Pollen Wie Pflanzen mit Düften locken

Insekten fliegen auf Gerüche - einige stehen auf wohlriechende Düfte, andere eher auf üblen Gestank. Pflanzen machen sich diese Vorlieben zu nutze. Sie locken Bienen, Fliegen & Co an, um ihnen heimlich Blütenstaub mit auf die Reise zu geben.

Um Nachwuchs hervorzubringen, müssen Pflanzen ihren gelben Blütenstaub, den Pollen, mit Artgenossen austauschen. Doch fest verwurzelt im Boden kommen sie keinen Millimeter von der Stelle. Wie also lösen sie das Problem? Ganz einfach, sie spannen für ihre Zwecke bewegliche Insekten ein. Insbesondere Bienen, Hummeln und Fliegen eignen sich hervorragend als Pollen-Boten.

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Die Pflanzen duften nicht nur für uns Menschen oft verführerisch gut

Düfte als Wegweiser

Damit die kleinen Helfer die Kurierdienste bereitwillig übernehmen, bieten die Pflanzen als Belohnung Nektar an - eine süße Flüssigkeit, die Insekten so gerne mögen wie ihr vermutlich Schokolade, Bonbons oder Lollis. Und um die Tiere in Scharen anzulocken, haben sich viele Gewächse einen pfiffigen Trick ausgedacht. Sie verströmen eine Vielfalt von Wohlgerüchen, die den wendigen Besuchern als Wegweiser dienen. Die Düfte enthalten gewissermaßen die verschlüsselte Nachricht: "Zum Nektar bitte diese 'Straße' entlangfliegen!"

Tausche Nektar gegen Pollen

Dank dieser duften Orientierungshilfe lotsen die Pflanzen ihre Gäste sicher zum Ziel. Und während die Insekten begierig am Nektar schlecken, werden sie unbemerkt mit dem gelben Pollen eingepudert. Haben sie genug genascht, brechen sie zur nächsten Blüte auf und streifen hier einen Teil ihrer Staubfracht ab. Der Transport des Pollens von der einen auf die andere Pflanze ist geglückt. Die Befruchtung wird eingeleitet; am Ende der Blüte wird eine "Kinderschar" in Form von Samen entstanden sein.

Pflanzliche Verwirrspiele

Einige Pflanzen wie bestimmte Orchideen locken ihre Bestäuber - beispielsweise männliche Grabwespen - noch gewiefter an: Sie verströmen einen betörenden Duft, der dem Lockstoff der zugehörigen Insektendame fast haargenau gleicht. Und damit nicht genug: Auch ihre Blüten sehen den Wespenweibchen zum Verwechseln ähnlich. Voller Erwartung stürzen sich die Wespenmänner auf die vermeintliche Partnerin und liefern den mitgeschleppten Pollen ab. Aber sie haben sich zu früh gefreut, denn die Orchidee hat sie buchstäblich an der Nase herumgeführt: Hier wartet nämlich kein Weibchen - und leider auch kein Nektar!

Manche mögen´s eher stinkig

Doch nicht alle Pflanzen werben mit aromatischen Düften um bestäubende Insekten. Auch regelrechter Gestank kommt zum Einsatz: So verbreitet der Aronstab einen fauligen Geruch, der verwesendes Fleisch vortäuscht. Und genau auf diesen Mief stehen Aasfliegen, die gewöhnlich in Kadavern ihre Eier ablegen. Nichts ahnend landet ein angelocktes Insekt auf dem glatten Hüllblatt. Und eh es sich versieht, ist es wie auf einer Rutschbahn hinab in ein bauchiges Gefängnis gestürzt. Dort sitzt es fest, denn abwärts gerichtete Haare verhindern vorerst seine Flucht.

Buchstäblich reingefallen: Und zwar solange, bis seine eigentliche Aufgabe - das Bestäuben der Blüte - erledigt ist. Dies geschieht fast wie von selbst: Denn beim Herumkriechen in der Falle lädt der kleine Gast auch den mitgebrachten Pollen eines zuvor besuchten Aronstabes ab. Dafür wird er mit leckeren Nektartröpfchen beschenkt. Und nachdem eine neue Fuhre Blütenstaub auf ihn herabgerieselt ist, welken die Haare der Pflanze, die bislang den Ausgang versperrten. Das Tier ist nun wieder frei - bis es erneut auf die List hereinfällt.

Hier sollten Insekten ihre Nase nicht hineinstecken!

Aber nicht immer kommen Insekten beim Blütenbesuch ungeschoren davon. Denn einige Pflanzen trachten ihnen regelrecht nach dem Leben. Und dies aus gutem Grund, denn sie wohnen an Orten, wo wichtige Nahrungsmittel Mangelware sind. Um ihren Speiseplan abwechslungsreicher zu gestalten, lockt die Kannenpflanze im tropischen Regenwald Insekten mit Nektargeruch und bunten Fangbehältern an.

Tiere als Leckerbissen für Pflanzen

Unaufmerksame Gäste verlieren auf dem glitschigen Rand des Gefäßes schnell den Halt und purzeln in die Tiefe. Entkommen können sie leider nicht: Denn die Wände der Falle sind mit einer feinen Wachsschicht "tapeziert". Zudem ist der Behälter mit einer Verdauungsflüssigkeit gefüllt, in der die hilflos herumschwimmenden Insekten alsbald ertrinken. Dann zerlegt die Brühe die Beute magengerecht - ein Festschmaus für die Pflanze!

Achtung! Ich schmecke nicht!

Doch nicht immer verströmen die Pflanzen Gerüche, um Insekten aus der Ferne anzulocken. Einige Vertreter lagern in ihren "Körperteilen", zum Beispiel den Blättern oder im Holz, bestimmte Duftstoffe ein, die Fraßfeinden gehörig den Appetit verderben. Zukünftig machen die Pflanzenfresser einen großen Bogen um die betreffenden Gewächse. Und auch Bakterien und Pilze suchen sich lieber ein anderes Plätzchen. Die Substanzen dienen somit als wirksames Schutzschild vor unliebsamen Gästen.

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