Legehennen Rettet die Hühner!

Hühner leben zu Hunderten oder Tausenden in Großbetrieben und legen Eier - möglichst viele, möglichst schnell. Wenn nach rund anderthalb Jahren ihre "Leistung" nachlässt, landen sie beim Schlachter. Die gute Nachricht: Ein Verein rettet jedes Jahr mehrere Tausend ausgediente Hennen und vermittelt sie an "Hühnerpaten"
Rettet die Hühner

"Tschüss! Ein schönes Leben, ihr beiden Mädels!" Janina Stemmer grinst. Sie steht im Laderaum eines Transporters, den Kragen ihrer gelben Winterjacke hochgeklappt, die Pudelmütze fest über beide Ohren gezogen. Es ist ein eisig kalter Sonntagmorgen. Über Nacht hat Schnee die Straßen gepudert, und auch den Supermarkt-Parkplatz im Hamburger Westen, auf dem der Transporter steht.

Janina Stemmer von "Rette das Huhn e.V."

Janina Stemmer hat frühmorgens bei der Ausstallung geholfen und die Tiere nach Hamburg transportiert. Auch sie nimmt wieder Hennen bei sich auf

Janina Stemmer winkt "den beiden Mädels" hinterher. Aufgeregt recken die ihre Hälse und schieben die Schnäbel zwischen den Käfigstangen hindurch.

Eine kurze Autofahrt noch, dann wartet frisches Stroh auf die Hennen. Und ein Stall. Und Körner zum Picken. Vor allem aber: Platz und Auslauf.

Das sind die beiden genauso wenig gewöhnt wie die 816 anderen Legehennen, die die Helfer des Vereins "Rettet das Huhn" früh um vier Uhr aus den Ställen eines Freilandbetriebes in Niedersachsen geholt haben. Dabei beschreibt der Vereinsname "Rettet das Huhn" ziemlich genau das, was die Tierschützer machen – Hühner retten.

Denn es ist so: Legehennen "arbeiten" in der Regel 16, 17, maximal 18 Monate lang in einem Betrieb. Ihr Job: Eier legen, Eier legen, Eier legen. Doch ab dem zweiten Lebensjahr nimmt die "Leistung" ab, und statt sieben Eiern legen sie nun nur noch fünf pro Woche. Oder vier oder drei. Dann werden sie durch junge Hühner ersetzt und landen im Schlachthof.

Hühner aus Legehennenbetrieben werden verladen

Der Verein vermittelt Hühner aus unterschiedlichen Legebetrieben. Diese Hennen stammen aus einer Freilandhaltung - und dürfen sich dennoch bald über viel mehr Auslauf freuen

Manche Legehennen haben Glück

Meistens jedenfalls. Manche Tiere haben Glück! Vor zehn Jahren hat "Rettet das Huhn" begonnen, mit einigen Geflügelbetrieben in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern zusammenarbeiten. Einmal im Jahr holen die Tierschützer die "Althennen" aus den Ställen und vermitteln sie an "Hühnerpaten".

Der Betrieb gibt die Hennen kostenlos ab, dafür muss der Verein das ganze Drumherum regeln. "Das ist eine Menge Arbeit", sagt Laura Polster, die die Aktion im Januar organisiert und die Hühner gemeinsam mit Janina Stemmer nach Hamburg transportiert hat.

Hühnerpaten geben Ihre Unterschrift

Alle "Hühnerpaten" müssen einen Schutzvertrag unterschreiben. Sie garantiere damit, dass sie die Hühner artgerecht halten

Jetzt sammelt sie die Schutzverträge ein, mit denen sich die rund 30 Hühnerpaten verpflichten, die Tiere zu Hause artgerecht zu halten. Der Transporter ist schon halb leer, nur noch wenige Frauen und Männer warten auf ihre neue Schützlinge.

45.000 gerettete Hennen

Knapp 45.000 Hennen hat der Verein bisland vor dem Schlachter bewahrt. Was die Tierschützer antreibt? Ein Zitat auf der Webseite von "Rettet das Huhn" verrät es: "Ein Tier zu retten, verändert nicht die ganze Welt - aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier."

Diese Fakten solltet ihr außerdem kennen:

  • Legehennen bleiben in der Regel maximal 18 Monate in einem Betrieb. Dann endet ihre "Legeperiode".
     
  • Das heißt: Die Körper der Tiere sinda usgezehrt. Sie legen weniger Eier - nicht mehr bis zu sieben pro Woche, sondern "nur noch" zwischen drei und fünf.
     
  • Darum werden die Tiere für wenige Cent pro Huhn an Geflügelschlachthöfe verkauft und dort etwa zu Tierfutter oder Brühwürfeln verarbeitet. In Deutschland sind das etwa 45 Millionenen Legehennen pro Jahr.

Was ihr für die Hühner tun könnt:

  • BESCHEID WISSEN!
    Jedes Ei im Handel trägt einen Stempel aus Zahlen und Buchstaben. Die erste Ziffer in der Reihe verrät, wie das Huhn gehalten wird, von dem das Ei stammt: Die 0 zeigt an, dass es sich um ein Bio-Ei handelt, die Hühner also Auslauf und Platz haben. Die 1 bedeutet, dass die Henne in einem Freilandbetrieb lebt, die 2, dass sie ausschließlich im Stall gehalten wird und keinen Auslauf hat. Die 3 verweist darauf, dass die Henne aus einer Legebatterie kommt – Finger weg, dort leiden die Tiere!
     
  • NACHHALTIG EINKAUFEN!
    Ihr greift eh immer zu Bio-Eiern? Super, unbedingt weitermachen! Achtet beim Einkaufen aber auch auf Folgendes: Für viele Fertigprodukte werden Eier verarbeitet, die aus Betrieben mit Käfighaltung stammen, weil sie günstiger sind. Lest daher die Infos auf den Verpackungen.
     
  • HÜHNER AUFNEHMEN!
    Der Verein "Rettet das Huhn" vermittelt deutschlandweit ehemalige Legehennen an Privatbesitzer, die im Garten Platz für einen Stall haben.

Und was macht ihr so?

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