Bienensterben Rettet die Bienen!

An schönen Sommertagen summt und brummt es auf den Wiesen, Bienen fliegen herum, sammeln Nektar und bestäuben die Blumen. So idyllisch könnte es sein, doch Forscher warnen: Bald könnten Bienen aussterben

"Eigentlich ist es in der Natur ganz natürlich, dass Bienenvölker sterben", erklärt Jürgen Tautz, Professor an der Universität Würzburg. Doch alarmierend findet er die Zahlen: In den letzten Jahren aber starben deutlich mehr, etwa 30 Prozent aller Bienenvölker. Normal wäre es, dass nur jedes zehnte Bienenvolk stirbt. Was ist los mit den Bienen?

Für das Verschwinden der Insekten mit dem Stachel gibt es viele Erklärungen. Krankheiten beispielsweise, aber auch die Landwirtschaftsform, die wir betreiben. Die Monokulturwirtschaft, also der einseitige Anbau von Pflanzen. Dieser Ackerbau bedeutet für die Insekten, dass sie nur während eines kurzen Zeitraums von einer Pflanzenart Nektar sammeln können, den Rest des Jahres aber Hunger leiden. Natürlich schädigen außerdem Insektengifte die Tiere. Der Klimawandel sowieso.

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Jürgen Tautz

Ein Drittel unserer Lebensmittel betroffen

Die hohen Verluste bereiten den Bienenforscher große Sorgen: "Das Sterben bedeutet für uns Menschen und die Natur eine große Gefahr, die in den nächsten Jahren zur Bedrohung werden könnte." Denn wenn die Bienen fehlen, stehen sie nicht mehr als Bestäuber der Pflanzen zur Verfügung. Eine Folge wäre, dass wir dadurch keinen Honig und kein Wachs mehr bekämen. "Auf den Honig für das Frühstücksbrötchen könnten wir vermutlich verzichten", meint Tautz. Was also beunruhigt die Forscher so dermaßen?

"Aber andere Folgen bringen so gravierende Folgen mit sich, dass sie eine ernsthafte Gefahr sind. Ein Drittel unserer Lebensmittel wächst ausschließlich nach der Bestäubung durch Bienen", weiß er. Darunter zählen Äpfel, Birnen, Kirschen oder Pflaumen. "Wenn diese Nahrungsmittel alle wegfallen würden, entstünde eine extreme Lücke", beurteilt Tautz. "Dann könnten wir uns kaum noch verpflegen."

Verlust der Artenvielfalt

Für uns Menschen wäre es also eine direkte Bedrohung, sollte es keine Bienen mehr geben. Noch mehr leidet die Pflanzenwelt unter den Veränderungen: "Bienen sind dafür verantwortlich, dass die Natur so schön bunt ist, wie wir sie heute kennen. Sonst wäre die Pflanzenwelt eintönig grün", sagt Tautz. "Die Farbe und der Duft der Pflanzen entwickelte sich durch die Bienen und andere Bestäuberinsekten." Denn Pflanzen konkurrieren miteinander. Jede möchte, dass sie bestäubt wird, denn nur dadurch kann sie sich fortpflanzen. Doch um zu erreichen, dass die Bienen zu ihr fliegen, muss sie besonders schön leuchten oder besonders herrlich duften. Ohne Bienen könnten die Pflanzen nicht bestäubt werden und folglich keine neuen mehr wachsen.

Was folgen würde, ist der Verlust der Artenvielfalt. Die Insekten bestäuben etwa 170.000 der insgesamt 380.000 Pflanzen auf der Erde und diese sind somit vom Bienensterben betroffen. Und das wiederum hat Auswirkungen auf die Tierwelt, denn viele Singvögel, Käfer und Insekten ernähren sich nämlich von Pflanzensamen. Doch ohne Bienen keine Pflanzen, ohne Pflanzen keine Samen und ohne Samen weniger Kleinlebewesen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Bienen tatsächlich aussterben? Auf diese Frage antwortet Tautz: "Ein Risiko besteht auf jeden Fall, so wie für jeden Organismus. Doch jeder Mensch kann noch etwas dazu beitragen, dass es erst gar nicht so weit kommt. Allein wenn ihr ein Glas Honig beim Imker kauft, setzt ihr euch dafür ein, dass er seine Bienenvölker weiterhin besitzen kann und die Bienen die Blüten bestäuben."

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Buchtipp: Jürgen Tautz: Phänomen Honigbiene. Mit Fotografien von Helga. R. Heilmann, Spektrum Verlag, 24,95 €

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