Mein Hobby: Das Reiten

In den Sommerferien reitet Steffi jeden Tag. GEOlino.de hat die Schülerin aus Mecklenburg-Vorpommern während einer Reitstunde begleitet. Hier könnt ihr lesen, was sie über ihr Hobby zu erzählen hat
In diesem Artikel
Reitausrüstung ist Pflicht
Der Zeitaufwand ist groß

Das Dorf Koppelow ist klein und übersichtlich. Da finden sich Reitfreunde recht schnell. Manchmal treffen sie sich zu viert. Heute reitet Steffi nur mit Frau Reimers aus. Wie immer hat sich die 11-Jährige für den Ausritt fein gemacht. Reiterkappe, Weste, Stiefel und Handschuhe sind für die Schülerin Pflicht. Mit gradem Rücken sitzt sie auf ihrem Pony Fridolin und wartet geduldig auf ihre Freundin. Fridolin stampft etwas unruhig umher. "Ich habe ihn erst seit dem letzten Sommer. Er ist noch jung und ungeduldig", sagt Steffi. Während dessen holt Frau Reimers Bonny aus dem Stall. Viel Zeit bleibt der 56-jährigen Farmerin für ihr Hobby nicht. Trotzdem nimmt sie sich jeden Tag eine Stunde frei. "Wir reiten zurzeit jeden Tag, mindestens eine Stunde. Das brauchen die Pferde, um ausgeglichen und gesund zu bleiben", erklärt Frau Reimers. Reiten ist was für Jung und Alt. Es eignet sich für jeden, der Spaß am Umgang mit Pferden hat. Knapp 1,7 Millionen Menschen betreiben in Deutschland regelmäßig Pferdesport. Und es werden jeden Tag mehr.

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Steffi Böttcher mit ihrem Pony Fridolin

Harte Körperarbeit

Steffi und Frau Reimers haben eine Abmachung. "Ich bringe Steffi bei, was ich über das Reiten weiß und sie hilft mir dafür etwas auf dem Hof", sagt die Hobby-Reiterin. Dass sie sich mit Pferden sehr gut auskennt, wird spätestens auf der Pferdekoppel klar. Die Farmerin nimmt ihre Aufgabe sehr ernst. Sie beobachtet Steffi ganz genau und korrigiert, wenn es sein muss. Reiten hat viel mit Körperbeherrschung zu tun. Der Reiter muss stets in einer Grundhaltung sitzen: Rücken gestreckt, Ellenbogen an den Körper, Zügel zwischen die Finger, Füße lang hängen lassen und die Zehenspitzen nach innen wenden. Wer glaubt, das Reiten erledige das Pferd, ist schief gewickelt. "Beim Reiten sitzt du nicht unbeteiligt auf dem Pferd. Du lenkst es mit Gewichtsverlagerung, Schenkeldruck und der Zügelführung", erklärt die Landwirtin. Deshalb müssen Anfänger mit wundgescheuerten Schenkeln und Muskelkater rechnen.

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Wenn es brenzlig wird

Plötzlich hupt ein vorbeifahrendes Auto. Fridolin zuckt zusammen und setzt zur Flucht an. Frau Reimers gibt Steffi sofort kurze klare Befehle, mit denen die Schülerin ihr Pony schnell wieder beruhigen kann. "Klar kann es auch mal gefährlich werden. Pferde sind scheue Tiere. Wenn sie sich erschrecken, wollen sie erstmal davonlaufen. Manchmal bäumen sie sich auch auf, " sagt Steffi. Das kann für das Pferd und für den Reiter gefährlich werden. "Wir lernen im Reitunterricht wie wir uns in solchen Situationen verhalten müssen. Es ist dann meine Aufgabe, das Pferd zu beruhigen und wieder unter Kontrolle zu bringen. Schließlich bin ich auch für Fridolins Sicherheit verantwortlich, " erklärt die Schülerin.

Pferde haben ihre eigene Sprache

Beim Reiten geht es um die Harmonie zwischen dem Pferd und euch. Ihr müsst das Tier genau beobachten. Auch die Pferde kommunizieren. Ihre "Stimme", das Wiehern, setzen sie selten ein. Sie verständigen sich durch kleine Muskelbewegungen. Vor allem durch die Stellung ihrer Ohren könnt ihr viel über ihre momentane Stimmung erfahren. Hängen die Ohren schlapp zur Seite, ist das Pferd müde. Sind die Ohrmuscheln nach vorne aufgestellt, ist es aufmerksam und neugierig.

Legt es die Ohrmuscheln aber nach hinten, ist das nicht gut. Es ist ein Zeichen dafür, dass es sich unwohl fühlt. Dann müsst ihr besonders aufpassen. Legt es die Ohren sogar an den Kopf an, ist es meist eine Warnung. Das Pferd hat Angst und ist zum Kampf bereit.

Reitausrüstung ist Pflicht

Spätestens jetzt wird auch klar, warum eine gute Reitausrüstung so wichtig ist. Die Reitausrüstung dient nicht nur dazu, dass Pferd besser zu lenken. Sie soll vor allem die Gesundheit des Reiters schützen. Anfänger brauchen keine kostbare Ausrüstung. Eine alte Jeans reicht als Reithose. Es ist allerdings wichtig, dass sie keine Falten legt und keine dicken Nähte hat. Sonst scheuert ihr euch die Beine wund. Ihr braucht auch keine teuren Lederreitstiefel. Eine günstigere Variante aus Gummi reicht aus. Wichtig ist nur, dass die Schuhe einen Absatz haben. Sonst rutscht ihr zu schnell aus dem Steigbügel. Allein die Reitkappe sollte von Anfang an eine gute Qualität haben. Wenn ihr einen gebrauchten Helm kaufen möchtet, solltet ihr darauf achten, dass er noch nie einen Sturz hatte. Ein Sturz zerstört den Schutzbelag für immer, auch wenn die Kappe von außen nicht beschädigt ist. Es lohnt es sich daher, etwas mehr Geld für eine neue Kappe zu auszugeben. "Ich finde auch Reitwesten und Handschuhe sinnvoll", ergänzt Steffi. "Die Weste schützt bei Stürzen. Immerhin sitze ich auf 1,50 Meter Höhe! Das kann ganz ordentlich wehtun, wenn ich runter falle. Außerdem trage ich gerne Handschuhe, weil ich so die Riemen besser greifen kann."

