Orientierung Orientieren in der Natur - die Tricks

Mit Sonne, Moos und Sternen! Mit Karte und Kompass den richtigen Weg zu finden ist ein Kinderspiel. Doch was tun, wenn ihr beides einmal nicht dabeihabt? Wir zeigen euch, wie ihr auch so den Überblick behaltet

Die Uhr als Kompass

Mal ehrlich, könnt ihr sagen, wo auf einer Landkarte die vier Himmelsrichtungen liegen? Klar, Norden ist oben und unten Süden. Und weiter...?

Zum Glück hat sich mal jemand diesen schlauen Spruch ausgedacht: "Nie ohne Seife waschen." Denn aus den Anfangsbuchstaben ergibt sich im Uhrzeigersinn die Reihenfolge der Himmelsrichtungen: Norden, Osten, Süden und Westen.

Nun stellt euch vor, ihr steht allein im Wald. Ihr wisst: Raus geht's in nördlicher Richtung. Dann merkt ihr bald: Norden ist nur auf einer Karte oben. Im wahren Leben ist dort der Himmel. Glücklich ist in so einer Situation, wer einen Kompass hat. Denn dessen Magnetnadel pendelt sich immer in Nord-Süd-Richtung ein.

Aber auch wer nicht ständig so ein Gerät mit sich herumträgt, muss nicht auf ewig im Wald herumirren. Es gibt noch andere Hilfsmittel, um den Heimweg zu finden.Zum Beispiel den Lauf der Sonne. In unseren Breiten ist es nämlich so, dass die Sonne ungefähr im Osten aufgeht, mittags im Süden steht und bis zur Dämmerung nach Westen wandert. Wer weiß, wie spät es ist, kann sich also ungefähr orientieren.

Und wer weiß, wie spät es ist, hat wahrscheinlich auch eine Armbanduhr. Damit lässt sich die Himmelsrichtung genauer bestimmen: Richtet den kleinen Zeiger auf die Sonne; nehmt die halbe Entfernung zwischen ihm und der Zwölf auf dem Zifferblatt - und zwar vormittags im Uhrzeigersinn, nachmittags dagegen: Diese Markierung zeigt, wo Süden ist. Allerdings nicht ganz genau. Das liegt zum einen an der Sommerzeit: Zwischen März und Oktober zeigt eure Uhr zum Beispiel halb vier, obwohl es nach Mitteleuropäischer Zeit erst halb drei ist. Zum anderen steht die Sonne mittags um zwölf nicht an jedem Ort genau im Süden, in Westdeutschland etwa erst gegen halb eins.

Was aber tun, wenn die Sonne sich hinter Wolken versteckt und ihr sie nicht sehen, geschweige denn einen Uhrzeiger auf sie richten könnt? Dann helfen ein Blatt weißes Papier und ein Stift oder ein möglichst gerader Zweig ohne Blätter. Stellt den senkrecht auf das Papier und - tata: Er wirft einen Schatten; schon wisst ihr, wo die Sonne steht.

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Das Wetter als Wegweiser

Doch was tun, wenn die Uhr zu Hause liegt? Der gewiefte Waldläufer hat auch für diesen Fall noch ein paar Tricks parat. Er weiß zum Beispiel, dass der Wind bei uns überwiegend aus westlicher Richtung kommt. Man kann sich daher oft an der Neigung von Bäumen orientieren: Besonders frei stehende Bäume wachsen häufig leicht nach Osten geneigt, von Wind und Wetter in diese Richtung gedrängt.

Am Baumstamm selbst ist vielfach der Moosbewuchs auf der Wetterseite stärker - also im Westen.

Übrigens: Es gibt auch "unnatürliche" Orientierungshilfen. Satellitenschüsseln etwa, mit denen viele Menschen ihre Fernsehprogramme empfangen, sind ungefähr nach Süden ausgerichtet. Außerdem sind viele alte Kirchen so gebaut, dass ihr Altar im Osten steht. Wo das nicht der Fall ist, hilft oft die Wetterfahne auf dem Turm.

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Sterne: Orientierungshilfe am Nachthimmel

Was aber, wenn ihr es trotz all dieser Tricks nicht geschafft habt, noch vor der Dunkelheit heimzufinden? Dann hilft keine Sonne, und ihr könnt auch kein Moos mehr sehen. Zum Glück gibt es dann den Polarstern: Das "Deichselende" des Kleinen Wagens steht jede Nacht an derselben Stelle - über dem Nordpol.

An ihm orientierten sich die Seefahrer schon vor Jahrtausenden. Und wenn ihr den Stern nicht gleich findet? Dann hilft wieder ein Trick: Sucht das Sternbild des Großen Wagens. Nehmt dessen "Hinterachse" und verlängert sie etwa fünfmal nach oben - der Stern, auf den ihr dort trefft, ist der Polarstern.

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Die Napoleonmethode

Um in der freien Wildbahn über die Runden zu kommen, ist es jedoch nicht nur wichtig, seinen Weg zu finden. Es hilft auch enorm, Entfernungen abschätzen zu können, die Breite von Flüssen oder auch die Höhe von Bäumen. Mit dem bloßen Auge könnt ihr Kirch- oder Fernsehtürme noch auf rund 15 Kilometer erkennen. Ein Mensch wird

in einer Entfernung von 1000 Metern sichtbar, seine Augen aber werden es erst, wenn er sich auf 100 Meter genähert hat.

Manchmal kommt es aber auf wenige Meter an. Zum Beispiel, wenn ihr einen Fluss überqueren wollt: Kann man noch hinüberspringen? Oder sollte man lieber einen Baumstamm suchen - lang genug, um ihn als Brücke zu verwenden?

Waldläufer halten es da mit der so genannten Napoleonmethode: Stellt euch ans Ufer und legt die Hand an die Stirn, als wolltet ihr die Augen vor blendendem Licht schützen. Schließt ein Auge und peilt mit der Kante des kleinen Fingers die gegenüberliegende Seite des Wassers an. Ohne die Stellung der Hand oder eures Kopfes zu verändern, dreht ihr euch dann soweit um, dass ihr auf dieselbe Art und Weise einen Punkt auf eurer Uferseite anpeilen könnt. Geht dann die Strecke zwischen eurem Standort und diesem Punkt ab: Genauso breit ist auch der Fluss.

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Die Holzfällermethode

Ganz ähnlich lassen sich Höhen bestimmen, etwa von Bäumen: mit der Holzfällermethode. Stellt euch etwa 20 Schritte entfernt von dem Objekt hin, dessen Höhe ihr ermitteln wollt. Kneift wieder ein Auge zu und peilt diesmal mit eurem Daumen: Streckt den Arm so weit aus, dass der Daumen genauso groß erscheint wie der Baum.

Dann legt ihr den Finger zur Seite um, sodass sein unteres Ende und das des Baumes immer noch übereinander liegen. Merkt euch genau, wohin am Boden eure Daumenspitze weist. Zählt die Schritte vom Baumstamm bis zu diesem Punkt. Deren Anzahl entspricht der Höhe des Baumes.

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