Tierwelt Die Wölfe sind wieder da

Wölfe kennt ihr wahrscheinlich nur aus dem Zoo. Doch Biologen wie Gesa Kluth haben die geselligen Tiere auch in freier Wildbahn in Deutschland wieder entdeckt. Warum sind die Wölfe wieder da?
Die Wölfe sind wieder da
Ein Wolf schaut im Wald hinter einem Baumstamm hervor

Wölfe in Deutschland

Vor über hundert Jahren wurde in Sachsen der letzte Wolf erschossen. Seit diesem Tag hatte niemand mehr einen Wolf in Deutschland gesehen.

Doch in den 90er Jahren fanden Jäger erste Spuren und Kothaufen, die nicht von einem Hund stammen konnten. Und sie hörten das Heulen der Raubtiere in der Nacht. Ein paar Jahre später wurden die ersten grauen Gesellen gesichtet und die Wissenschaftler konnten wirklich sicher sein, dass die Wölfe nach Deutschland zurückgekehrt sind. Sie kamen über die polnische Grenze und haben sich auf einem Truppenübungsplatz in Sachsen niedergelassen. Hier fanden sie noch große Wälder mit hohem Wildreichtum. Da sich die Tiere nicht gestört fühlten, sind sie geblieben.

Ein Wolfsrudel lebt in Sachsen

Seit 1990 wird der Wolf in Deutschland streng geschützt und darf nicht mehr geschossen werden. Aus diesem Grund kehrt er langsam wieder in seine alten Jagdgründe zurück. Doch da viele Lebensräume mittlerweile zerstört sind, kann er sich nicht mehr in ganz Deutschland ausbreiten.

Heute lebt in Sachsen ein Wolfsrudel, berichtet die Wissenschaftlerin Gesa Kluth. Die Familie besteht aus vier bis sieben Tieren: den beiden Elterntieren und ihren Nachkommen der letzten zwei Jahre. Wenn die Jungwölfe geschlechtsreif sind, verlassen sie die Familie und suchen einen Partner. Dabei müssen sie meist weite Strecken zurücklegen.

Wolf oder Hund?
Tierwelt
Wolf oder Hund?
Da der Wolf der Stammvater aller Hunderassen ist, können einige Kläffer dem Wolf noch sehr ähnlich sein. Doch anhand einfacher Merkmale könnt ihr den Wolf sicher vom Hund unterscheiden

Was fressen Wölfe?

Wölfe ernähren sich hauptsächlich von frei lebenden Huftieren, erzählt uns die Forscherin. Das sind Rothirsche, Rehe und Wildschweine, aber auch Mufflons, Damhirsche und Elche. Als kleiner Leckerbissen werden Feldhasen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und andere Kleinsäuger verspeist.

Der Wolf frisst nur junges, unerfahrenes, altes oder schwaches Wild. Die gesunden und reaktionsschnellen Beutetiere überleben, und das ist gut für den Bestand der Beute und das Ökosystem. Der Biologe nennt das "natürliche Auslese": Im Kampf ums Überleben gewinnen die Stärksten.

Wer hat Angst vor Wölfen?

Da Wölfe meist sehr scheu sind, werden Spaziergänger im Wald kaum ein Tier zu Gesicht bekommen. Viele Menschen haben jedoch Angst vor den Raubtieren. Dieses Misstrauen ist tief verwurzelt, obwohl Wölfe, abgesehen von tollwütigen Tieren, nie einen Menschen angreifen würden.

Während sich der Hund zum besten Freund des Menschen entwickelte, wurde der Wolf schon seit Urzeiten für das Leid der Menschen verantwortlich gemacht. Er war das Sinnbild für Spukgeschichten, Werwölfe sind aus vielen Filmen bekannt, und in verschiedenen Religionen wurde der Wolf sogar mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Oder denkt nur mal an das Märchen von Rotkäppchen und dem "bösen" Wolf!

Schutz der Wölfe

Doch glücklicherweise hat sich die Einstellung zu Meister Isegrim, wie der Wolf in der Fabelwelt genannt wird, mit der Zeit geändert. Die Biologin Gesa Kluth fand in einer Umfrage unter deutschen Forst-, Jagd- und Naturschutzverbänden heraus, dass die Bevölkerung dem Wolf überwiegend wohlwollend gesonnen ist.

Auch wenn die Raubtiere schon mal Nutztiere wie Ziegen und Schafe fressen, werden sie nicht sofort erschossen. Der Wolf "weiß" ja nicht, welche Beute er jagen darf und welche nicht. Daher müssen die Haustiere in Sachsen durch hohe Elektrozäune geschützt werden.

Da derzeit nur wenige Tiere in Deutschland und Westpolen leben, ist der Bestand sehr gefährdet. Der Internationale-Tierschutz-Fonds, kurz IFAW, setzt sich für den Schutz der Wölfe ein. Gesa Kluth koordiniert die deutsch-polnische Zusammenarbeit. In Sachsen sucht sie nach Spuren und Losung, also dem Kot der Tiere und macht manchmal auch das Geheul der Tiere nach, um sie zum Antworten zu bewegen.

So verfolgt sie die Wölfe: Woher sind sie gekommen und wohin gehen sie? Mit einem Maßband vermisst sie Pfotenabdrücke, um das Alter des Wolfes bestimmen zu können. Die Forscherin möchte die neuen Reviere der Jungtiere frühzeitig ausfindig machen, um die Menschen vor Ort zu informieren.

Äthiopischer Wolf
Tierlexikon
Äthiopischer Wolf
Die rotbraunen Äthiopischen Wölfe jagen keine großen Tiere. Fette Maulwurfsratten und Hasen sind ihnen genug
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