Weltreligionen Der Islam: Entstehung und Grundpfeiler der Weltreligion

"Allahu Akbar - Gott ist groß!" Für Muslime beginnt mit diesen Worten der Ruf zum Gebet. Weit mehr als eine Milliarde Menschen folgen ihm weltweit und beten zu Allah als ihrem einzigen Gott. Ihr Glaube, der Islam, ist eine Religion mit langer Geschichte: Ihr Ursprung liegt knapp 1400 Jahre zurück
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Die berühmte Blaue Moschee in Istanbul, Türkei

Der Prophet Mohammed

Schwätzer! Sterngucker! Verrückter Dichter!" So nennen ihn einige Bürger Mekkas. Dabei ist Mohammed ein geachteter Mann in der arabischen Handelsstadt gewesen. Ein Kaufmann, den man "den Vertrauenswürdigen" genannt hat. Und jetzt das: Mohammed hat eine Erscheinung gehabt. Ein Engel, erzählt er, habe ihm gesagt, er sei ein Prophet, ein Bote Gottes. Und deshalb will Mohammed nun die Menschen von ihrem selbstsüchtigen Leben abbringen, von ihrem Glauben an Götzen und Geister oder auch heilige Datteln.

Alle sollen nur noch zu einem Gott beten: zu "Allah". Das gefällt den Mekkanern gar nicht. Denn sie verehren viele verschiedene Götter, und manche Familie hat sogar ihren eigenen Hausgott.

Doch Mohammed predigt unermüdlich - bis er zwölf Jahre nach seiner Erleuchtung die Heimat verlässt, in der kaum jemand seine Lehre hören will. Die Bewohner der Oase Jathrib, viele Tagesmärsche entfernt, suchen gerade einen Schlichter, der den Krieg zwischen zwei verfeindeten Stämmen beenden soll.

Und tatsächlich: Ihm, dem Fremden, gelingt es, den Streit zu beenden. Die ehemaligen Gegner schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Mit dem Aufbruch Mohammeds nach Jathrib am 16. Juli 622 nach christlicher Zeitrechnung begann für die Muslime eine neue Zeitrechnung: das Jahr "1" des Islam.

Die Entstehung des Islam

Islam? Das ist der Name des Glaubens, den Mohammed predigt. "Hingabe an Gott" heißt das übersetzt. Und "die sich Gott unterwerfen" ist die Übersetzung für das Wort Muslime. Wie im Christentum wird also auch im Islam nicht an viele Götter, sondern nur an einen einzigen geglaubt, eben Allah. Aber anders als die Christen verehren Muslime keinen heiligen Geist und auch keinen Erlöser wie Jesus Christus.

Mohammed ist für die Gläubigen ein einfacher, sterblicher Mensch. Seine Lehre verspricht jedem, der den Gesetzen Allahs folgt, ein glückliches, friedliches Leben. Und nach dem Tod? Muslime glauben, dass Gott über jeden Menschen Gericht halten wird: Wer die Gesetze Allahs befolgt hat, kommt ins Paradies, Ungläubige und Heuchler hingegen werden in der Hölle versinken.

Mohammeds Gott ist derselbe, von dem in der Bibel der Christen gesprochen wird. Mohammeds Anhänger glauben, dass Allah immer wieder Propheten wie Abraham, Moses und Jesus geschickt hat, um den rechten Glauben zu verkünden.

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Die Lehren des Islam sind im Koran niedergeschrieben

Die Lehre des Islam

Mohammed ist für sie der letzte und wichtigste dieser Gottesboten. Und der Islam für die Gläubigen mehr als eine Religion. Er ist das Regelwerk für den Alltag: Wie muss man seine Schulden bezahlen? Wie die Hände nach dem Essen säubern? Wie ist ein Dieb zu bestrafen? Auf all dies gibt Mohammed Antworten. 22 Jahre lang empfängt er Nachrichten von Allah. Es heißt, ihn überkomme jedes Mal ein Schaudern, bevor Allah sich ihm offenbart.

Die meisten Bewohner Jathribs werden jedenfalls muslimisch, und Mohammed wird ihr Anführer. Die Oase heißt jetzt Medina: "Stadt des Propheten". Im Jahr 630 marschiert Mohammed mit 10 000 Männern in Mekka ein, seiner Heimatstadt. Hier steht die Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude, in dem die arabischen Einwohner ihre Götzen verehren. Der Prophet lässt die Götzenbilder vernichten und weiht das Gebäude Allah. Seither ist die Kaaba das wichtigste Heiligtum des Islam. Mohammed zeigt Gnade gegenüber den Besiegten, und viele Mekkaner treten dem Islam bei.

