Blumen Wo im Winter Rosen blühen

Verliebte schenken einander Rosen, Mütter freuen sich über einen Strauß der edlen Blüten. Wie gut, dass Blumenläden das ganze Jahr über Rosen im Angebot haben, selbst wenn es schneit und friert. Doch woher kommen die Pflanzen eigentlich?
Bunte Rosen

Bunte Rosen, angebaut in Afrika

Woher kommt die Blütenpracht?

Es ist schon komisch. Da fängt nun der Winter an, die Natur arbeitet auf Sparflamme, fast alle Bäume stehen kahl herum, kein frischer Spross, der aus der Erde schießt – und doch muss man selten weit gehen, um in einem Blütenmeer zu stehen: genau bis zum nächsten Blumenladen.

Gelten hier keine Jahreszeiten, oder woher kommt die blühende Pracht? Wir haben uns aufgemacht, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Am Beispiel der vielleicht schönsten aller Blumen: der Rose!

Wir reisen nach Afrika

Die Reise in ein Land, wo selbst im Dezember Rosen blühen, ist lang. Sie führt viele Tausend Kilometer südwärts auf die Hochebene von Tansania, einem Land in Ostafrika, auf die Plantage „Kiliflora“. Hier, nahe dem Äquator, scheint die Sonne das ganze Jahr über hell und warm auf die durchsichtigen Kunststoffdächer der 18 Gewächshäuser. In jedem davon stehen 30 000 Rosenstöcke in schmalen Behältern, die mit Torf oder Vulkangestein gefüllt sind und automatisch gegossen werden.

Mitten durch dieses endlose Grün voll roter und gelber, weißer und orangefarbener Tupfen marschiert Dinkar Wandekar, der Manager der Plantage. Kritisch beäugt er jede Pflanze und das Schild dazu, auf dem der Name der jeweiligen Sorte vermerkt ist. Wandekar riecht, betastet die noch geschlossenen Blüten. Dann verkündet er: "Tropical Amazone ist dran."

20 Millionen Blumen im Jahr

Schon eilen Männer in grünen Kitteln herbei und schneiden die Stiele aus den Stöcken. Rund 20 Millionen Blumen ernten sie hier Jahr für Jahr – und das in einem höllischen Tempo: Im Minutentakt trägt jeder Arbeiter einen Armvoll aus dem Gewächshaus in den angrenzenden Sortierraum, groß wie eine Turnhalle.

Dort stehen Frauen an hüfthohen Tischen, kürzen die Stiele auf gleiche Länge und sortieren jede krumm gewachsene Blume sofort aus: ab auf den Kompost! "Wir verschicken nur die  schönen Pflanzen", sagt Janie Danel und rollt einen Strauß in einen Bogen Wellpappe ein. Die junge Frau muss sich beeilen: Noch am Erntetag sollen die Kiliflora-Rosen auf Reisen gehen, zu den Großhändlern in den USA, in Indien oder Europa.

Im Dezember läuft vor allem das Geschäft mit deutschen Händlern gut. Denn während in den Sommermonaten fast die Hälfte der Rosen bei uns aus heimischen Gärtnereien stammt, wäre es in der kalten Jahreszeit zu teuer, die Gewächshäuser zu beheizen. Da ist es günstiger, die Blumen aus Gegenden einzufliegen, wo sie ohnehin das ganze Jahr über gedeihen. Wie eben hier in Tansania.

Karte: Versand der Rosen weltweit

Rosen für die Welt: Wenige Stunden nach der Ernte in Tansania werden die Blumen nach Nairobi transportiert. Von dort geht es im Flieger etwa nach Europa

Rosen im Dornröschenschlaf

In Kisten verpackt, warten die Bündel in einer Kühlkammer bei kühlen zwei Grad auf den Abtransport. Bei dieser Temperatur fallen die Blumen in eine Art Tiefschlaf, welken nicht – und brauchen kein Wasser. So sparen die Händler Gewicht und damit gleichzeitig Transportkosten.

Als der Abend naht, geht es los: Janie und ihre Kollegen laden die Blumenkisten aus der Kühlkammer auf Lastwagen. Fast die ganze Nacht hindurch brausen diese zum Flughafen von Nairobi, der Hauptstadt des Nachbarlandes Kenia. Jede Maschine, die von hier Richtung Europa abhebt, hat Blumen an Bord! Auch die aus der Kiliflora-Plantage.

Transport im Flieger

Etwa acht Stunden dauert der Flug nach Frankfurt. Aus dem Flieger geht es direkt wieder in die Laderäume von Lastwagen, die etwa die Blumengroßmärkte in Hamburg, München, Berlin ansteuern. Kurz nach Mitternacht kommen die Wagen dort an. Quietschend öffnen sich Türen. Gabelstapler kurven umeinander und heben die ersten Kisten heraus. Händler öffnen sie – überall der gleiche prüfende Blick: Sind die Blumen frisch? Alles bestens!

Kurz darauf laufen die ersten Blumenladen-Besitzer durch die riesigen Markthallen und wollen Rosen kaufen. Die aus Tansania sind heute besonders schön. Schnell sind Dutzende  Kartons verkauft. Und so nähern sich die Rosen im Morgengrauen, nur zwei Tage nach der Ernte, dem Ende ihrer Reise: in der Auslage der Blumenläden.

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