Von der Kauri-Muschel bis zum Euro

Weshalb gibt es eigentlich überhaupt Geld? Und was macht aus einem Stück Papier einen Geldschein?
In diesem Artikel
Erste Geldscheine in China

Könnt ihr euch ein Leben ohne Geld vorstellen? Wahrscheinlich schlecht. Kaum etwas ist für uns heute so selbstverständlich, wie zum Beispiel zum Bäcker zu gehen und ein paar Euros für Brot oder Kuchen über die Theke zu schieben. Da hatten es unsere Vorfahren bedeutend schwerer.

Wieviel Eier ist eine Ziege wert?

Bis vor etwa 5000 Jahren mussten die nämlich ohne Geld auskommen. Wenn ein Bauer auf dem Markt Getreide verkaufte, hatte er ständig neu auszuhandeln, was der Sack gerade wert war: ein Fass Wein? Oder eine Ziege? Und was war, wenn er beides gerade nicht brauchte? Solche Geschäfte waren ganz schön kompliziert. Kein Wunder, dass sich Kaufleute etwas einfallen ließen.

Dabei hatten sie es gleich mit zwei Problemen zu tun. Erstens: Wie mache ich verschiedene Waren vergleichbar? Sind etwa zehn Eier so viel wert wie ein Brot? Dieses Problem lösten vor rund 5000 Jahren die Sumerer, die Einwohner Mesopotamiens (des heutigen Süd-Irak). Deren Priester legten zum ersten Mal für bestimmte Dinge gerechte Preise fest - in Silber und Gold. Kosteten also zum Beispiel eine Kuh und auch sieben Ziegen zehn Silberlinge, dann waren beide Güter - logo! - gleichwertig. Getauscht wurde aber weiter Ware gegen Ware.

Das zweite Problem war, dass diese Art Gegenwerte entweder unpraktisch oder verderblich waren – oder beides. Stellt euch vor, ihr müsstet mit einem ausgewachsenen Rind zahlen oder mit einer Kiste Tomaten. Irgendwann kamen die Menschen auf die Idee, stattdessen "Naturalgeld" zu verwenden - zum Beispiel Felle, Zähne oder Salz. Besonders verbreitet war die Kauri-Muschel - ein bis drei Zentimeter groß und weiß oder hellgelb. Von ihrer Verwendung als Zahlungsmittel wurde erstmals im 14. Jahrhundert berichtet. Von den Malediven aus verbreitete sie sich in ganz Süd-Asien, ja sogar bis nach Afrika - dort war sie bis ins 19. Jahrhundert gültig.

Gold- und Silbermünzen

Zu dieser Zeit gab es in vielen Ländern - auch in Deutschland - schon längst Münzen, meist noch aus wertvollem Material wie Gold oder Silber. Die ersten sollen im 7. Jahrhundert vor Christus in Lydien (in der heutigen Türkei) geprägt worden sein. Sie waren alle gleich schwer. Der König ließ sein Siegel auf das Metall prägen - damit garantierte er den Wert der Münze.

Allerdings haben von jeher Fälscher versucht, dieses Gesetz zu umgehen. In Deutschland gab es einen beliebten Gaunertrick: einfach am Rand einer Goldmünze ein Stückchen abschaben, an der nächsten wieder ein Stückchen - und so weiter, bis genug Gold zusammen war, um eine neue Münze herzustellen.

Erste Geldscheine in China

Erbarmungslos gingen die Chinesen mit Betrügern um. "Wer Banknoten fälscht oder gefälschte in Umlauf bringt, wird enthauptet", warnten sie vor über 600 Jahren auf ihrer neuen Errungenschaft - der ersten Banknote der Welt. Zwischen 1368 und 1398 hatte ein schlauer Kaiser der Ming-Dynastie sie in Umlauf gebracht.

Auch in Europa drohte Fälschern bis weit ins 18. Jahrhundert die Todesstrafe. Heute schützen sich die Zentralbanken - sie sind für die Geldproduktion zuständig - mit modernen Mitteln: Sie drucken zum Beispiel Seriennummern auf die Geldscheine oder so genannte Wasserzeichen - Figuren, die ins Papier geprägt werden und die man nur sieht, wenn man den Schein gegen das Licht hält.

Bankenscheine als Versprechen

Aber weshalb sind Geldscheine überhaupt etwas wert? Das bisschen Papier, das in der Herstellung vielleicht rund 10 Cent kostet? Geldscheine kamen vor allem deshalb "in Mode", weil die Menschen ihr schweres Münzgeld lieber zur Bank brachten, als es mit sich herumzuschleppen. Dafür bekamen sie ein unterschriebenes Papier, das sie jederzeit wieder zurück in Münzen tauschen konnten. Später entstanden daraus die Banknoten mit entsprechend aufgedruckten Werten. Papiergeld ist also eigentlich eine Art Versprechen, dass man es jederzeit wieder umtauschen kann in eine "handfeste" Ware. Keine dumme Idee, oder?

Aber die Sumerer hätten es wahrscheinlich als ziemlich frech empfunden, wenn man ihnen vor 5000 Jahren auf dem Markt für ihre Kühe einen Papierlappen geboten hätte...

Der Euro

Seit dem ersten Januar 2002 gibt’s den Euro - und das inzwischen beinahe in ganz Europa: in Andorra, Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Kosovo, Malta, Monaco, Montenegro, den Niederlanden, Österreich, Portugal, San Marino, Slowakei, Slowenien, dem Vatikanstadt, Spanien und der Republik Zypern. Der Euro brachte uns viele Vorteile: Wer jetzt in ein Euro-Land fährt, muss zum Beispiel vorher kein Geld wechseln - und braucht dafür natürlich auch keine Gebühren an die Banken zu zahlen. Der Euro spart also Geld! Im Ausland angekommen, war es früher oft ziemlich kompliziert, von einer Währung in die andere umzurechnen: Wenn in Paris eine Pizza 15 Francs kostet - wie viel Deutsche Mark waren das, wenn eine Mark so viel wert ist wie 3,35 Francs? Ein Mathelehrer mag das für eine gute Kopf-Rechenaufgabe halten - aber eigentlich hat diese Umrechnerei ziemlich genervt und aufgehalten. Ihr seht: Der Euro spart also auch Zeit! Außerdem können die Euro-Länder jetzt enger zusammenarbeiten und zum Beispiel besser gemeinsam wirtschaften. Geschäfte zwischen den Staaten sind jetzt einfacher abzuwickeln, weil alle in einer Währung rechnen. Und nicht zuletzt soll der Euro eben auch eines schaffen: Er soll die Menschen in Europa verbinden.

GEOlino-Newsletter