Doch dann stirbt der Prophet, vermutlich am 8. Juni 632. Seine Lehre aber bleibt erhalten: Denn viele Anhänger haben auf Pergament, Lederresten und gebleichten Knochenstücken notiert, was ihnen Mohammed als Wort Gottes überliefert hat. Später wird all dies in einem Buch zusammengefasst: dem Koran.

Einen Nachfolger hat Mohammed nicht bestimmt. Und so fällt die muslimische Gemeinde bald nach seinem Tod auseinander: Eine Gruppe, die so genannten Sunniten, folgt Abu Bekr, der ihr oberster Politiker und Richter, ihr Kalif, wird. Eine andere Gruppe, die Schiiten, will Mohammeds Vetter Ali zum Kalifen wählen. Als Ali im Jahr 661 ermordet wird, trennen sich Sunniten und Schiiten - eine Spaltung, die bis heute andauert!

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Der Halbmond, genannt Hikal, gilt als Symbol des Islam

Trotz des Streits innerhalb der Gemeinde - der Einfluss der Muslime wächst. Sie erobern Damaskus, Jerusalem, Ägypten, Südspanien und Teile Afghanistans. Als sie Byzanz besetzen, das heutige Istanbul in der Türkei, wählen sie dessen Stadtwappen zu ihrem Symbol: den Halbmond, genannt Hikal. Die Eroberer nehmen sich ein Beispiel am Propheten Mohammed und zeigen Toleranz gegenüber den Andersgläubigen: Juden und Christen dürfen - gegen Zahlung einer Summe Geldes - ihren Glauben behalten, denn deren religiöse Schriften (die Thora und die Bibel) sind auch für die Muslime heilige Werke.

Bücher, Wissen über die Erde und das Universum - sie helfen nach Ansicht der Anhänger Allahs, Gott und die von ihm geschaffene Welt besser zu verstehen. Islamische Forscher lassen deshalb Sternwarten bauen, zeichnen Weltkarten, entdecken Medikamente und mathematische Formeln. Wörter wie Algebra, Ziffer oder Alkohol sind Schöpfungen muslimischer Wissenschaftler. "Die Tinte der Gelehrten ist kostbarer als das Blut des Märtyrers (eines Menschen, der für seine Überzeugung stirbt)", soll Mohammed gesagt haben.

Der Islam in der heutigen Welt

Die Religion breitet sich mit den Jahrhunderten weiter aus: Heute leben rund 1,3 Milliarden Menschen nach den Regeln Allahs - das entspricht etwa einem Fünftel der Weltbevölkerung -, die meisten in Nordafrika und Asien. Aber auch in Staaten wie den USA, Deutschland, Russland oder Frankreich.

Für die meisten Muslime ist der Islam einfach ihr friedlicher privater Glaube. Andere aber wollen ihr ganzes Leben, ja sogar alle Gesetze auf die Religion ausrichten und andere Meinungen und Glaubensrichtungen verbieten. Das geschah bis vor kurzem zum Beispiel in Afghanistan: Dort wurden die Gesetze des Islam grausam missbraucht, um Frauen zu unterdrücken, Menschen mit anderen Ansichten zu verfolgen, Musik und Tanz, Kino und Fotografieren zu verbieten.

Verallgemeinern aber darf man das nicht: In Oman zum Beispiel, einem kleinen Staat im Osten der arabischen Halbinsel, ist der Islam Staatsreligion, und es regiert ein Sultan. Frauen und Mädchen werden dennoch nicht benachteiligt und die strengen, muslimischen Gesetze nur in wenigen Fällen angewendet. Ja, die dort lebenden Christen und Hindus dürfen sogar Kirchen und Tempel bauen. Und jeder darf zu seinem Gott beten.

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Sultan Qaboos Grand Mosque: im Oman ist der Islam Staatsreligion

Die fünf Säulen des Islam

Die fünf wichtigsten Pflichten im Leben eines Muslims werden "Säulen des Islam" genannt.

Die erste ist das Bekenntnis zu Allah und seinem Propheten, Schahada: "Es gibt keine Gottheit außer Gott, und Mohammed ist der Prophet Gottes." Um den Islam als Glauben anzunehmen, reicht es aus, diesen Satz in ehrlicher Absicht zu sagen.

Das Gebet, fünfmal am Tag, ist die zweite Säule - genannt Salat. Dafür brauchen die Muslime nicht in eine Moschee, das islamische Gotteshaus, zu gehen. Sie können beten und sich in Richtung Mekka verneigen, wo sie gerade sind.

Die Armensteuer, Sakat, ist die dritte Säule: Einmal im Jahr sollen Muslime - wenn sie nicht selber arm sind - 2,5 Prozent ihres Einkommens an bedürftige Menschen geben.

