Geschichte Cool und bequem: die Jeans

Wir sagen euch, warum die Jeans blau ist und wie sie entsteht. Außerdem geben wir euch Tipps, welche Jeans zu wem passt und worauf ihr beim Kauf achten solltet

In zehn Minuten ist Matthias mit seinen Freunden zum Skateboardfahren verabredet. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich groß zu stylen. Also greift er schnell zu seiner Lieblingsjeans, denn die passt immer. Mit den abgewetzten Stellen sieht sie sogar richtig cool aus und hat schon so manchen Sturz mit dem Skateboard überlebt.

Wie bei Matthias ist die Jeans sicher auch bei euch im Kleiderschrank zu finden. Und der Trend sagt: Je gebrauchter die Jeans, desto cooler sieht sie aus. Aber wusstet Ihr, dass die Jeans schon bei der Herstellung ihre Farbe verliert?

Lebenslauf einer Jeans

Der Jeansstoff ist von Natur aus weiß und heißt Denim, abgeleitet von seiner Herkunft aus der französischen Stadt Nîmes ("de Nîmes" - aus Nîmes).

Der tiefblaue Farbstoff Indigo gibt der Jeans seine Farbe. Er kommt eigentlich aus den Blättern der Indigopflanze, wird aber heute künstlich hergestellt. Indigo färbt aber nur die äußeren Fäden und der Kern des Stoffes bleibt weiß. Nach der Färbung ist der Denim zwar blau, aber noch lange keine fertige Hose.

Eine Jeanshose besteht aus bis zu 60 Einzelteilen: Hosentaschen, Reißverschluss, Gürtelschlaufen, Knöpfe und noch einiges mehr. Die Form der Jeans wird nach einem Schnittmuster aus dem Denimstoff herausgeschnitten. Dann werden die Einzelteile mit einem starken Garn zusammengenäht. Die sichtbaren orange-gelben Nähte halten die Hose zusammen. Zum Schluss werden Knöpfe und Nieten angebracht.

Einmal waschen, bitte!

Cool und bequem: die Jeans

Der Stick auf der Hosentasche ist ein typisches Detail einer Jeans

Jedes andere Kleidungsstück wäre jetzt fertig zum Verkauf - nicht aber die Jeans. In einer großen Waschtrommel werden die Jeanshosen gewaschen. Die beliebte "Stone-Washed"-Jeans (zu deutsch: mit Steinen gewaschen) wird ganz speziell gewaschen. Dabei werden die Jeans zusammen mit Bimssteinen oder Enzymen gewaschen. Bims ist ein lockeres Lavagestein, das auch künstlich hergestellt werden kann. Enzyme sind Stoffe, die einen chemischen Vorgang beschleunigen können.

Die beiden "Zutaten" reiben die Farbschicht stark ab und die natürliche Farbe des Denim kommt zum Vorschein. Je länger man den Stoff wäscht, desto heller wird er. Eine Jeans kann bis zu sechs Stunden gewaschen werden. Übrigens: Die Jeans mit Steinen zu waschen, eignet sich nicht für daheim. Die Steine können die Waschmaschine kaputt machen und die Eltern sauer stimmen.

Wenn die Jeans genäht, gewaschen und gespült ist, wird sie noch gebügelt und kann in den Laden zum Verkauf.

Cool und bequem: die Jeans

In einer riesigen Waschtrommel wird die Jeans gewaschen

Was passt zu wem?

Jeans kaufen ist gar nicht so einfach wie man denkt. Die erste Hürde ist, sich für ein Modell zu entscheiden. Schließlich gibt es gerade Form, Hüfthose, Stretch, ausgestellte Form und noch vieles mehr. Aber welches Modell ist das richtige?

Einkaufstipp

Jeansgrößen werden meistens mit zwei Zahlen und in der amerikanischen Messgröße Inch angeben. Ein Inch entspricht 2,54 cm. Die erste Angabe ist die Weite des Hosenbundes. Die zweite Angabe entspricht der Länge des Hosenbeins vom Hosenbund bis zum Fuß. Ein Beispiel: Die Größe einer Jeans ist 26/30. Also beträgt die Weite 26 Inch (= 66 cm) und die Länge 30 Inch (= 76 cm). Sieht alles sehr schwierig aus, aber irgendwann wisst ihr, welche Größe euch passt.

Geschichte der Jeans

Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA: Die Menschen sind wie im Rausch! Seit ein Abenteurer im Jahr 1848 ein Goldklümpchen in KALIFORNIEN entdeckt hat, berichten Zeitungen beinahe täglich von neuen Funden. Bauern, Bergarbeiter, Tagelöhner – Hunderttausende packen ihre Habseligkeiten und ziehen in den kaum bewohnten Westen des Landes, um als Goldgräber ihr Glück zu suchen. Aber wer soll die vielen Zuwanderer mit dem Nötigsten versorgen?

