Haie: Tauchen ohne Käfig

Weiße Haie sind für den Südafrikaner Chris Fallows alles andere als gefräßige Monster. Der 36-Jährige gibt seinen Lieblingshaien Namen, beschreibt die riesigen Raubfische als "entspannt" und "vorsichtig" und versucht, ihre Körpersprache zu verstehen
In diesem Artikel
Markierung der Rückenflosse
Entspannte Riesen
Neugierige Raubtiere
Tauchen ohne Käfig
Fester Blickkontakt
Körpersprache der Haie
Attacke aus der Tiefe

Markierung der Rückenflosse

Wenn Sie im Mai vor der Robbeninsel Ausschau nach den Haien halten, woran erkennen Sie ihre "alten Bekannten"?

Die meisten Weißen Haie tragen einzigartige Muster auf ihrer Haut. Viele erkenne ich auch an den Kerben und Einschnitten in ihrer Rückenflosse. Oder an weißen Markierungen. "Februar", eines meiner Lieblingsweibchen zum Beispiel, besitzt einen großen weißen Fleck an ihrer Rückenflosse und ist daran sehr leicht zu erkennen.

Entspannte Riesen

Wodurch zeichnen sich Haie wie "Februar" aus?

Sie fallen durch ihr besonderes Verhalten auf. "Februar" zum Beispiel ist ein unglaublich großer Hai. Sie misst 5,2 Meter, wiegt etwa 1500 Kilogramm und ist trotzdem ein ganz, ganz entspanntes Tier. Einen solchen Riesen ruhig neben dem Boot schwimmen zu sehen, ist schon etwas Besonderes. Ich weiß, die Menschen glauben gern, Haie seien verrückte und aggressive Wesen, die nur eines wollen: Fressen! Das genau aber sind sie nicht. Wenn "Februar" um unser Boot schwimmt, versucht sie erst gar nicht, in irgendetwas zu beißen. Sie schwimmt ausgesprochen langsam und ist sehr vorsichtig bei jeder Bewegung.

Neugierige Raubtiere

Trotzdem gelten Weiße Haie als ziemlich neugierig, oder?

Ja, das sind sie. Treibt zum Beispiel etwas auf dem Wasser, tauchen die Haie auf und schauen sich dieses Etwas genau an. Kommt es ihnen komisch vor, schwimmen sie jedoch lieber davon, statt sich diesem Unbekannten weiter zu nähern.

Tauchen ohne Käfig

Wie nähern Sie sich den Haien, wenn Sie die Tiere unter Wasser beobachten wollen? Steigen Sie zu diesem Zweck in einen Tauchkäfig?

Nein, ich tauche ohne Käfig und gehe in der False Bay auch ohne Angst schwimmen und surfen. Ich fürchte mich nicht vor den Weißen Haien, sondern habe nur enormen Respekt vor ihnen. Natürlich bin ich mir bei den Tauchgängen bewusst, dass mich die Haie ganz einfach töten könnten. Doch sie tun es nicht. Sie akzeptieren mich in ihrer Welt.

Fester Blickkontakt

Worauf muss ein Mensch achten, wenn er mit Weißen Haien taucht?

Wer mit großen Raubfischen wie Weißen Haien, Bullenhaien oder auch Makohaien taucht, sollte immer festen Blickkontakt mit den Tieren halten. Dasselbe gilt ja auch beim Umgang mit Raubtieren an Land: Wenn du ein Raubtier anschaust, weiß es, dass es gesehen wurde. Von diesem Moment an wird es sich zweimal überlegen, ob es sich nähern oder sogar angreifen sollte - wobei ein Angriff sehr unwahrscheinlich ist. Zweitens sollte der Taucher niemals in Panik verfallen und wild mit den Beinen strampeln. Solche hektischen Bewegungen erzeugen Schwingungen, die den Hai nervös machen und ihn auf die Idee bringen könnten, sich den Taucher einmal ganz aus der Nähe anzusehen. Wenn sich der Mensch aber ruhig und selbstbewusst bewegt, passiert so etwas kaum.

Körpersprache der Haie

Seit einiger Zeit glauben Wissenschaftler, dass die Vorstellung vom Weißen Hai als großem Einzelgänger falsch ist. Haben Sie die Tiere jemals in einer Gruppe gesehen?

Ja, es gibt eine Menge solcher Beobachtungen. Mir ist beispielsweise aufgefallen, dass manche Haie jedes Jahr gemeinsam in die Bucht kommen und sie im Team auch wieder verlassen. Wir können also davon ausgehen, dass Weiße Haie in losen Gruppen umherziehen. Schwimmen zwei dieser Tiere dicht nebeneinander oder begegnen sie sich durch Zufall, kann man beobachten, wie sich die Tiere durch Körpersprache miteinander verständigen. Was genau sie besprechen, verstehen wir leider noch nicht so richtig, aber es ist sehr interessant, den Haien dabei zuzusehen.

Attacke aus der Tiefe

Können Sie ein Beispiel für diese Körpersprache geben?

Wenn ein Hai seine Brustflossen senkt, signalisiert er damit, dass er sich gerade über etwas aufregt und sich wünscht, dieses Ärgernis möge verschwinden. Man kann dieses Verhalten deshalb auch als Drohgebärde deuten. Ein ganz anderes Signal gibt ein Hai, der unter sich einen anderen Hai entdeckt und sich auf die Seite legt - geradeso wie ein Flugzeug, das eine Kurve fliegt. Die Seitwärtsrolle sagt soviel wie: "Hey, ich habe dich gesehen. Ich weiß, dass du da bist und ich werde jetzt verschwinden." Gleichzeitig dreht er dabei seinen Bauch aus dem Sichtfeld des anderen Hais und schützt dieses empfindliche Körperteil so vor einer möglichen Attacke aus der Tiefe.

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