Diskussion Meinungen zum Zoo

Als vor rund 200 Jahren die ersten Menschen öffentliche Zoos besuchen, ist der Jubel groß. Endlich können sie Elefanten, Zebras und Co. sehen, ohne weit reisen zu müssen. Heute gibt es auch viele kritische Stimmen. Zoos würden Geld auf Kosten der Tiere verdienen, sagen sie. Zoos seien aber auch Rettungsboote und Forschungslabore, halten andere dagegen

Pro

Dag Encke, Direktor vom Tiergarten Nürnberg: "Zoos sind Wissensspeicher"

Meinungen zum Zoo

Dag Encke ist Direktor vom Tiergarten Nürnberg und spricht sich für Zoos aus

"Neulich fand bei uns im Zoo wieder das 'Blaue Klassenzimmer' statt - Schulklassen haben dann Biologie-Unterricht direkt in unserer Wasserwelt, nur einen Sprung von Delfinen und Seekühen entfernt. Danach bekommen wir stets Briefe von den Schülern, die von den Tieren schwärmen und schwören, weniger Plastik zu nutzen, da es in die Weltmeere gelangt und dort von den Delfinen geschluckt wird.

Mir zeigt das, warum Zoos heute so wichtig sind. Erstens: Wir sind ein Fenster in die belebte Natur. Wo anders kann man so viele Tiere kennen, verstehen und schützen lernen? Und an keinem anderen Ort erreichen wir so viele Menschen mit dem Thema Arten- und Naturschutz, pro Jahr sind es weltweit rund 600 Millionen.

Zweitens: Zoos sind Wissenspeicher. Ein großer Teil dessen, was man heute über Wildtiere weiß, ihre Krankheiten und wie man die behandelt, weiß man aus Zoos.

Drittens: Zoos sind sicher keine Arche Noah, die alle bedrohten Arten retten kann, aber mindestens ein Beiboot. Wir haben in den vergangenen Jahren einige Arten, von denen es nur noch wenige Tiere gab, nachzüchten und dann sogar wieder auswildern können: die Przewalski-Pferde in der Mongolei, Addax-Antilopen in Nordafrika oder jüngst Wisente hier bei uns.

Ja, Zootiere haben nicht so viel Platz wie in freier Wildbahn. Aber die Natur ist auch kein Paradies, wie viele immer darstellen. Beim Gepard etwa haben viele nur die Bilder seiner Super-Sprints in ewig weiter Landschaft vor Augen. Dabei ist das für die Tiere kein Spaß, sondern purer Stress, den sie gern auch vermeiden würden. Ähnliches gilt für Delfine. Bloß brauchen die Tiere manchmal die ausgeschütteten Stresshormone, um Körperfunktionen am Laufen zu halten.

Für uns ist es ja auch nicht gut, wenn wir nur auf dem Sofa liegen. Genau darum brauchen Zootiere nicht dringend Riesengehege, sondern Herausforderungen. Wir legen dem Gepard Löwenkot ins Gehege, Feindgeruch. Delfine trainieren wir, lassen sie springen oder kleine Aufgaben lösen. Das macht den Tieren großen Spaß, sie würden sonst nicht mitmachen."

Contra

Torsten Schmidt, Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT): "Giraffen gehören nicht hinter Gitter"

Meinungen zum Zoo

Torsten Schmidt vom Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT) spricht sich gegen Zoos aus

"Ich besuche Zoos wegen meines Berufs regelmäßig und habe dabei immer gemischte Gefühle. Viele Tierarten faszinieren mich dort, einerseits. Andererseits ärgere ich mich, weil Zoos so vieles besser machen könnten und sollten.

Zoos sind Wirtschaftsunternehmen, sie müssen Besucher anlocken, um zu überleben. Darum zeigen viele Zoos Tierarten, die exotisch und kickend sind: große Säugetiere wie Delfine, Menschenaffen, Giraffen oder Eisbären. Doch gerade sie gehören nicht hinter Gitter, weil man ihnen dort nicht gerecht werden kann. Delfine leben in den Meeren in Schulen von bis zu 40 Tieren zusammen, wechseln die Gemeinschaften.

In Zoos schwimmen häufig nicht mehr als sechs Tiere in einem winzigen Becken. Eisbären werden im Zoo auf einer Fläche gehalten, die millionenfach kleiner ist als ihr Jagdgebiet in freier Wildbahn. Die meisten gefangenen Eisbären zeigen Verhaltensstörungen. Sie leiden.

Sicher: Zoos haben rund ein Dutzend Arten vor dem Aussterben bewahrt. Verglichen damit, dass jeden Tag etwa 100 Arten aussterben, ist dieser Beitrag allerdings bescheiden. Und kaum ein Zoo kümmert sich um die extrem bedrohten, aber scheinbar unattraktiven Amphibien wie Lurche. Die hätten Hilfe weitaus nötiger als so manche im Zoo gehaltene Säugetierart. Was sollten Zoos also besser machen? Sich grundsätzlich auf wenige Arten beschränken, die angemessen gehalten werden können.

Es gibt da gute Beispiele. In der Arche Warder kann man sich vom Aussterben bedrohte Haustierrassen angucken. Der Kölner Zoo hält seit Jahren eine Elefantenherde in einer riesigen Anlage. Der Dortmunder Zoo konzentriert sich auf Ameisenbären, die schwer zu halten sind. Durch die Spezialisierung haben die Pfleger mehr Wissen. Das kommt Tieren und Besuchern zugute. Wenn die sich ein bisschen Zeit nehmen, können sie hier wirklich etwas über die Tiere und ihr Verhalten lernen. Studien zeigen: Bislang behält der durchschnittliche Besucher gerade mal den Tiernamen."

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