Wetter Schulstunde mit dem Wetterfuchs

In einem Interview erklärt uns Meteorologe Sven Plöger, was wir schon immer über den Wetterbericht wissen wollten

Was wir schon immer über den Wetterbericht wissen wollten:

1. Wie lange können Meteorologen das Wetter genau voraussagen? Und ab wann sind ihre Vorhersagen eher eine Vermutung als eine sichere Aussage?

Die Frage ist hier natürlich, was "genau" heißt. Aber sehr gut sind die Vorhersagen für den Folgetag mit rund 90 Prozent Trefferquote. Für drei Tage ist man heute so gut wie vor 25 Jahren für den Folgetag und im Mittel kann eine Prognose sieben Tage weit reichen. Ein Trend, der zeigt, ob eher wärmere oder kältere Luft in unsere Richtung strömt, kann bis zu 15 Tage noch Aussagen liefern.

2. Von welchen Wetterfaktoren leiten Meteorologen ihre Vorhersagen ab und welche Datenmengen werden berechnet, um eine Ansage wie zum Beispiel den allabendlichen Fernseh-Wetterbericht zu machen?

Wir Meteorologen müssen zunächst mal wissen, wie das Wetter IST. Denn erst, wenn man das richtig erfasst hat, kann man auch eine gute Prognose machen. Um diesen Ist-Zustand zu erfassen, braucht man ständig die aktuellen Daten, die die Wetterstationen messen. Dazu gehört die Betrachtung der Satelliten- und Radarbilder und auch der Einsatz eines Blitzcomputers. Dadurch weiß man nämlich, wo sich gerade Gewitter entladen. All diese Daten fließen aber auch in die Computermodelle ein, die das Wetter in den nächsten Stunden und Tagen errechnen. Die Ergebnisse dieser Modelle wiederum interpretieren wir Meteorologen. Das Ergebnis davon – die Wetterprognose – präsentieren wir dann in den für Zuschauer verständlichen Worten im Fernsehen. Übrigens ist der Text nicht vorgeschrieben, sondern wird frei gesprochen, also erst während der Live-Sendung "erfunden".

3. Woran kann es liegen, dass zum Beispiel im Sommer trotz angekündigten Sonnenscheins plötzlich Regenwolken über dem Freibad aufziehen und es zu tröpfeln beginnt?

Eine richtige Fehlprognose passiert eigentlich selten. Wenn es aber dazu kommt, dann sitzen wir Meteorologen danach natürlich zusammen und versuchen zu verstehen, warum die Prognose daneben ging. Viel häufiger passiert es hingegen, dass das Wetter in nahe beieinander liegenden Orten sehr unterschiedlich ist. Und das gerade im Sommer, wenn häufiger Schauer oder Gewitter unterwegs sind. Diese haben nur eine verhältnismäßig kleine Ausdehnung und so kann es im einen Ort gerade blitzen, donnern und hageln, im Nachbarort aber sonnig sein. Wenn im Wetterbericht "meist sonnig mit nur einzelnen Schauern" gesagt wurde, gehen viele Leute davon aus, dass der Schauer sie schon nicht treffen wird… und sind am Ende überrascht.

4. Im vergangenen Winter fiel vor allem in Norddeutschland erstaunlich viel Schnee. Wie kommt es, dass in manchen Jahren der Winter so kalt und schneereich ist, wenn er in den Jahren zuvor doch viel milder war und statt Schnee Regen gefallen war?

Die Atmosphäre ist ein wahnsinnig komplexes System, in dem sich ganz viele Prozesse gegenseitig beeinflussen. Deshalb schwankt das Wetter von Tag zu Tag, von Woche zu Woche und von Jahr zu Jahr. Mal ist feuchtkalte, mal sehr milde Luft bei uns. Das ist ganz normal. Außerdem spüren wir selbst das Wetter immer nur da, wo wir gerade sind. So kann es natürlich sein, dass es bei uns kalt und schneereich ist – wie im Winter 2010 – und gleichzeitig anderswo ein ungewöhnlich milder Winter herrscht. 2010 war das z.B. auf Grönland so, wo die Temperaturen oft über 10 Grad plus lagen, obwohl Grönland viel weiter nördlich ist als Deutschland!

5. Lässt sich jetzt schon sagen, wie der Sommer 2010 wird? Wenn ja, welche Prognose wagen Sie?

Die Antwort ist ja schon bei der ersten Frage zu finden. Der Sommer ist ja nicht nur sieben bis 15 Tage lang, also ist eine seriöse Sommerprognose völlig unmöglich. Darum wage ich sie auch gar nicht. Zwar stößt man immer wieder auf Leute, die behaupten, sie wüssten wie der nächste Sommer oder Winter wird. Doch wenn man es dann im Nachhinein überprüft, sieht man, dass es eben leider doch nicht geht. Mich als studierten Meteorologen wundert das auch nicht, denn so leicht lässt sich die komplizierte und beeindruckende Natur eben nicht in ihre Karten schauen. Und vielleicht ist das auch gut so!

Schulstunde mit dem Wetterfuchs

Diplom-Meteorologe Sven Plöger

Gewinner der meteorologischen Schulstunde

Schulstunde mit dem Wetterfuchs

Den 40 Schülern der Schlossbergschule in Dotternhausen hat die Stunde mit dem Wetter-Experten Spaß gemacht

Die Schulstunde mit dem Wetterexperten Sven Plöger hat die Schlossberg- schule in Dotternhausen, 70 Kilometer südwestlich Stuttgarts, gewonnen. Den 40 Schüler der 5. bis 8. Klasse beantwortete er Fragen rund um Wettervorhersagen, Wetterextreme, Klimaschutz und Klimawandel. Unter anderem erklärte der Meteorologe auch, welche Auswirkungen der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull auf das Klima hat.

GEOlino-Newsletter