Fabelwesen Wolpertinger

Der Körper eines Hasen, Entenflügel statt Vorderläufe und auf dem Kopf das Geweih eines Hirsches! So soll der Wolpertinger aussehen, ein recht junger Vertreter unter den Fabelwesen, der tief verborgen in den Wäldern Bayerns und in den Alpen lebt.
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Ausgestopfter Wolpertinger als Souvenir

Grenzenlose Liebe

Begonnen hatte alles vor 100 Jahren mit der ganz großen Liebe zwischen einem Hasen und einem Rehbock. So groß soll diese Liebe gewesen sein, dass beide Tiere ein gemeinsames Junges zur Welt brachten. Als die anderen Waldtiere nun das gehörnte Hasenbaby sahen, muss ihnen bewusst geworden sein, dass Liebe tatsächlich jede Grenze sprengen kann.

Und nachdem sich auch Hase und Ente, Marder und Hecht, Fuchs und Fasan irgendwie gefunden hatten, entstand eben der Wolpertinger – ein Mischwesen aus allem, was im bayrischen Wald so kreucht und fleucht. Kein Wunder also, dass kein Wolpertinger dem anderen gleicht: Zwar besitzen viele Exemplare einen gehörnten Hasenkopf mit Entenflügeln. Aber daneben sollen bereits Tiere mit dem Körper eines Wildschweins oder sogar den Flossen eines Hechts gesichtet worden sein.

Wissenschaftliche Zweifel berechtigt

So etwas kann es doch gar nicht geben, sagt ihr jetzt? Zweifelsohne stimmen euch sämtliche Wissenschaftler und Biologen zu: Eine Paarung zwischen Vögeln und Wildschweinen, Fischen und Nagetieren – völlig unmöglich! Tatsächlich wurde noch kein einziges Exemplar lebend gefangen. Böse Zungen behaupten sogar, der Wolpertinger habe an einem ganz anderen Ort das Licht der Welt erblickt: nämlich in der Werkstatt eines scherzfreudigen Tierpräparators. Dieser soll - wie ein tierischer Doktor Frankenstein - verschiedene Teile von Tieren einfach zusammengesetzt und an ahnungslose Touristen verkauft haben.

Aber würde dann das "Deutsche Jagd- und Fischereimuseum" in der Münchner Innenstadt zahleiche ausgestopfte Wolpertinger ausstellen, wenn sie nur Fälschungen wären? Oder gäbe es wirklich ein "Internationales Mittenwalder Wolpertinger Museum"? Bayrische Jäger, zumindest diejenigen, die einen ausgestopften Wolpertinger im Wohnzimmer stehen haben, sind sich sicher: Den Wolpertinger gibt es wirklich! Schließlich haben sie das Tier ja mit eigenen Augen gesehen und erlegt! Sagen sie.

Größtenteils harmlos

Eine wirkliche Jagdleistung wäre das nicht. Denn obwohl ein Wolpertinger recht gefährlich aussehen kann, sollte eine Begegnung mit dem friedfertigen Tier in der Regel harmlos verlaufen: Nur Wurzeln und Kräuter, gelegentlich auch einmal kleinere Tiere und Insekten stehen auf seinem Speiseplan, keine ausgewachsenen Menschen.

Allerdings soll der Speichel des Geschöpfes zu seltsamen Nebenwirkungen führen. Wo die Wolpertinger-Spucke auf der Haut landet, sprießen auf der Stelle Haarbüschel hervor. Und irgendwo in seinen Genen muss sich auch ein Stinktier verstecken: Denn dem bestialischen Geruch, den ein Wolpertinger zur Verteidigung verspritzt, lässt sich auch mit Duschgel und Seife nicht beikommen. Er verschwindet erst wieder nach sieben Jahren - wie von Zauberhand.

Ein ganzes Museum nur für Wolpertinger

Im bayrischen Mittenwald gibt es sogar ein ganzes Museum, das sich mit den putzigen bayrischen Fabelwesen beschäftigt, das "Internationale Mittenwalder Wolpertinger Museum". Die ausgestopften Tiere werden in einer Natursteinhöhle, einem ehemaligen Eiskeller der Brauerei Mittenwald, ausgestellt.

  • Adresse:
    Wolpertinger Museum
    Insbruckerstr. 40
    Tel. 08823-1240
  • Öffnungszeiten:
    Di - Fr 10.00 - 17.00 Uhr
    Sa, So 10.00 - 17.00 Uhr
    (Nebensaison ab 15.00 Uhr)

Deutsches Jagd- und Fischereimuseum

Auch im "Deutschen Jagd- und Fischereimuseum" könnt ihr euch eine Sammlung von Wolpertingerv anschauen.

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