Flughunde Fledermäuse: Die Jäger der Nacht

Liegen bei euch manchmal schwarze Krümelchen auf dem Fenstersims? Krabbelt es irgendwo leise an eurer Hauswand - hinter einem Fensterladen oder einer Dachverkleidung? Dann sind vielleicht Fledermäuse bei euch eingezogen - und das wär sogar ein Glücksfall!
Fledermäuse: Die Jäger der Nacht

Friedliche Insektenfresser

Denn Fledermäuse sind die interessantesten "Haustiere", die man sich vorstellen kann. Um es gleich zu sagen: Alle, die es in Europa gibt, sind für uns Menschen absolut harmlos - selbst wenn sie so gewaltige Namen haben wie die "Bulldogg-Fledermaus". Denn die Fledermäuse, die bei uns herumfliegen, sind Insektenfresser. Und die schwarzen Kügelchen, die Ihr vielleicht bei euch am Fenstersims findet, bestehen fast nur aus zermahlenem Insektenpanzer - und riechen nach rein gar nichts!

Flügel aus Haut

Fledermäuse sind übrigens gar keine fliegende Mäuse: Sie sind vielmehr eine eigene zoologische Gruppe von Säugetieren mit einem weichen Fell, großen Ohren und Flügeln aus Haut. Forscher von früher haben sie "Handflügler" genannt, weil die Flughaut zum Teil zwischen den extra langen Fingern der Hand aufgespannt ist; von dort setzt sie sich bis zum Schwanz fort. Eine Daumenkralle dient als Kletterhilfe.

Wohnort: Baumhöhle

Von November bis Februar halten die meisten Fledermäuse Winterschlaf. Doch sobald sie im März wieder erwacht sind, suchen die Weibchen ihre Sommerquartiere auf - eine Baumhöhle oder einen Unterschlupf in einem Gebäude. Dort ziehen sie miteinander ihre Kleinen groß.

Geboren werden die Jungen im Juni. Ihre Mütter hängen dabei ausnahmsweise einmal "richtig herum" - mit dem Kopf nach oben - an den Daumenkrallen. Aus der Schwanzflughaut formt die Fledermaus eine Tasche und lässt das Neugeborene hineingleiten. Kaum auf der Welt, krallt sich das Kleine an Mutters Bauch und sucht nach der Milchzitze.

Ein Leben über Kopf

Von Geburt an können Fledermauskinder sich an ihren Füßen kopfüber aufhängen. Sie verbringen viel Zeit mit Körperpflege, vor allem die Flügel werden immer wieder mit einem öligen Sekret bestrichen, damit sie geschmeidig bleiben und nicht austrocknen. Drei bis fünf Wochen lang werden die kleinen Quartierbewohner nur mit Muttermilch versorgt, dann wagen sie ihren ersten Ausflug und sind bald schon selbstständig. Fledermäuse werden durchschnittlich fünf Jahre alt, doch es sind auch schon Tiere gefunden worden, die sogar 30 Jahre alt waren - was man an den kleinen Ringen erkennen konnte, die ihnen Forscher angelegt hatten.

Gute Lauscher

Fledermäuse sind zwar nicht blind, aber wenn sie in dunkler Nacht jagen, nützen ihnen ihre kleinen Augen meist wenig. So sind die Ohren ihr wichtigstes Sinnesorgan. Während des Fluges stoßen die Fledermäuse ständig Rufe aus. Und das Echo vermittelt ihnen ein "Hörbild" ihrer Umgebung: Sie erkennen eine Mücke nicht weniger gut als eine Kuh. Aus Experimenten weiß man, dass sie selbst 0,08 Millimeter dünne Drähte noch "hören" können.

Echo-Flieger

Wir Menschen nehmen die Fledermaus-Rufe allerdings nicht wahr - sie sind viel zu hoch für unser Ohr. Nur mit moderner Elektronik können Forscher die Orientierungslaute empfangen. Bevor man den Echo-Piloten so auf die Schliche kam, glaubten manche Leute, Fleder-Flugmanöver seien nur mit Hilfe des Teufels möglich. Und man erzählte sich, dass Fledermäuse gern in die Haare von Menschen flögen. In Wirklichkeit ist das Quatsch - Fledermäuse sind vielmehr sehr nützlich, weil sie Berge von Insekten vertilgen.

Blut geleckt

Es gibt allerdings auch welche, die Fische, Reptilien, Vögel oder kleine Säugetiere fressen. Wohl am berühmtesten sind die Vampirfledermäuse in Süd- und Mittelamerika. Mit ihren scharfen Zähnen schneiden sie kleine Stücke aus der Haut von Vögeln oder sogar Rindern und lecken das herausquellende Blut auf.

Fliegende Hunde?

Zu den Fledertieren gehören auch die Flughunde, die so heißen, weil sie ein ähnliches Gesicht haben wie die bellenden Vierbeiner. Flughunde leben in Afrika, Asien und Australien und ernähren sich von Früchten, Blüten, Nektar und grünen Blättern. Einige Arten haben eine Flügelspannweite von 1,70 Metern! Wenn die was auf eurem Fenstersims hinterlassen würden, wäre das schon mehr als nur ein schwarzes Krümelchen!

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