Wirbelnde Zerstörung – Wie entsteht ein Zyklon?

Vor kurzem fegte der Wirbelsturm "Nargis" über das südostasiatische Land Myanmar, tötete mehr als 130.000 Menschen und nahm weiteren 2,4 Millionen Menschen alles, was sie jemals besaßen. Wie entstehen solche tropischen Wirbelstürme eigentlich? Wir erklären es euch

Der Beginn: Luft auf einer Korkenzieherbahn

Jedes Jahr jagen Zyklone, tropische Wirbelstürme, mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 Kilometern pro Stunde über den Indischen Ozean. Sie brauen sich vor allem in den Sommermonaten zusammen. In diesem Zeitraum brodelt es über der "Wetterküche" Indischer Ozean. Die Sonne brennt senkrecht auf das Gebiet rund um den Äquator und heizt die obere Wasserschicht des Ozeans auf mindestens 27 Grad Celsius auf. Die Folgen: Wasser verdunstet, feuchte, warme Luft dehnt sich aus und steigt wie in einem Schornstein nach oben. Durch diese Bewegung entsteht ein Tiefdruckgebiet, in das nun Luft aus allen Richtungen nachfließt.

Wo Luft strömt, da entstehen Winde. Das Besondere hierbei ist: Diese Winde gelangen nicht geradeaus ins Herz des Tiefs. Sie werden von der Drehbewegung der Erde abgelenkt. Diese so genannte Corioliskraft lässt die Luftströme um das Tief herumkreisen. Die feuchten Luftmassen wirbeln wie auf einer Korkenzieherbahn in die Höhe, kühlen sich dort ab und bilden Bänder dicker Gewitterwolken, aus denen es erbarmungslos regnet, blitzt und stürmt.

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Der Zyklon "Carina" fegte im Februar 2006 über den Indischen Ozean

Eine gefährliche Kettenreaktion

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Hier seht ihr, wie ein Zyklon entsteht: Zuerst steigt feuchte, warme Luft nach oben (rot-blaue Pfeile), wodurch ein Tiefdruckgebiet entsteht, in das Luft aus allen Richtungen nachfließt (rote Pfeile). Durch die Corioliskraft werden diese Luftströme wie auf einer Korkenzieherbahn nach oben gezogen, kühlen sich ab und bilden dicke Unwetterwolken (blaue Pfeile).

Während die Unwetterwolken wachsen, wird allerdings erneut Wärme freigesetzt. Sie lässt die bereits aufgestiegenen Luftpakete noch höher steigen – und von unten strömt wiederum Luft nach. Diese Kettenreaktion aus Aufsteigen, Wolkenbildung, Abregnen, Weitersteigen beginnt von vorn und versorgt denn Hurrikan jedes Mal mit neuer Kraft. Vorausgesetzt, die nachströmende Luft ist warm und feucht.

Wegen dieser stetigen Selbstverstärkung können Zyklone auf ein Gebiet von 1000 Kilometern Durchmesser anwachsen – das ist weiter als die Strecke zwischen Berlin und Paris! Auf Satellitenfotos sehen sie dann aus wie gewaltige Strudel, die sich um ein wolkenfreies Loch drehen, das so genannte Auge des Sturms.

Zyklon, Hurrikan oder Taifun?

Besonders gefährlich werden diese Wirbelstürme in Küstennähe, denn dort können sie bis zu zehn Meter hohe Flutwellen auslösen, die gerade in solchen dicht besiedelten Ländern wie Indien sehr viele Menschen obdachlos machen oder sogar töten können. Einer der schwersten Zyklone traf im Oktober 1999 mit Windgeschwindigkeiten von über 260 Kilometer pro Stunde auf die Küste Ostindiens. Er kostete mehr als 10.000 Menschen das Leben und versenkte über 50 Schiffe im Hafen der indischen Stadt Paradip.

Übrigens: Tropische Wirbelstürme vom Format eines Zyklons ziehen regelmäßig auch über Nordaustralien, Amerika, Ost- und Südostasien hinweg. Nur heißen die Monster dort Willy-Willy (Australien), Hurrikan (Amerika) oder Taifun (Südostasien).

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