Levi Strauss, ein aus Deutschland nach New York eingewanderter Händler, wittert das Geschäft seines Lebens. Er reist 1853 nach San Francisco an die Westküste der USA, wo er unter anderem Tuchballen und Stoffe verkauft, aus denen Schneider Hosen für die Goldsucher nähen. Jacob Davis ist einer dieser Schneider.

An einem Wintertag 1870 betritt eine verärgerte Frau seinen Laden in Reno im US-Bundesstaat Nevada. Ständig rissen die Arbeitshosen ihres Mannes, klagt die Kundin. Jacob Davis verspricht, sich um das Problem zu kümmern – und findet eine Lösung: Statt die einzelnen Teile der Hose nur zu vernähen, verbindet er sie zusätzlich mit Kupfernieten. Vor allem die Taschen, die die Goldsucher oft mit Steinen vollstopfen, halten nun viel besser. Die Idee wird ein Hit! Jacob Davis kommt mit der Produktion kaum hinterher, denn immer mehr Menschen wollen eine Nietenhose ergattern. Das bleibt den Konkurrenten nicht verborgen.

Sie beginnen, seinen Trick zu kopieren. Jacob Davis muss das verhindern! Er braucht dringend ein Patent (einen nach Prüfung erteilter Schutzbrief für Erfindungen, der anderen verbietet, diese ohne Erlaubnis zu kopieren), doch das kostet 68 US-Dollar. Mitte des 19. Jahrhunderts muss ein Schneider dafür lange sparen. Zum Vergleich: Die Nietenhosen verkauft Jacob Davis für gerade mal drei Dollar pro Stück.

Was also tun? Jacob Davis erinnert sich an seinen Stofflieferanten Levi Strauss und bittet ihn um Hilfe. Tatsächlich ist der Stoffhändler bereit, sich an den Kosten für den Schutzbrief zu beteiligen und in das Geschäft einzusteigen. Am 20. Mai 1873 erhalten Levi Strauss und Jacob Davis das Patent mit der Nummer US139.121. Anfangs fertigen sie die Nietenhose aus Segeltuch, doch schon bald verwenden sie Denim, ein mit Indigo gefärbtes, derbes Baumwollgewebe. Bis heute werden Jeans aus diesem besonders reißfesten Stoff genäht.

Übrigens: Der Name Jeans setzt sich für die Hose erst Jahrzehnte später durch. Er entsteht aus dem Begriff „genoese“ (sprich: dschienoies), also "genuesisch", weil die Matrosen in der
italienischen Hafenstadt Genua angeblich ähnliche Beinkleider trugen. Levi Strauss und Jacob Davis nennen ihre Erfindung dagegen "Hüftoverall" – und werden dank ihr reiche Männer. Im Jahr 1883 hat die gemeinsame Firma mehr als 500 Mitarbeiter. Später bauen die beiden sogar eine Jeans-Fabrik, deren Chef Jacob Davis wird.

Cool und bequem: die Jeans

Verschiedene Färbung und Behandlung des Denim verändern den Jeans-Look

Nach und nach werden die Jeans überall in den USA bekannt. Urlauber, die an die Westküste reisen, zeigen die Nietenhosen nach der Rückkehr ihren Freunden und Bekannten im Rest des Landes. Bald wollen nicht nur Arbeiter, sondern fast alle Amerikaner die ebenso lässigen wie praktischen Hosen tragen. Und nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich bringen in Europa stationierte US-Soldaten die Jeans mit auf unseren Kontinent.

Es dauert nicht lange, bis sich auch hierzulande vor allem Jugendliche um die Hosen aus dem fernen Amerika reißen. Als in den 1950erund 1960er-Jahren berühmte Schauspieler wie James Dean oder Marilyn Monroe in Jeans auftreten, wird die ehemalige Arbeiterkleidung endgültig zur Kultklamotte.

Mittlerweile ist sie eines der beliebtesten Kleidungsstücke überhaupt: Allein jeder Deutsche besitzt durchschnittlich acht Jeans. Viele der Hosen werden heutzutage jedoch unter schlechten Bedingungen in Belliglohnländern genäht. Auch die Firma "Levi Strauss & Co" schloss im Jahr 2003 ihre letzte Fabrik in den USA – 101 Jahre nach dem Tod des Gründers. Zu den größten Jeans-Herstellern der Welt gehört sie allerdings noch immer – mit rund 250 Millionen produzierten Hosen jährlich!

Farbe Blau
Farben
Wieso die Farbe Blau erst spät entdeckt wurde
Stellen wir uns vor, GEOlino hätte es bereits in der Antike gegeben. Dann hätten wir dieses Bild kaum hinbekommen. Blau war damals eine seltene und teure Farbe
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