Fußball Serie, Teil 3: Hinter den Kulissen der WM

Ohne sie könnte die Fußball-Weltmeisterschaft nicht beginnen: Die Organisatoren, Rasenmeister und Stadionwarte sorgen dafür, dass genügend Bälle in den Stadien sind - und Bratwürstchen für die Fans! GEOlino berichtet über die heimlichen Macher der WM
In diesem Artikel
Weltmeister im Organisieren

Julia Bierwirth schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Alles, was im Berliner Olympiastadion gebraucht wird, muss durch diesen einen einzigen schmalen Tunnel: Sattelschlepper voller Bratwürstchen, Bildschirme, Bälle. Nicht zu vergessen das Gepäck der Fußballer. Auwei! Hoffentlich geraten die Lieferungen nicht durcheinander! Kaum auszudenken, wenn der brasilianische Superstar Ronaldinho kurz vor dem Anpfiff nicht seine Tasche, sondern die von Michael Ballack in der Kabine fände, oder gar eine Kiste Würstchen! Julia greift zu einem ihrer zwei Handys: "Unbedingt erst die Würstchen, dann die Taschen liefern! Sonst haben wir hier Chaos." Ein Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung notiert die Anweisung. Dann setzt Julia Bierwirth ihren Kontrollgang durchs Stadion fort.

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Damit, wie hier im Berliner Stadion, zur WM alles wie geschmiert läuft, muss viel organisiert werden

2500 Bälle und vier Millionen Brötchen

Für die 32-Jährige hat die WM schon lange vor dem ersten Spiel begonnen. Sie ist Chefin der Logistik, das heißt: Julia Bierwirth und ihre Mitarbeiter sorgen dafür, dass alles zur rechten Zeit am rechten Fleck ist - in ganz Deutschland. Eine gigantische Aufgabe: Etwa vier Millionen Brötchen müssen zum passenden Termin an die zwölf WM-Stadien geliefert werden, 800 000 Würstchen, 224 Tonnen Gepäck von 736 Fußballern und Hunderten Betreuern und Offiziellen, 2500 Bälle - und 370 000 Quadratmeter Rasen, aufgewickelt zu Ballen, die an riesige Klopapierrollen erinnern. Zum Glück ist das Grün schon vor Tagen in den Stadien verlegt worden. Bierwirth macht einen Haken auf ihrer langen Liste.

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Die Logistik-Chefin Julia Bierwirth und ihr Team sorgen dafür, dass alles zur rechten Zeit am rechten Ort ist

Am Ende des Gangs angekommen, blickt sie auf eine neue Tartanbahn, die das Berliner Fußballfeld umrundet. Unterirdisch gibt es eine Aufwärmhalle für die Fußballer! Extra für die WM ist das Stadion vier Jahre lang umgebaut worden. Auch die elf anderen Fußballtempel, in denen während der WM gekickt wird, haben es in sich: Das neue Münchner Stadion zum Beispiel kann seine Farbe wechseln. Die Arena in Gelsenkirchen ist auf über 600 Pfählen gebaut, die Rasenfläche lässt sich komplett herausfahren, sodass man im Inneren Konzerte veranstalten und sogar Biathlonrennen austragen kann!

Sicher ist sicher

Deutsche Sicherheitsexperten waren von den Stadien nicht so begeistert. Sie hatten ziemlich viel zu meckern. Beispiel Nürnberg: Bei einem Spiel im letzten Jahr gerieten die Fans außer Rand und Band - und hüpften, bis der Putz von den Wänden fiel und Risse in der Nordkurve entstanden. Auf den letzten Drücker bauten die Nürnberger zusätzliche Stützen ins Stadion und luden die Fans zum Probehüpfen ein. Seitdem ist man sich sicher: Bei der WM wird alles halten.

Auch die Berliner mussten noch kurzfristig umbauen, weil die Experten über den Reportergraben schimpften. Der trennt das Stadioninnere von den Zuschauerrängen und ist fast drei Meter tief! Wenn Panik ausbricht und die Fans Richtung Spielfeld flüchten wollen, versperrt dieser Graben den Weg. Deshalb haben die Stadionbauer weitere Brücken darübergelegt.

Weltmeister im Organisieren

Julia Bierwirth geht daran vorbei und blättert sich weiter durch ihren dicken Papierstapel: Tabellen, in denen etwa die Reiseroute von Ronaldinhos Sporttasche aufgelistet ist. Darin steht: Die Klamotten kommen kurz vor dem Spiel der Brasilianer gegen Kroatien am 13. Juni aus dem Taunus nach Berlin. Von hier aus geht es zurück, dann nach München, später nach Dortmund. So weit, so gut. Eigentlich dürfte nichts durcheinander kommen. Es sei denn, die Brasilianer ändern spontan ihre Pläne. "Südamerikaner legen sich ungern fest", seufzt Julia Bierwirth, schweigt einen Moment und sagt: "Aber auch das bekommen wir hin! Wir wollen ja zeigen, dass die Deutschen auf jeden Fall Weltmeister im Organisieren sind."

Einen WM-Pokal gibt es dafür leider nicht. Julia Bierwirth und ihre Leute dürfen die echte Trophäe aus knapp fünf Kilogramm Gold noch nicht einmal transportieren! Denn die ist bis kurz vorm Endspiel an einem geheimen Ort versteckt. Kein Wunder! Schon zweimal wurde das wertvolle Goldstück gestohlen.

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Gärtner einer holländischen Firma verlegen im Berliner Stadion Gras

Stadion-Grün: mit viel Liebe gezüchtet

Thomas Büchner ist Fußballrasenzüchter. Er hat die Hälfte der deutschen WM-Stadien begrünt. GEOlino.de hat mit ihm gesprochen

GEOlino: Wann haben Sie den WM-Rasen gesät?

Thomas Büchner: Am 1. April 2005 - kein Aprilscherz!

Warum so früh?

TB: Weil er schön dicht wachsen und viele Wurzeln haben muss. Denn sonst macht der Fußballer eine Grätsche - und schon klebt ein Quadratmeter Grünfläche an seinem Schuh.

Der Rasen wird ja nicht direkt im Stadion gepflanzt, sondern auf Ihren Feldern bei Darmstadt, und von dort in die Stadien versetzt.

Wie lange dauert das?

TB: Zwei Tage arbeiten wir ohne Pause, um die 20 Lastwagenladungen Rasen zu verlegen. So viel Gras ist in jedem Stadion nötig.

Jetzt liegt überall frisches Grün aus. Haben Sie also während der WM frei?

TB: Das wäre ein Traum. Aber wir müssen immer einsatzbereit sein, damit wir im Notfall die kaputten Stellen ausbessern können.

Können Sie eigentlich in Ruhe ein Spiel ansehen?

TB: Das kann ich. Nur manchmal ärgere ich mich sehr. Wenn die Spieler einfach auf den Rasen spucken. Der ist schließlich mit viel Liebe gezüchtet!

Alles in Ordnung

Über zahlreiche Bildschirme beobachtet der Polizist das Geschehen im Gelsenkirchener Stadion, seine Kollegen passen an den Eingängen auf. Allein 35000 Bundespolizisten sind bei der WM im Einsatz! Auch im Berliner Olympiastadion, wo noch umgebaut werden musste. Die Sicherheitsexperten meckerten nämlich über den Reportergraben, der die Fluchtwege in das Stadioninnere versperrte. Deshalb wurde er mit Stahlplatten überbrückt

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