Pinguine: Die coolen Überlebenskünstler

Das GEOlino Nr.1/2002 enthält eine große Foto-Reportage über Pinguine im Grünen. Denn viele Pinguinarten leben auch fernab vom Südpol in wärmeren Gefilden. Ihren Artgenossen im ewigen Eis kann's egal sein: Lest mal, mit welchen Tricks die Natur dafür sorgt, dass die Watschler auch in der grimmigsten Kälte nicht frieren müssen.
In diesem Artikel
Dreifach gewärmt hält besser
Die erstaunliche Kinderstube der Kaiserpinguine

An Land wirken sie unbeholfen mit ihrem Watschelgang und den Stummelflügeln. Wenn die Pinguine aber das Wasser erreicht haben, drehen sie richtig auf. Pfeilschnell, mit bis zu 25 Stundenkilometern, flitzen sie durch die Unterwasserwelt und spießen mit ihren spitzen Schnäbeln ihre Beutefische auf.

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Der an Land unförmig anmutende Körper erweist sich unter Wasser als ein Wunder der Natur. Der Strömungswiderstand eines Pinguins, das heißt der Widerstand, den das Wasser seinem Körper entgegensetzt, ist dreimal geringer als der eines modernen U-Bootes und sogar zehnmal kleiner als bei einem windschnittigen Sportwagen. Pinguine wurden von der Natur so aufs Energiesparen getrimmt, dass Forscher jetzt sogar versuchen, Flugzeuge in Pinguinform zu bauen, damit die schneller sind und weniger Sprit verbrauchen.

Pinguine sind zwar Vögel, doch fliegen können sie mit ihren Stummelflügeln nicht. Zumindest nicht durch die Luft. Unter Wasser aber flattern sie heftig. Dabei treiben die Flügelchen den Körper voran, die Beine mit den Schwimmflossen sind die Höhenruder, der kleine Schwanz funktioniert als Seitenruder.

Im Gegensatz zu ihren fliegenden Verwandten haben Pinguine schwere, mit Mark gefüllte Röhrenknochen. Ist ja auch logisch, denn die Pinguine wollen nicht mit möglichst wenig Gewicht nach oben, sondern mit möglichst wenig Energieaufwand nach unten. Darum: Je schwerer, desto besser.

Dreifach gewärmt hält besser

Die Körpertemperatur eines Pinguins beträgt 39 Grad Celsius. Wenn eure Temperatur so hoch wäre, hättet ihr Fieber. Damit ein Pinguin seine lebenswichtige Temperatur in einer so kalten Gegend wie dem Südpolargebiet halten kann, hat die Natur sich auch dafür etwas einfallen lassen.

Das Gefieder eines Pinguins ist so dicht wie das kaum eines anderen Vogels. Die Federspitzen überlagern einander wie Dachziegel und schützen die Haut so vor dem kalten Wasser. Die Daunen darunter bilden ein warmes "Unterhemd", das außerdem noch Luftblasen enthält. Es funktioniert also nach einem ähnlichen Prinzip wie doppelt verglaste Fenster, die ja auch die Wärme drinnen halten sollen.

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Unter ihrem warmen Frack haben Pinguine eine Fettschicht, die sie noch einmal warm hält. Kein Wunder, dass diejenigen Arten, die in der Nähe des Äquators leben, leicht ins Schwitzen geraten. Stellt euch mal vor, ihr müsstet im Hochsommer mit einer Daunenjacke herumlaufen!

Immer warme Füße

Forscher haben sich gefragt, warum Pinguinfüße nicht erfrieren. Schließlich stehen die Tiere den ganzen Tag auf eiskaltem Boden. Doch die Füße sind durch kein Federkleid geschützt. Außerdem müssten Pinguine wegen ihrer hohen Körpertemperatur eigentlich im Eis versinken - was sie aber nicht tun.

Mittlerweile haben die Biologen herausgefunden, dass Pinguine "lebende Thermoskannen" sind. In der Leibesmitte befinden sich die Organe, isoliert und gewärmt von Fett und Federn. Und was ist mit den Füßen? Nun, das Blut, das das Pinguinherz in die Füße pumpt, wird vorher in den Beinen abgekühlt, so dass keine Wärme verloren geht und die Füße immer Umgebungstemperatur haben. Wenn das Blut eiskalt wieder in Richtung Herz fließt, wird es über viele Äderchen verteilt aufgeheizt und kommt im Herzen körperwarm wieder an. Wissenschaftler nennen dies das Gegenstromprinzip.

Die erstaunliche Kinderstube der Kaiserpinguine

Kaiserpinguine leben ganz tief im Süden, fast schon am Südpol. Im März, dem antarktischen Herbst, wandern sie viele hundert Kilometer weit auf das Festland, damit sie ihre Eier nicht auf dem Eis ablegen müssen, weil das ja im Sommer schmilzt. Anfang April beginnen dann die Balz und die Paarung, und mitten im Winter legt das Weibchen ein einziges weißes Ei.

Frau Kaiserpinguin hat dann erst einmal ihre Pflicht der jungen Familie gegenüber erfüllt. Sie überläßt das frisch gelegte Ei ihrem Partner und watschelt Richtung Meer. Herr Kaiserpinguin bettet das Ei in eine Hautfalte über den Füssen, wo es schön warm ist, und rührt sich fortan nicht mehr von der Stelle.

Die Zeit vergeht, der arktische Winter naht, die Temperaturen sinken und sinken; es wird stockdunkel. Um sich gegenseitig zu wärmen, rücken die Männchen ganz dicht aneinander und bilden einen Pulk. Dabei ändern sie ständig ihre Positionen, damit jeder mal in der besonders warmen Mitte stehen darf und nicht etwa ständig am eiskalten Rand. Zwei Monate dauert die Brut. Während dieser Zeit fressen die Väter nichts und verlieren ein Drittel ihres Körpergewichtes.

Im Sommer kehrt die Mutter zurück

Mitte Juli endlich schlüpfen die Küken, bleiben aber weiter kuschelig warm in der Bauchfalte des Männchens. Das würgt, trotz seines Kohldampfs, eine "Milch" aus seinem Magen hoch und füttert die Jungen damit. Wenn die Sonne wieder aufgeht und den Beginn des antarktischen Frühlings ankündigt, kommen die Weibchen zurück. Sie haben sich inzwischen mit Fischen den Bauch vollgeschlagen und sind bereit, ihre Kinder zu füttern und die Männchen abzulösen, damit die sich erstmal erholen können.

Wie Herr und Frau Kaiserpinguin sich bei einer Kolonie von mehreren hundert täuschend ähnlichen Nachbarn wiedererkennen, ist ein bis heute ungelöstes Rätsel. Man vermutet, dass jeder Pinguin einen eigenen Ruf hat, der vom Partner wiedererkannt wird.

Kaiserpinguine haben übrigens richtige "Kindergärten" entwickelt. Wenn die Eltern unterwegs sind, um Futter für ihre ewig hungrigen Sprösslinge zu suchen, passen "Junggesellen" auf die lieben Kleinen auf, die sich eng aneinander kuscheln und so auf Mama und Papa warten.

Also, wenn ihr das nächste Mal im Zoo seid und euch über die scheinbar tolpatschigen Gesellen amüsiert, denkt daran, was für Wunder die Natur an jedem einzelnen Pinguin vollbracht hat.

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