Alligatoren - die Herren der Sümpfe

Mächtiger Kiefer, spitze Zähne: Wenn ein Alligator zuschnappt, hat die Beute selten eine Chance. Aber manchmal sind die Echsen richtig zärtlich. GEOlino zeigt euch diese überraschend sanfte Seite
In diesem Artikel
Wachsame Jäger
Aggressiv, wenn's eng wird

Aus einem Erdhügel am Ufer des Sumpfes tönt leises Quäken. Ein Köpfchen schiebt sich hervor, und gleich darauf strampelt sich eine kleine Echse mit vier kurzen Beinen ins Freie - ein Alligator-Baby, das aus seinem Ei geschlüpft ist. "Quääääk", ruft es kläglich. Seine Augen sind wegen der gerade überstandenen Erschöpfung noch zu Schlitzen geschlossen. Dann geschieht Unglaubliches: Zielstrebig krabbelt der Kleine los - geradewegs auf einen riesigen Alligator zu, der mit offenem Maul neben dem Hügel liegt. Geschickt überwindet das Baby die spitzen Zähne des Riesen und plumpst in dessen Maul. Doch das Ungetüm beißt nicht zu. Behutsam trägt es den Winzling zum Wasser.

Zärtliche Riesen

Es ist die Alligator-Mutter, die für ihren Schreihals das Taxi spielt. Mississippi-Alligatoren sind in Sümpfen, Seen und Flüssen des amerikanischen Südens zu Hause. Vor allem im riesigen Nationalpark "Everglades" in Florida fühlen sie sich wohl. Sieht man die bis zu sechs Meter langen Reptilien, kann man es kaum glauben: Sie sind, wenn es um ihren Nachwuchs geht, richtig zärtlich. Die Weibchen legen ihre Eier in Nester aus Erde und Pflanzenresten, die sie bis zum Schlüpfen bewachen. Das Ausbrüten erledigt die Sonne. Deren Temperatur entscheidet, ob aus einem Ei ein Weibchen oder ein Männchen schlüpft: Bei mehr als 31 Grad Nestwärme wird's ein Junge, bei kühleren Temperaturen krabbelt ein Alligator-Mädchen aus der Schale.

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Alligatoren sperren das Maul auf, wenn ihnen zu heiß ist. Dabei kühlen sie sich ab und betreiben gleichzeitig "Maulpflege", denn die Sonnen tötet Bakterien auf ihrer Zunge. Der aufgerissene Rachen kann auch eine Warnung an die Artgenossen sein

Wenn kleine Schnapper groß werden

Von ihrer Mutter sicher ins Wasser getragen und noch monatelang beschützt, schnappen Baby-Alligatoren anfangs nur nach Insekten und Fröschen. Erst später stehen Fische, Vögel und Säugetiere auf ihrem Speiseplan. Gefressen wird eben alles, was kleiner ist. Vor einem erwachsenen Alligator ist auch ein Wildschwein nicht mehr sicher. Alligatoren sind Lauerjäger. Die meiste Zeit ihres etwa 60 Jahre langen Lebens dümpeln sie wartend im Wasser. Doch wenn ihnen Beute vor die mächtige Schnauze gerät, schnappen sie blitzschnell zu.

Wachsame Jäger

Bei der Jagd im trüben Wasser hilft den Riesenechsen ihr guter Geruchssinn. Außerdem besitzen die Tiere ein besonderes Sinnesorgan: An ihrer Schnauze sitzen kleine Noppen, so genannte Dom-Druck-Rezeptoren, mit denen sie noch die feinste Bewegung registrieren. Sie spüren sogar den Aufprall eines einzigen Wassertropfens! Da kann ein Tier noch so vorsichtig zum Trinken ins Wasser staksen, ein Alligator bekommt es sofort mit.

Leckermäuler

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Viele Jahre hat das Ungetüm auf dem Buckel, doch die abgebrochenen Zähne sind dafür kein Beweis: Sie wachsen während das langen Lebens ständig nach

Die Echsen fressen natürlich nicht nur Fleisch. Die Kapitäne von Ausflugsbooten in Florida füttern die gepanzerten Riesen sogar mit Marsh Mellows! Für solche Süßigkeiten wuchten Alligatoren ihre Körper schon mal meterhoch aus dem Wasser - zur Freude der Touristen. Auch an Land kann man beobachten, dass Alligatoren gar nicht so behäbig sind, wie sie aussehen. Wenn es sein muss, galoppieren sie mit einem Affenzahn auf kurzen, krummen Beinen durchs Unterholz. Viel lieber aber liegen die Großmäuler faul in der Sonne, alle Viere von sich gestreckt. Wird es ihnen zu kühl, ziehen sie sich in selbst gebuddelte Höhlen zurück.

Älter als die Dinos

Lange Zeit galten Alligatoren als nutzlos und wurden ohne Rücksicht gejagt. Als Krokohandtaschen in Mode kamen, der Traum vieler Frauen, mussten hunderttausende Alligatoren sterben, weil man ihnen ans Leder wollte. Beinahe hätte der Mensch so eine Tierart ausgerottet, die mehr als 200 Millionen Jahre lang alle irdischen Katastrophen und Klimaveränderungen überlebt hat. Die Vorfahren der Alligatoren bevölkerten die Erde, lange bevor die ersten Dinosaurier auftauchten!

Aggressiv, wenn's eng wird

Mittlerweile stehen die Echsen zwar unter Naturschutz, doch macht ihnen der Mensch weiter schwer zu schaffen. Immer mehr Sonnenhungrige ziehen nach Florida und engen den Lebensraum der Giganten ein. Weshalb es gar nicht so selten vorkommt, dass Alligatoren durch Gärten spazieren oder sogar in Swimmingpools paddeln. Zwar sind die Riesenechsen keine menschenfressenden Bestien, doch ein enges Nebeneinander ist gefährlich: Vor einiger Zeit paddelte die zehnjährige Megan Roe auf einem Fluss in Florida, als sie von einem mehr als drei Meter langen Alligator angefallen wurde. Das Tier verbiss sich in ihrem Bein - aber Megans Vater konnte seine Tochter in letzter Sekunde retten. Er hielt den Kopf des Alligators fest und stach ihm mit den Fingern ins Auge. Sofort ließ das Tier von dem Mädchen ab. Und verschwand spurlos in den Fluten.

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Sie haben nur ein winziges Gehirn, dafür aber eine ganze Waffenkammer im Gesicht: Mit bis zu 80 Zähnen packen die Reptilien ihre Opfer

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