Die vierte Säule heißt Saum, das Fasten während des Ramadan, des neunten Monats im islamischen Kalender. In dieser Zeit dürfen Muslime, solange die Sonne am Himmel steht, nicht essen, trinken, rauchen oder Geschlechtsverkehr haben. Alte, Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sind vom Fasten ausgenommen.

Die fünfte Säule, die Hadsch, ist die Pilgerfahrt nach Mekka. Jeder Muslim soll wenigstens einmal im Leben zu dieser heiligen Stadt in Saudi-Arabien reisen und hier die Kaaba siebenmal umrunden. Die Kaaba steht in der Mitte derder "Al-Haram-Moschee". Hier sprechen die Pilger Gebete und berühren einen heiligen Stein, der in die Kaaba eingelassen ist.

Der Koran - das heilige Buch

Für Muslime ist es eindeutig: Nicht Mohammed hat den Koran geschrieben, sondern das heilige Buch stammt direkt von Gott. In einer Höhle soll der Engel Gabriel dem Propheten erstmalig erschienen sein. Er habe Mohammed einen Ausschnitt des Korans gezeigt und ihm befohlen, den Text laut zu lesen - so glauben die Muslime. Das waren die ersten von insgesamt 6236 Versen des Korans. Noch heute werden die Texte des heiligen Buchs laut in der Moschee vorgetragen. Der Prophet sprach sie auf Arabisch: So kommt es, dass für Muslime nur der arabische Koran die wahren Worte Allahs wiedergibt.

Der Koran ist in 114 Kapitel unterteilt, die Suren. Sie sind nach Länge geordnet: Die langen stehen vorn, die kurzen hinten. Nur die erste und besonders kurze Sure mit dem Titel "Die Eröffnung" macht eine Ausnahme. Und was steht im Koran? In vielen Suren wird Allahs Einzigartigkeit gepriesen. In anderen das Jüngste Gericht beschrieben: der Tag, an dem über jeden Menschen entschieden wird, ob er ins Paradies oder in die Hölle kommt.

Aber auch Regeln für den Alltag der Muslime sind im Koran niedergeschrieben, etwa dass und wie man sich vor dem Beten waschen muss, oder wie man sich anziehen soll. Der Koran ist also ein Buch über Gott, aber auch eine Regelsammlung. Da im Koran nicht alle Fragen des Lebens beantwortet werden, gelten die Taten und Aussprüche Mohammeds als ein Art Ergänzung zum Koran - zusammengefasst in sechs Bänden. Den Inhalt dieser Bücher nennt man Hadith oder auch Sunna.

Der Koran und die Sunna ergeben gemeinsam das islamische Gesetz: die Scharia.

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Gläubige Muslime beim Gebet

Islamistischer Terrorismus: Töten für Allah

Im Namen jeder Religion ist schon Unrecht begangen worden. Und so wird auch der Islam von einigen Menschen missbraucht. In Zeitungen und in den Nachrichten hört man von ihnen: Muslimen, die sich mit Bomben in die Luft sprengen oder Menschen töten, nur weil die eine andere Meinung oder Religion haben. In Ägypten zum Beispiel gibt es Muslime, die fordern, dass nur noch die Regeln des Koran in ihrem Land gelten. Oft werden sie als "Islamisten" bezeichnet, als "Fundamentalisten" oder "islamische Extremisten".

Es gibt verschiedene Gründe, warum diese Menschen Gewalt anwenden: Manche von ihnen glauben, die Welt sei in die Zeit der Gottlosigkeit zurückgefallen, und empfinden es als religiöse Pflicht, gegen alle Andersdenkenden zu kämpfen. Dieser Kampf ist für sie ein "Heiliger Krieg" - oder "dschihad", wie ihn manche Islamisten nennen. Dieses Wort hat aber eigentlich nichts mit Krieg zu tun, sondern bedeutet schlicht "sich bemühen". Es beschreibt die Anstrengung, sich selber zu erziehen.

Einige Islamisten sehen sich vom Fortschritt bedroht, sie haben Angst, ihre Kultur und Religion zu verlieren. Andere sind verzweifelt, fühlen sich in ihren Ländern unfrei und unterdrückt. Aus ihrer Wut und ihrem Kummer entsteht Hass. Und schließlich haben manche sogar die Hoffnung, dass ein Tod für den Islam sie sofort ins Paradies bringt. Ein falscher Glaube, sagen viele Islam-Experten. Und auch die allermeisten Muslime wollen mit Gewalt nichts zu tun haben. Sie wollen den Gesetzen Allahs folgen - und einfach in Frieden leben.

Die Weltreligionen, Teil 2: Der Islam
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