Fabelwesen Das Einhorn - Die Wahrheit hinter dem Mythos

Ein weißes Pferd mit magischen Kräften, auf der Stirn ein gewundenes Horn. Vom Einhorn hat jeder schon einmal gehört. Aber wusstet ihr auch, dass das anmutige Wesen seine Popularität einem über 2000 Jahre alten Übersetzungsfehler verdankt?
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Ein Horn, ein Pferd!

In fast jedem Fantasy-Roman kommt es früher oder später vor - das Einhorn, ein gutherziges magisches Wesen, oft verfolgt von niederträchtigen Schurken, die seine Zauberkräfte für sich nutzen wollen.

Herkunft des Hornträgers

Aber: Woher stammt eigentlich das Einhorn? In Deutschland und Europa war es wohl die Bibel, die das Fabeltier zum Star gemacht hat. Oder genauer, das Alte Testament. Denn als der hebräische Text im dritten Jahrhundert vor Christus ins Griechische übertragen wurde, standen die Übersetzer plötzlich vor einem Problem: An mehreren Stellen wurde von einem seltsamen Tier berichtet, dem "Re'em". Bei den 72 Übersetzern herrschte Ratlosigkeit. Niemand wusste genau, um was für ein Wesen es sich dabei handelte. Schließlich nannten sie es "Monokeros", zu deutsch "Einhorn".

Dieses "Ur-Einhorn" hatte mit dem anmutigen Wesen, wie wir es heute kennen, allerdings nur wenig zu tun: Kräftig und wild war es, von Eleganz und Zauberkräften keine Spur! Aus gutem Grund: Wie wir heute wissen, handelte es sich beim Bibel-Einhorn um nichts anderes als um einen Auerochsen - und dem sprießen bekanntlich zwei Hörner aus dem Schädel.

Erklären lässt sich dieser Hörner-Irrtum so: Möglicherweise kannte einer der Übersetzer das "Re'em" von einer Zeichnung oder Wandbemalung. Da zu jener Zeit jedoch vornehmlich in der Profilansicht - also von der Seite - gezeichnet wurde, war häufig nur eines der beiden Hörner zu erkennen.

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Der Auerochse freut sich über seine schmeichelnde "Verwandtschaft" mit dem Einhorn

Nashorn statt Einhorn

Ein Übersetzungsfehler mit Folgen: Im Laufe der Jahrhunderte festigte sich der Glaube an das Einhorn - schließlich meinte man ja, dass seine Existenz durch die Bibel "belegt" war! Hinzu kamen Augenzeugenberichte, die bis ins ferne Indien und nach China reichten. Immer wieder behaupteten Menschen, das Einhorn leibhaftig gesehen zu haben: Selbst der berühmte Reisende Marco Polo gehörte dazu! Ganz falsch lag er freilich nicht: Allerdings war sein "Einhorn" wohl doch nichts anderes als ein schlichtes Nashorn.

Im Laufe des Mittelalters änderte das Einhorn in den Geschichten und Erzählungen dann immer mehr seine Gestalt und wurde schließlich zu dem erhabenen Tier, das wir heute kennen: Ein pferdeähnliches Wesen mit Zauberkräften, das (meist) in einem Garten oder Wald zu Hause ist und als Symbol für Edelmut und Güte gilt.

Und weil man seinem Horn magische Kräfte zuschrieb, fanden sich auch immer wieder Menschen, die es in pulverisierter Form als Medizin zum Verkauf anboten. Natürlich war das Ganze nur Gaunerei: Die Verkäufer hatten schlicht die Hörner anderer Tiere pulverisiert und hofften auf die Leichtgläubigkeit der Kunden. Aus diesem Grund ist das Einhorn bis heute noch das Symbol vieler Apotheken.

Doch kein Mythos?

Übrigens - 2008 tauchte im italienischen Wildreservat Prado in der Toskana ein ganz besonderes Reh auf: Mitten auf seiner Stirn ragte ein einzelnes Horn in die Höhe – ein sehr seltener Fehler im Erbmaterial des Tieres! Manche Wissenschaftler vermuten nun, ähnliche Tiere könnten im Laufe der Geschichte für die Entstehung des Einhorn-Mythos verantwortlich gewesen sein.

Fest steht allerdings, dass auch diesem einhörnigen Reh eine wichtige Einhorn-Eigenschaft fehlt: Zaubern kann es nicht! So existiert das wahre Einhorn wohl auch weiterhin nur an einem einzigen Ort – im Reich der Fantasie!

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