Tiere Wildkatzen: unsichtbare Jäger

In Deutschland waren die scheuen Wildkatzen fast ausgestorben. Jetzt kehren sie zurück...
Wildkatzen: unsichtbare Jäger

Im Dickicht sind Wildkatzen fast unsichtbar

Urtier Wildkatze

Die europäische Wildkatze war ursprünglich überall in Europa verbreitet, von den Britischen Inseln bis zu den Randgebieten Asiens.

Doch als immer mehr Wald abgeholzt wurde, wurde auch die Wildkatze immer seltener. Denn der Wald ist ihr natürlicher Lebensraum. Außerdem machte der Mensch Jagd auf sie und rottete neben ihr auch die großen Räuber, Bär, Luchs und Wolf aus.

Doch schon 1982 war die Wildkatze im Spessart verschwunden. Der Grund: Für die Jäger war sie ein Schädling, der auf der Feldflur die Anzahl der Rebhühner, Fasanen, Hasen und angeblich sogar junger Hirsche dezimiert.

Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde sie unter Naturschutz gestellt. Seitdem hat sich ihr Bestand wieder etwas erholt. Heute leben Wildkatzen im Nationalpark Hainich, im Steigerwald, im vorderen Bayerischen Wald, im Taunus, im Spessart, im Thüringer Wald, in der Rhön und im Harz. Biologen schätzen ihr Gesamtvorkommen auf 3000 bis 5000 Tiere.

Wilde, kleine Tiger

Wildkatzen: unsichtbare Jäger

Wildkatzen jagen nachts

Förster Hubert Gebhard zieht seit 1982 fünfundzwanzig Kilometer östlich von Aschaffenburg, im Walddorf Rothenbuch, Wildkatzen auf und wildert sie dann aus. Für ihn ist die Wildkatze nicht mit der Hauskatze vergleichbar. "Ein Schäferhund kann auch nicht mit einem Wolf verglichen werden. Die Wildkatze gleicht eher dem Luchs. Sobald man in ihre Nähe kommt, fletscht sie die Zähne und stellt das Nackenhaar", sagt Gebhard.

Während die Haus- oder Falbkatze aus Afrika auf den Schiffen der Römer nach Europa kam, ist die Wildkatze eine echte Europäerin. Gut genährte Wildkatzenkater sind gedrungener und größer als Hauskatzen. Ihr Bauchfell ist cremefarben, verwaschen und kaum getigert. Ihr Schwanz hat am Ende drei schwarze Streifen und endet stumpf und buschig.

Wildkatzen: unsichtbare Jäger

Lautlos im Unterholz

Blitzschnelle und hoch intelligente Samtpfoten

Bei der Aufzucht werden die Tiere auch in Gefangenschaft nicht handzahm. Sie haben fein ausgebildete, scharfe Sinne, eine höhere Intelligenz und eine für die Jagd und Flucht zielsichere, blitzschnelle und geschmeidige Beweglichkeit.

Im Wald sind sie für den Wanderer unsichtbar und können im Käfig für Förster Gebhard durch ihre Wildheit gefährlich werden. Am Maschendrahtzaun können sie bis zu zwei Meter hoch springen und blitzartig mit ihrer Tatze und den scharfen Krallen durch den Maschendraht kratzen.

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Waldkorridore zur Verbreitung der Wildkatze

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Wildkatzen haben in der Regel 4 bis 6 Junge

Ein Wildkatzenkater braucht bis zu 40 Quadratkilometer lichtdurchfluteten Buchen-, Eichen- oder Tannenwald als Streifgebiet, um sich fortzupflanzen und zu überleben. Reicht der Platz nicht aus, müssen die Jungtiere abwandern. Doch die Suche nach geeigneten Revieren ist mit Gefahren verbunden.

Straßen, Eisenbahn-Trassen und Siedlungen behindern die Jungtiere auf ihrer Wanderung in ein neues Wildkatzengebiet. Deshalb arbeitet der BUND, gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, an der Vernetzung der Wildkatzenwälder in Bayern, Hessen und Thüringen.

Geplant ist ein Wanderwegenetz in der Größe von 20.000 Kilometern durch die Bundesrepublik Deutschland. Die Lebensräume sollen durch Waldkorridore, 50 Meter breite Waldstreifen, verbunden werden. Bis Ende 2009 soll das Pilotprojekt abgeschlossen sein.

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