingezogenem Bauch.

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Antelope Canyon in Arizona, USA

Interview mit dem Eishöhlen-Experten Heinz Vonderthann

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"Das Eis sieht immer wieder anders aus"
Heinz Vonderthann kennt die Schellenberger Eisöhle wie seine Westentasche – schließlich wurde er schon mit zehn Jahren zum Fan und hat sich seitdem intensiv mit der Höhle beschäftigt
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In der Blauen Grotte auf Capri

Die Thurston Lava Tube auf der Insel Hawaii bietet jedem Bauch genügend Platz. Die Gesteinsröhre sieht fast aus wie ein U-Bahn-Schacht; das ist typisch für Lavahöhlen. Wenn ein Vulkan ausbricht und sich glühender Gesteinsbrei über die Erde schiebt, erkaltet zuerst dessen Oberfläche und erstarrt. Darunter aber bahnt sich die flüssige Lava weiter ihren Weg. Versiegt der Strom irgendwann, können Tunnel zurückbleiben wie auf Hawaii.

Solche Lavaschächte zählen Experten zu den Primärhöhlen. Unter diesen Begriff fassen sie sämtliche Hohlräume, die zur selben Zeit entstanden sind wie das Gestein, das sie umgibt. Aber unser Planet ist vor allem von Sekundärhöhlen durchlöchert, die erst im Nachhinein gebildet wurden. Dazu gehören Brandungshöhlen wie die berühmte Blaue Grotte auf der italienischen Insel Capri, die im Laufe vieler Jahrtausende von Wellen aus den felsigen Klippen gewaschen wurde. Oder Sandsteinhöhlen, geformt durch das Zusammenspiel von Wind und Regen: Wassertropfen lösen den natürlichen Zement, der die Sandkörnchen zusammenhält. Windböen verstreuen die Körnchen in alle Himmelsrichtungen, Wasser schwemmt sie weg – so wird der Sandstein nach und nach ausgehöhlt. Auch Canyons, enge Schluchten wie der Antelope Canyon im US-Bundesstaat Arizona, sind auf diese Weise entstanden.

Meistens ist also Wasser die treibende Kraft – auch bei der wohl bekanntesten Höhlenart, der Tropfsteinhöhle. Vielleicht habt ihr ja schon mal eine besichtigt: Die meisten der mehr als 50 Schauhöhlen in Deutschland zählen dazu. Diese liegen überwiegend in Gegenden mit besonders kalkhaltigen Böden, etwa in den "Karstgebieten". Sickert dort Regenwasser durch den Untergrund, nimmt es unterwegs Kohlendioxid auf und wird dadurch leicht sauer. Durch kleine Ritzen sucht sich das Wasser seinen Weg im Gestein und löst dabei den Kalk. Manchmal schmirgeln auch mitgeschwemmte Sandpartikel die Schächte aus. So werden aus Ritzen Fugen. Aus Fugen Spalten. Aus Spalten Gänge. Und aus Gängen Hohlräume – in denen Hunderttausende Jahre später gewaltige Tropfsteine, die Stalaktiten, von der Decke hängen, und mächtige Kalksäulen, die Stalagmiten, vom Boden emporwachsen. Jeder Wassertropfen, der an diesen Zapfen herabrinnt oder auf die Sockel perlt, hinterlässt, nachdem das Kohlendioxid wieder entwichen und das Wasser verdunstet ist, eine hauchzarte Kalkschicht. In 100 Jahren wachsen Tropfsteine so rund einen Zentimeter. Auf diese Weise sind auch die rötlich schimmernden Formationen der El-Gara-Höhle in Ägypten entstanden. Die liegt in der Libyschen Wüste, heute eines der trockensten Gebiete der Erde. Vor Jahrmillionen aber formte Wasser diese Landschaft – die unterirdische Pracht der El-Gara-Höhle beweist es.

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El-Gara-Tropfsteinhöhle in der Lybischen Wüste

Hier gibt's Höhlen mit speziellen Angeboten für Kinder:

Binghöhle in Streitberg (Bayern) In dieser Höhle gibt es Märchenführungen für Kinder zwischen drei und sechs: Die Höhlenfee Sinteria entführt euch in ihre Welt zu steinernen Wichteln, Zaubertieren und anderen wundersamen Begebenheiten. Für Kinder zwischen sieben und vierzehn werden Abenteuerführungen geboten: Entdeckt die Höhle auf den Spuren des 13-jährigen Erstbegehers der Höhle aus dem Jahre 1905!

Infos: www.binghoehle.de

Dechenhöhle (NRW) Hier könnt ihr in der Höhle auf Ostereiersuche gehen. Außerdem werde Erlebnisführungen mit Helm und Taschenlampe angeboten.

Infos: www.dechenhoehle.de

Einhornhöhle (Niedersachsen) Geht in der Einhornhöhle mit Taschenlampe auf abenteuerliche Suche: Ihr müsst anhand einer Schatzkarte mehrere Aufgaben erfüllen - und am Ende wartet ein Schatz auf euch. Auf Anmeldung gibt es Ferienpassaktionen für Gruppen: Zum Beispiel einen Orientierungslauf, das Sortieren und Zuordnen von Knochen, Natur-live Rundwanderwage mit ca. 60 Staionen und die Freilegung eines Einhornskeletts.

Infos: www.einhornhoehle.de

Saalfelder Feengrotten (Thüringen) Von April bis Oktober lädt die Grottenfee täglich um 15 Uhr zu einer Feenreise ein. Einmal im Monat gibt es außerdem einen spannenden Rundgang mit dem Bergmann. Während der Tour werden viele Fragen beantwortet: Wie zündeten die Bergmänner früher ihre Kerzen ohne Streichhölzer an? Warum wächst ein Tropfstein wie ein Makkaroni? Warum ist der Berg innen so bunt? Was ist eigentlich “Bergpudding”? Und wie dunkel ist es im Berg ohne Licht?

Infos: www.feengrotten.de

Schauhöhle Schulerloch (Bayern) Bei jeder Führung gibt es eine Licht-Musik-Vorführung. Nach Absprache kann auch eine Experimental-Archäologie-Führung für Kindergruppen gebucht werden. Dabei zeigt ein erfahrener Grabungstechniker, wie unsere Steinzeit-Vorfahren Feuer machten, Klingen schlugen, Pfeile und Muschel-Schmuck herstellten oder auch einen jungsteinzeitlichen Bohrer bauten!

Infos: www.schulerloch.de

Sophienhöhle (Bayern) Hier gibt es ganzjährig Führungen für groß und klein. Jeden Samstag Abend heißt das Motto „Sophie at night“ – eine Lichtinszenierung mit Musik in der Tropfsteinhöhle. Abschließend gibt es am Höhleneingang ein Laferfeuer.

Infos: www.ahorntal.de

Rübeländer Schauhöhlen (Sachsen-Anhalt) In der Baumannshöhle und der Hermannshöhle werden spezielle Kinderführungen angeboten – und sogar Kindergeburtstage könnt ihr hier feiern!

Infos: www.harzer-hoehlen.de

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