Berufe Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Katzen begeistern – und beschäftigen: In Deutschland gibt es Dutzende Berufe rund um Stubentiger und Co. Hier stellen wir euch vier ganz besondere vor

Der Kratzbaumkünstler

Stefan Hofmann, 41, möbelt Wohnzimmer für Katzen auf: Für seine Kunden zimmert er Klettersäulen, Kratzbäume und Hängematten

Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Stefan Hofmann verkauft selbst gezimmerte Katzenmöbel über das Internet an Katzenfreunde aus aller Welt

Beruf: Tischler, spezialisiert auf Katzenmöbel

Alltag: Woher ich weiß, was Katzen wollen? Meine drei Katzen Oskar, Püppi und Pepita liefern mir die Ideen. Wenn ich sie beobachte, verraten sie mir mit ihren Blicken, wie und wohin sie sich gern bewegen. Ich zeichne mit diesen Ideen dann einen Entwurf für einen Kratzbaum. Am besten kommen bei den Kunden die Wand- und Decken-Hängebrücken und die schräge Klettersäule an. An einem großen, raumhohen Kratzbaum arbeite ich dann zwischen acht und elf Tagen.

Besonders bemerkenswert: Mein ungewöhnlichster Auftrag waren behindertengerechte Decken- und Wandmöbel für dreibeinige, blinde und misshandelte Katzen. Die Kundin hatte sie aus dem Tierheim adoptiert und wollte ihnen ein schönes, sicheres Zuhause bieten. Die Abstände zwischen den einzelnen Teilen der Hängebrücken mussten daher sehr klein sein, damit keine der Katzen abrutschen kann. „Designermöbel für Wegwerf-Katzen“ hat die Katzenliebhaberin das Projekt genannt. Das hat mich wirklich berührt.

Ausbildung: Ich habe den Beruf Tischler erlernt. Leider werden heutzutage die meisten Möbelstücke aus mit Kunststoff beschichteten Spanplatten hergestellt, weil das günstiger ist. Ich wollte aber mit echtem Holz arbeiten. Als meine Freundin und ich dann vor acht Jahren eine Katze bekommen haben, hat eines zum anderen geführt: Wir haben nach einem schönen Kratzbaum gesucht, aber nichts gefunden. Also habe ich angefangen, selbst welche zu bauen.

Lieblingskatze: Eine Lieblingskatze habe ich nicht. Ich mag alle Katzen und Kater, weil sie ihren eigenen Kopf haben und so unabhängig sind.

Tipp: Wer selbst einmal etwas für seine Katze bauen möchte, sollte am besten nur natürliche Materialien wie Holz und Sisalseile verwenden. Plüsch und Kunstfaserteppiche enthalten viel Chemie, das riechen Katzen. Besonders mögen sie Ruheplätze hoch oben im Raum, weil dorthin die warme Luft steigt.

Die Raubkatzenversorgerin

Tiger fressen Alexandra Hoffmann, 33, aus der Hand. Trotzdem würde sie nie zu den Raubkatzen ins Gehege steigen

Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Tierpflegerin Alexandra Hoffmann würde das Tiger-Gehege niemals betreten

Beruf: Zootierpflegerin im Tiergarten Nürnberg

Alltag: Wenn ich morgens in den Tiergarten komme, sehe ich erst einmal nach, ob alle Zäune um die Gehege in Ordnung sind und ob es den Tieren gut geht. Derzeit haben wir hier zwei Sibirische Tiger, zwei Asiatische Löwen und zwei Schneeleoparden. Ich komme den Tieren oft sehr nahe, aber es ist immer ein Gitter dazwischen. Wenn ich etwa zum Saubermachen ins Außengehege gehe, muss sichergestellt sein, dass die Tiger im Innenraum eingesperrt sind. Sollte nach dem Reinigen noch Zeit sein, bastele ich Spielzeug für die Raubkatzen. Sie sollen sich bei uns ja nicht langweilen. Zuletzt haben wir einen hohlen Baumstamm so im Gehege befestigt, dass er schaukelt. Darin verstecke ich jetzt immer Futter, und die Katzen angeln es mit den Pfoten heraus. Demnächst bekommen wir Luchse und Fischkatzen. Da muss ich überlegen, was sie in ihrem neuen Zuhause brauchen, und alles vorbereiten.