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Was so einfach aussieht, hat viel mit Körperbeherrschung zu tun

Die unterschiedlichen Pferderassen

Die Pferderassen lassen sich zunächst nach Größe unterscheiden. Ausschlaggebend ist dabei der Punkt zwischen dem Hals und dem Rücken des Pferdes. Dieser Punkt wird in der Fachsprache Widerrist genannt. Kleinpferde nennt der Fachmann Pferde, deren Widerrist unter 1,48 Meter liegt. Steffis Fridolin ist auch ein Kleinpferd. Sei nennt ihn aber lieber Pony, das ist auch eine zulässige Bezeichnung. Steffi ist noch zu klein, um ein Großpferd zu reiten. Dessen Widerrist liegt nämlich über 1,48 Meter. Damit sind Großpferde für Fachmänner das, was im wir im allgemeinen Sprachgebrauch als ein normales Pferd bezeichnen.

Eine andere mögliche Einteilung richtet sich nach der Abstammung. Es gibt Vollblüter, Halbblüter, Warmblüter und Kaltblüter. Keine Sorge, diese Namen beziehen nur auf das Temperament der Pferde und nicht auf ihre Bluttemperatur. Diese ist bei allen Pferden gleich und liegt im Normalfall zwischen 37,5 °C und 38,2 °C. Kaltblüter sehen robust aus und haben ein ruhiges Temperament. Sie werden vor allem in der Landwirtschaft eingesetzt. Warmblüter sind dagegen schlank gebaut, schnell und sportlich. Sie werden meistens als Sport- und Freizeitpferde gehalten.

Geduld ist gefragt

Nach der Reitstunde bringt Frau Reimers Fridolin und Steffi zurück nach Hause. Die Höfe der Freundinnen liegen nur einige Häuser von einander entfernt. Trotzdem ist es wichtig, dass Steffi nicht ohne Aufsicht bleibt. Obwohl sie schon seit fünf Jahren Reitunterricht bekommt, darf sie noch nicht alleine mit Fridolin ausreiten. Geduld ist eine wichtige Voraussetzung für Reiter. Auch eine solide Ausbildung braucht Zeit. Am Anfang eines Reitkurses geht es darum, dass ihr ein Gefühl für die Bewegungen des Pferdes entwickelt. Die ersten Stunden verbringt ihr an der Dressurleine. Danach dürft ihr ohne Leine im Kreis reiten. So lernt ihr langsam, das Pferd selbständig zu steuern. "Bei mir hat es gute drei Monate gedauert, bis ich mit den anderen Schülern ins Gelände reiten durfte", erinnert sich Steffi.

Der Zeitaufwand ist groß

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Steffi sucht die Hufe nach Verletzungen ab

Pferde sind keine pflegeleichten Tiere wie Hamster oder Fische. "Fridolin kostet mich sehr viel Zeit. Jeden Tag Stahl ausmisten. Heu holen. Frisches Wasser bringen. Und dann natürlich das Reiten. Wenn das Wetter gut ist, reite ich jeden Tag. Im Winter geht das oft nicht. Der Boden ist zu rutschig und die Verletzungsgefahr zu groß. Außerdem finden Pferde Winde und Stürme unheimlich. Fridolin könnte durchdrehen", erklärt sie. In dieser Zeit bleibt er im Stall. Aber auf seine Streicheleinheiten und Steffis Aufmerksamkeit muss er nicht verzichten. Auch Kuscheln ist wichtig. "Wir sind eben gute Freunde", sagt Steffi und streicht Fridolin über den Rücken.

Reitbeteiligung als Alternative

Es muss ja nicht gleich ein eigenes Pferd sein, wie bei Steffi. Gerade dann, wenn Anfänger noch unsicher sind, ob sie beim Pferdesport bleiben wollen, bieten sich so genannte Reitbeteiligungen an. Dabei teilen sich mehrere Personen den Unterhalt und die Pflege eines Pferdes. Frag doch deine Vereinskameraden oder deinen Reitlehrer, ob er dir eine Reitbeteiligung empfehlen kann.

Auch Pferdepflege gehört dazu

Nach dem Reiten geht es für Steffi mit der Pflege von Fridolin weiter. Zunächst sattelt sie ihn ab. Dann muss sein braunes Fell noch gestriegelt werden. Das mag Fridolin besonders gern. Er schnaubt zufrieden. Zum Schluss säubert und untersucht Steffi noch die Hufe. Die sind besonders anfällig für Verletzungen. "Viele sagen, dass Pferde stinken. Ich finde die riechen toll", sagt sie und lacht dabei. Erst wenn sie mit der Pflege fertig ist, endet die Reitstunde. Frau Reimers ist mit den heutigen Fortschritten von Steffi und Fridolin zufrieden. "Bis morgen, Steffi", ruft sie noch über die Hecke. Gleiche Zeit, gleicher Ort.

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