Island Sommerferien für die Islandpferde

Frei wie ein Wildpferd: Von Juli bis Oktober lassen Pferdezüchter auf Island ihre Tiere in den Bergen laufen. Erst im Herbst werden die Herden zurück ins Tal getrieben: ein Riesenspektakel
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Islandpferde

Zuerst dringt ein Grollen ins Tal - wie Trommelwirbel, der immer lauter wird. Der Boden beginnt zu vibrieren, und dann sind sie endlich da: die Islandpferde. 700 bis 1000 Tiere. Mit geweiteten Nüstern und fliegenden Mähnen galoppiert die Herde den Berg hinab. Vorn die Leittiere, dahinter der Rest, dann die Reiter. Sie feuern die Vierbeiner mit lauten Hoohoo!-Rufen an.

Unten im Tal warten schon Hunderte Männer, Frauen und Kinder gespannt auf die Pferde. Denn in Hunavatnssýsla, einer Region im Nordwesten Islands, ist der so genannte "Herdenabtrieb" das aufregendste Erlebnis des Jahres.

Sommerferien für die Islandpferde

Für die Islandpferde bedeutet die Rückkehr in die Täler das Ende ihrer "Sommerferien". Von Mitte Juli bis Anfang Oktober durften sie in den Bergen wie richtige Wildpferde leben. Kein Hirte begleitete die Herde, kein Weidezaun versperrte den Tieren den Weg.

Erst kurz vor Wintereinbruch reiten die Bauern aus, um ihre verstreuten Pferde einzusammeln. Denn die kalte Jahreszeit verbringen die Herden auf Weiden in der Nähe der Bauernhäuser. Wenn das Gras knapp wird, können die Züchter ihre Tiere mit Extra-Futter versorgen. In den Bergen würden die Tiere schlimmstenfalls sogar verhungern.

Kaum ist die Herde zur Ruhe gekommen, beginnen die Männer mit dem "Sortieren". Nach zweieinhalb Monaten Wildnis haben sich die Pferde verschiedener Besitzer nämlich vermischt - und so muss jeder Bauer seine Hengste, Stuten und Fohlen aus der großen Menge schwarzer, brauner und fuchsfarbener Leiber herausfinden. Doch woher weiß er, welche Tiere ihm gehören? Eine Kerbe im Ohr des Pferdes und eine Brandnummer auf dem Rücken verraten den Namen des Besitzers.

Isländisches Rodeo

Damit das Sortieren schneller geht, haben die Isländer außerdem ein Gerät erfunden, das aus der Luft wie ein riesiges Wagenrad aussieht. Der Raum zwischen zwei Speichen dieses Rades gehört jeweils einem Bauern. Die Mitte des Gatters ähnelt einer Zirkusmanege.

Dort werden schubweise 20 bis 50 Pferde hineingetrieben, aussortiert und je nach Besitzer in die entsprechende "Speichenbox" geschleust. Bis diese Prozedur mit allen Islandpferden beendet ist, vergehen etwa sechs Stunden.

Klingt allerdings leichter als es ist: Im Gedränge zeigt schließlich kein Pferd gerne sein Ohr. Die Tiere bocken, schlagen aus oder bäumen sich auf. Oft müssen drei bis vier Männer eines festhalten, damit die Ohr-Marke geprüft werden kann.

"Isländisches Rodeo" wird dieser Ringkampf zwischen Mensch und Vierbeiner deshalb auch genannt. Und nicht selten landen Männer und Pferd dabei im Dreck. Ernsthaft verletzt wird dabei kaum jemand, aber dicke blaue Flecken gehören zu jedem richtigen Pferdefänger. Jugendliche müssen mindestens 13 Jahre alt sein, wenn sie beim "Rodeo" mithelfen wollen.

Islandpferde: die reinste gezüchtete Pferderasse

Islandpferde sind sehr kräftige Tiere. Sie haben einen massigen Kopf und kurze Beine: Ihre Rückenhöhe liegt zwischen 1,30 und 1,45 Meter. Außer Schritt, Trab und Galopp beherrschen sie auch den Pass und den für sie typischen Tölt - einen Gangart, bei der ein Reiter ruhig wie auf einem Sofa sitzt. Zum Beweis wird bei Shows ein Test im Tölt vorgeführt: Dabei muss der Reiter ein volls Glas Bier in der Hand halten, ohne einen Tropfen zu verschütten.

Keine andere Pferderasse beherrscht diese Gangart so perfekt wie die Isländer. Aber nicht nur deshalb sind die Bauern in Hunavatnssýsla stolz auf ihre Tiere, die sie nach dem anstrengenden "Rodeo" in kleine Herden nach Hause treiben.

Die Besitzer können auch sicher sein, dass ihre Vierbeiner zu den am reinsten gezüchteten Pferderassen der Welt gehören! Schon vor rund 1000 Jahren beschlossen die Bewohner der Insel nämlich, dass kein fremdes Pferd isländischen Boden betreten darf. Und dieses Gesetz wird bis heute streng eingehalten.

Islandpferde
Tierlexikon
Islandpferde
Die Tiere "sprechen" wie alle Pferde mit dem Körper. Weltweit benutzen sie dabei dieselben Signale, um zu zeigen, ob sie fröhlich, entspannt oder wütend sind
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