Besonders bemerkenswert: Letztens haben wir unseren neuen Tigerkater mit einem Kleinbus aus dem Zoo Wuppertal abgeholt. Er saß zwar in einer Transportbox. Trotzdem war es wirklich spannend, mit einem Tiger im Laderaum quer durch Deutschland zu fahren.

Ausbildung: Die Ausbildung dauert drei Jahre. Im praktischen Teil durchläuft man alle Reviere, die es im Zoo gibt, von den Elefanten bis zu den Schlangen. In der Theorie steht etwa auf dem Plan, wie man die Tiere in Familien und Arten einteilt und welche Krankheiten sie haben können.

Lieblingskatze: Tiger! Sie sind so groß, kräftig und trotzdem sehr elegant. Und meistens sind sie freundlich. Wenn ich ihnen durch das Gitter Fleisch hinhalte, nehmen sie es sich sehr vorsichtig. Sie fressen mir wirklich aus der Hand! Trotzdem darf man nie vergessen: Sie sind natürlich gefährlich.

Tipp: Viele glauben, dass man als Tierpfleger nur Tiere streichelt und füttert, aber das Säubern der Käfige etwa ist schwere körperliche Arbeit. Man ist bei jedem Wetter draußen, auch am Wochenende. Ob einem das gefällt, findet man am besten während eines Praktikums heraus.

Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Bitte nicht nachmachen! Obwohl Alexandra Hoffmann ihre Schützlinge gut kennt, würde sie nie mehr als die Fingerspitzen ins Gehege der Sibirischen Tiger halten

Die Pfoten-Heilerin

Bei Susanne Siebertz, 45, gehen Katzen bisweilen baden – mit Erfolg. In ihrem Therapie-Schwimmbecken hilft sie verletzten Tieren wieder auf die Pfoten

Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Mit Übungen auf der Wippe stärkt Susanne Siebertz etwa nach einem Unfall die Muskeln ihrer Patienten und trainiert deren Gleichgewichtssinn

Von Raubtier-Pflegern und Kratzbaum-Tischlern

Susanne Siebertz zeigt den Katzenbesitzern, wie sie ihren Tieren etwas Gutes tun können – etwa mit einer Bürstenmassage

Beruf: Physiotherapeutin für Katzen und Hunde

Alltag: In meiner Praxis behandle ich neben Hunden auch Katzen. Sie wurden von einem Auto angefahren, haben Probleme mit dem Hüftgelenk oder sich in einem gekippten Fenster eingeklemmt. Ich schaue mir dann erst einmal an, ob das Tier humpelt – was gar nicht so leicht ist. Denn manche Katzen wollen gar nicht aus ihrem Körbchen. Auch die Behandlung ist schwierig. Meist zeige ich dem Besitzer an meinem Hund Übungen, die er mit der Katze zu Hause nachmachen kann. Ein Beispiel: Pfötchengeben – das können auch Katzen lernen. Wenn sich das Tier auf die einst kaputte Pfote stützt, um die andere zu geben, stärkt das die Muskeln.

Besonders bemerkenswert: Aufregend ist es, wenn wir Katzen schwimmen lassen. Besonders gut ging das neulich mit einer Maine-Coon-Katze. Sie hatte sich einen Vorderlauf gebrochen, und alles war längst wieder verheilt. Trotzdem hat sie das Bein nicht mehr benutzt. Maine Coons sind in der Regel nicht wasserscheu. Also nahmen wir sie mit ins Becken, um zu sehen, was passiert. Ich hatte Handschuhe an, weil ich mir Sorgen gemacht habe, dass sie kratzt und beißt. Aber sie war sehr lieb! Und was noch viel besser war: Sie hat ihr Beinchen plötzlich ganz normal bewegt – auch später an Land.

Ausbildung: Es gibt mehrere Privatschulen, in denen man in ein bis zwei Jahren alles über den Körperbau der Tiere und über mögliche Krankheiten erfährt. Im praktischen Teil lernt man die Behandlungsmethoden kennen, etwa Massagegriffe.

Lieblingskatze: Ich bin von den wuscheligen Maine-Coon-Katzen angetan, weil sie so zugänglich sind. Ich gehe bei Katzen erst einmal davon aus, dass sie nicht mitmachen wollen. Wenn sie es dann doch tun, freue ich mich umso mehr.

Tipp: Wer als Physiotherapeut für Tiere arbeiten möchte, sollte sich zunächst in einem staatlich anerkannten Lehrberuf ausbilden lassen, etwa zu einem Physiotherapeuten für Menschen.

GEOlino-Newsletter