Im Hospital der Flughunde

Es klingt so herzzerreißend, wenn Flughund-Babys weinen. Hoch. Schrill. Und irgendwann heiser.

Doch diese fünf Winzlinge haben sich beruhigt. Eingemummelt liegen sie im Fledermaus-Krankenhaus und warten auf ihr Fläschchen. Es sind kleine Waisen. Ihre Mütter sind gestorben. Jetzt päppeln Helfer sie auf, mit Instantmilch, wie sie auch Menschenkinder zu trinken bekommen.

Lähmende Zeckenbisse

Das "Tolga Bat Hospital" liegt unweit der Kleinstadt Atherton, im Nordosten Australiens, umgeben von Regenwald. Nachts sausen zwischen den Bäumen Schwärme der "Brillen-Flughunde" umher. Die bis zu 25 Zentimeter großen Tiere suchen nach tropischen Früchten wie Papayas. Und nach den Blüten einer wilden Tabakart. Doch dieser Leckerbissen ist oft ihr Verhängnis: Auf den Tabakblättern lauern heimtückische Zecken. Deren Biss ist giftig, er lähmt die Flughunde. Bewegungsunfähig stürzen sie von den Bäumen - und die Mütter reißen ihre Babys, die sich stets an ihnen festklammern, mit sich. Zweimal täglich suchen Helfer deshalb die Flughund-Kolonien der Umgebung ab und sammeln behutsam die herabgefallenen Tiere auf.

Die Patienten hängen überkopf

Die Zeckenplage dauert von Oktober bis Dezember. In dieser Zeit herrscht Hochbetrieb im Krankenhaus. An den Wänden stapeln sich Käfige, in denen besonders schwache Flughunde liegen. Andere sind schon munter; sie hängen kopfabwärts und schauen mit blinkenden Knopfaugen zu, wie die Pfleger hin und her hasten.

In den drei Zecken-Monaten versorgen sie mehr als 200 Babys und 400 erwachsene Flughunde. Wenn die dann gesund sind, kehren sie in den Regenwald zurück.

Auch die kleinen Waisen dürfen in ein paar Wochen davonflattern. Und in den riesigen Flughundkolonien leben sie sich meist problemlos ein. Bleibt nur zu hoffen, dass sie um Tabakblüten einen weiten Bogen fliegen werden…

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