Hunde Unsere ganz besonderen Freunde

Wohl kein anderes Haustier steht dem Menschen so nahe wie der Hund. Er ist Freund, Helfer, Beschützer und Diener - und das seit vielen tausend Jahren. Was er sonst noch so fertig bringt und warum er manchmal gehörig Ärger macht - davon erzählt euch GEOlino
In diesem Artikel
Vom Wolf zum Hund
Hunde als Helfer
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Achtung, fliegender Hund! Ein Border Collie versucht, eine Frisbeescheibe zu fangen. Sein Herrchen spielt gleich mit

Lumpis Frauchen hat sich entschieden: Das Drei-Gänge-Menü mit Rinderherz für fünf Euro, bitte! Hechelnd steht Lumpi an der Dackel-Bar, einem nur zehn Zentimeter hohen Tischlein im Hunderestaurant "Bei Frizzi". Schon bringt der Koch die Vorspeise - zerhacktes Fleisch auf einem Silberteller - und zündet die Kerzen an. Ob Lumpi das zu würdigen weiß? Ratzfatz verschlingt er den ersten Gang, dann das Hauptgericht: gebratenes Rinderherz mit Spätzle und gedünsteten Karotten. Lumpi schmatzt und schlabbert; sein Frauchen schießt entzückt ein paar Fotos. Zum Nachtisch gibt es Plätzchen. Lecker! Gibt es noch mehr? Hoffnungsvoll blickt Lumpi seine Herrin an. Doch die bezahlt schon. Schluss mit Schlemmen für heute.

Wilde Vorfahren

Ein Restaurant für Hunde! Darüber hätten Lumpis wilde Vorfahren wahrscheinlich nur laut heulen können. Denn die Ahnen unserer Haushunde waren - Wölfe! Vor vermutlich 15 000 Jahren schlossen sich die ersten dieser Raubtiere den Menschen in Ostasien an. Manche Experten glauben, dass damals einige vorwitzige Wölfe in die Nähe menschlicher Lager kamen, um sich an weggeworfenen Knochen und Fleischresten satt zu fressen. Als "Aufräumer" wurden sie von den Menschen geduldet; in Notzeiten dienten sie ihnen vielleicht sogar selbst als Nahrung.

Wölfe zu Hause

Mag sein, dass damals irgendein Jäger oder Sammler bei einem Streifzug sogar ein paar verwaiste Wolfsjunge fand und mit nach Hause nahm, um sie aufzuziehen. Der bekannte Forscher Erik Zimen, der selber Wölfe aufgepäppelt hat, ist sogar davon überzeugt, dass manche Frauen den kleinen Wölfen die Brust gaben! Andere sagen: "Das ist romantischer Quatsch."

Vom Wolf zum Hund

Fest steht jedenfalls, dass der Mensch den Wolf zunehmend zum Hund machte: Er züchtete sich kleine und flinke Tiere oder große und kräftige - je nachdem, was er brauchte. Die Ägypter hielten sich vor 8000 Jahren bereits Jagd- oder Windhunde und mumifizierten die Tiere sogar! In der Antike galten Hunde als Botschafter zwischen Lebenden und Toten. Inzwischen gibt es neben unzähligen Wildformen und Mischlingen 340 international anerkannte Hunderassen - in allen Formen und Größen: Während der Chihuahua auf eine Hand passt, ist der Riese unter den Hunden, der Irische Wolfshund, höher als ein Esstisch.

Schnüffeln und Schwanzwedeln

Obwohl also äußerlich oft nur noch wenig an Wölfe erinnert - innerlich sind alle Hunde noch eng mit ihren Vorfahren "verbunden": Sogar Dackel Lumpis Erbgut gleicht zu über 99 Prozent dem eines Wolfes. Auch das Schwanzwedeln hat er vom Wolf. Und die Supernase: Hunde erschnuppern und verfolgen Spuren, die mehrere Stunden alt sind, so mühelos als sähen sie einen frischen Fußabdruck im feuchten Sand. Dabei helfen ihnen ihre rund 220 Millionen Riechzellen in der Nase - wir Menschen müssen mit rund fünf Millionen auskommen.

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Immer wieder landen Hunde in Tierheimen hinter Gittern, weil die Besitzer nicht mehr wissen, wohin mit ihnen. Eingesperrt zu sein, macht jeden Hund unglücklich und aggressiv

Klare Ansagen bitte!

Und noch etwas zeigt, dass Hunde viel "Wolfsblut" haben: Wölfe können ohne ihr Rudel nicht leben - und auch für Hunde gibt es nichts schlimmeres, als allein gelassen zu werden. Hunde, die ohne Artgenossen gehalten werden, sehen deshalb ihre Menschenfamilie als ihr Rudel an, Herrchen oder Frauchen sind die "Anführer". Von denen erwartet der Hund allerdings auch klare Regeln und Befehle - man tut ihm keinen Gefallen, wenn man ihm einmal erlaubt, auf dem Sofa zu liegen und ein anderes Mal darüber schimpft. Was denn nun? fragt sich der Hund dann - und hört irgendwann überhaupt nicht mehr. Wenn er aber stets klare "Ansagen" bekommt, ist er seinen Menschen treu ergeben. Denn Hunde sind erstaunlich lernfähig. Manche können bis zu 100 verschiedene Wörter und Befehle verstehen!

Hunde als Helfer

Weil sie so schlau sind, sind die Vierbeiner auch mehr als nur Spielgefährten oder Schmusetiere. Einige arbeiten sogar für uns Menschen: als Jagdhelfer oder Blindenhunde; sie spüren Verschüttete unter Lawinen oder Häusern auf, finden Drogen und Landminen. Ja, sie können auch dabei helfen, dass kranke Menschen schneller gesund werden.

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Spürhunde sind besonders gute Schnüffler: Sie suchen zum Beispiel nach Drogen im Gepäck

Aber: Sie können auch zubeißen

Nun ja, wir wollen auch die Kehrseiten unserer "besten Freunde" nicht verschweigen: Zum Beispiel hinterlassen sie massenweise eklige braune Kothaufen auf Gehwegen, in Parks und auf Spielplätzen. Allein in Berlin müssen die Straßenreiniger bis zu 40 Tonnen Kot wegschaufeln - täglich! Ganz und gar nicht nett ist es auch, wenn bei unseren Hunden plötzlich der Wolf hervorkommt - und sie zubeißen. Jeden Monat erwischt es in Deutschland über 4000 Menschen!

Teure Freunde

Trotzdem: Die meisten der fünfeinhalb Millionen Hunde in Deutschland sind friedliche Tiere, die ihre Zähne viel lieber in Dosenfutter graben als in menschliche Hinterteile. Deshalb geben ihre Besitzer auch etwa 750 Millionen Euro für Futter, Snacks und Knabbereien aus; dazu kommen über 100 Millionen Euro für Leinen, Spielzeug, Hundeshampoo oder Spezialbürsten. Wie viel Geld außerdem in Hunderestaurants ausgegeben wird, müsste allerdings noch mal jemand nachrechnen ...

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