Aqua-Agenten Eine lebenswichtige Mission

Hamburger Grundschüler lassen sich zu Agenten ausbilden - den sogenannten Aqua-Agenten. Mit Gummistiefeln und Keschern ausgestattet, erkunden Viertklässler die Bedeutung des Wassers

"Ich habe ganz viele Tiere im Kescher" ruft Finn und läuft am Bach entlang zur Wasserschale. Dort setzt er seinen Fund ab und rennt erneut zum Wasser. Für Finn und seine Mitschüler ist heute ein besonderer Schultag. Die Viertklässler der Adolph-Schönfelder-Schule in Hamburg-Barmbek, durchlaufen eine Ausbildung der besonderen Art. Ein paar Wochen später sollen sie Aqua-Agenten sein. Heute erkunden sie an einem Bach und Teich den Lebensraum Wasser. Die Schüler untersuchen, welche Tiere im und am Wasser leben und wie die Wasserqualität ausschaut.

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Mit Keschern suchen die Aqua-Agenten Tiere im Bach auf

"Rehspuren haben wir bereits entdeckt, Gänsekot gefunden und Stockenten gesehen", berichten Miguel und Moritz stolz. "All die Tiere benötigen Wasser, daher leben sie hier." Auch Fledermauskästen haben sie in den Bäumen hängen sehen – allerdings ohne die eigentlichen Bewohner. Stattdessen haben sich dort Wespen einquartiert. Naturexperte Krzystof Weslolowski vom Hamburger Naturschutz Bund (NABU) erklärt den Schülern, warum sie keine Fledermäuse sehen können: "Fledermäuse leben zwar gerne ganz nah am Wasser, weil hier besonders viele Insekten, von denen sie sich ernähren, vorkommen. Aber besonders die Weibchen suchen mit ihrem Nachwuchs geschützte Stellen auf, hier kommen einfach zu viele Menschen vorbei."

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Auch im Teich suchen sie nach Wasserbewohnern

Auch ohne Fledermäuse ist Anzahl der an Land gefundenen Tiere imposant. Und im Wasser? Mit Keschern, Wasserlupen und Wasserbehältern ausgestatten suchen die Schüler nach Lebewesen. Wenn sie welche gefunden haben, tragen sie ihre Funde zum Mikroskopieren an einen Tisch. Justine ist glücklich: "Ich habe das Herz einer Wasserschnecke pochen sehen." Außerdem konnte sie mit Hilfe eines Tierbuches ein weiteres Tier bestimmen: "Das ist eine Wasserassel", teilt sie mit. "Unterm Mikroskop erkenne ich die für sie typischen Ringel und sogar die Augen kann ich sehen. Währenddessen das Tier schwarz ist, sind die Augen strahlend weiß."

Doch nicht nur die Tiere lassen sich bestimmen. Anhand der Lebewesen, die sich im Bach befinden, lässt sich dann die Wasserqualität feststellen. Gefunden haben die Viertklässler Wasserasseln, Zuckmücken, Rollegel und Schnecken. "Die Qualität ist mittelmäßig", bestimmt Willi daher mit Hilfe einer Bestimmungstafel. Gründe hierfür haben die Schüler ebenfalls entdeckt: "Ich habe Plastikmüll im Bach gefunden", erzählt Moritz.

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Unter dem Mikroskop erkennen die Schüler, welche Tiere sie gefunden haben

Wasser ist lebenswichtig

Angehende Aqua-Agenten inspizieren nicht nur Gewässer. Teil ihrer Ausbildung sind auch Besuche im Klärwerk, in einer Wasseranlage und im Hamburger Hafen sowie 18 Stunden Unterricht. Dort kommt der Wasserkoffer zum Einsatz. Dieser beinhaltet Forscherutensielien und Material, mit denen die Schüler zum Agenten ausgebildet werden

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Mit der Lupe kann man die kleinen Tiere im Wasser erkennen

Nach der Theorie haben die Viertklässler schon viel über Wasser gelernt: "Ohne Wasser können keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen leben", erzählt Susanna. Ihre Mitschülerin Celia ergänzt: "Sauberes Wasser ist wichtig, denn wenn man dreckiges Wasser trinkt, bekommt man Krankheiten. Daher werde das Wasser im Wasserwerk gereinigt." Doch auch wir Menschen können etwas tun, damit das Wasser sauber bleibt: "Wir dürfen auch keinen Müll ins Wasser werfen", sagt Miguel. "Denn sonst gefährden wir Lebewesen. Und wenn wir Müll in die Toilette werfen, bereiten wir der Kläranlage Probleme. Sonst kann sie viel schneller arbeiten."

Sie haben folglich gelernt, dass Wasser ein ganz wichtiger Stoff ist. Ein Stoff, den es zu bewahren gilt, so dass er auch zukünftig den Menschen zur Verfügung steht. Und deswegen wird dieses Projekt von der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet.

Unser Handeln beeinflusst das Leben von morgen

Hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich ein weltweites Projekt. Die Mitglieder der Vereinten Nationen – das sind 192 Länder - haben vor einigen Jahren dieses Projekt beschlossen. Alle Länder sollen mit Aktionen darauf hinweisen, dass wir mit unserem Handeln Einfluss auf das Leben der Menschen von Morgen nehmen müssen. Und auch auf das Leben der Menschen in anderen Regionen.

In Deutschland gibt es über 1.300 weitere Projekte, die die Auszeichnung UN-Dekade für nachhaltige Entwicklung tragen. In anderen ausgezeichneten deutschen Projekten könnt ihr beispielsweise lernen, warum es Menschenrechte gibt, eine Erdschützerausbildung erwerben, wie man sinnvoll in der Schule Energiesparen kann oder eben wie man Wasser schützt.

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Stolz hält Aqua-Agentin Angie ihren Ausweis hoch

Am Ende der Ausbildung zum Aqua-Agenten bekommen die Viertklässler der Adolph-Schönfelder-Schule einen Ausweis. Damit nicht nur die Schüler über das Wasser Bescheid wissen, bekommt jeder Teilnehmer einen Auftrag: Sie sollen allen davon erzählen, wie lebenswichtig Wasser für uns Menschen und für die Tiere und Pflanzen ist. Eine Mission, die Leben bewahren kann.

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