Was tun mit den ersten eigenen Euros?

Jeder hat ganz eigene Vorstellungen davon, was er mit seinem Taschengeld anstellen will. GEOlino verrät Tücken und Spartricks und erklärt, ab wann Mädchen und Jungen selbst etwas dazuverdienen dürfen
In diesem Artikel
Die große Kunst des Sparens
Aufs Konto statt unters Kopfkissen

Regelmäßig freitags klimpert es in Katjas gelber Sparbüchse. Drei Euro steckt Katjas Mutter dann in die Bonbondose ihrer elfjährigen Tochter: Taschengeld! Katjas ältere Schwester erhält einen Euro mehr. So wurde es in der Familie aus Schleswig-Holstein vor zwei Jahren beschlossen. Georg aus Mecklenburg-Vorpommern hat seine Eltern erst vor ein paar Monaten nach Taschengeld gefragt. "Meine Klassenkameraden bekommen Geld, da wollte ich auch welches", erzählt der Zehnjährige. Zwei Euro darf er nun pro Woche ausgeben.

Wer zum ersten Mal eigenes Geld in der Hand hält, dem schießen gleich tausend Gedanken durch den Kopf: Was mache ich damit? Alles ins Sparschwein? Oder doch gleich ein Eis holen? Was darf ich als Kind überhaupt kaufen, und wie teile ich mir das Geld ein? Schwierige Fragen. Und einige sind in Deutschland sogar per Gesetz geregelt! So soll verhindert werden, dass Kinder und Jugendliche durch Leichtsinn finanzielle Probleme bekommen.

Bei größeren Anschaffung immer Eltern fragen

Im Grundsatz gilt: Minderjährige, also Mädchen und Jungen unter 18 Jahren, müssen vor einer Anschaffung ihre Eltern fragen. Deshalb solltet ihr, wenn ihr so etwas plant, den Familien-Rat zusammenrufen. Nicht gerade für jede Zeitschrift oder CD, aber vor größeren Ausgaben auf jeden Fall. Würdet ihr nämlich beispielsweise ohne Erlaubnis ein neues Fahrrad oder ein Fernsehgerät kaufen und euren Eltern passt das nicht, dürften sie die

Ware zurückbringen und den Kauf rückgängig machen.

Noch ein Tipp: Besprecht mit euren Eltern, für welche Kosten sie weiterhin aufkommen. Schulhefte, Kleidung oder die Busfahrt zum Schwimmtraining sollten nicht vom Taschengeld bezahlt werden. Das ist allein für eure Wünsche reserviert.

Wie diese Wünsche aussehen, haben Marktforscher herausgefunden. Rund elf Euro geben junge Handybesitzer pro Monat für ihr Mobiltelefon aus. Das meiste Taschengeld aber geht für Eis, Schokolade und Zeitschriften drauf. Auch Katja kann der Verlockung nicht immer widerstehen. "Manchmal kaufe ich mir Kaugummis. Ich gebe aber nie alles aus, weil ich etwas davon sparen möchte", erzählt sie. Georg achtet ebenfalls auf jeden Cent. "Ich überlege mir ganz genau, ob ich ein Comic-Heft wirklich haben muss", sagt er.

Die große Kunst des Sparens

Sein Geld nicht gleich auszugeben, erfordert einen starken Willen. Der lässt sich übrigens trainieren – etwa mit einer Wunschliste. Schreibt eure größten Wünsche auf und notiert, was sie kosten. Anschließend überlegt ihr, wie viel Geld ihr jede Woche dafür beiseite legen wollt. Vermerkt auch diesen Betrag: zum Beispiel einen Euro. Jedes Mal, wenn ihr Taschengeld bekommt, steckt ihr diesen einen Euro sofort in die Sparbüchse.

Ist die Summe auf 20 oder 50 Euro angewachsen, könnt ihr es wie Georg und Katja machen und das Geld zur Bank oder Sparkasse bringen. Dort könnt ihr gemeinsam mit euren Eltern ein eigenes Sparbuch oder ein Jugendgirokonto eröffnen und euer Erspartes darauf einzahlen. Dieser Schritt lohnt sich auch, wenn ihr zum Geburtstag, zu Weihnachten oder fürs Zeugnis Geld geschenkt bekommen habt.

"Ich habe mir selbst ein Handy gekauft", erzählt Katja stolz. Georgs Traum ist ein bisschen größer: "Wenn ich den Führerschein gemacht habe, kann ich mir vielleicht ein Auto kaufen", hofft er.

Ganz ohne Taschengeld kommt Georgs Bruder Johannes aus. "Ich brauche es nicht. Wenn ich ein Buch oder Spiel haben möchte, helfe ich meinem Vater in dessen Gärtnerei. Fürs Blumengießen, Umgraben, Pflanzen oder Zäune reparieren bekomme ich bis zu zehn Euro", erzählt der Vielleser. Als 13-Jähriger darf er sich schon Geld dazuverdienen. Doch nicht jede Arbeit ist für Kinder und Jugendliche geeignet. Deshalb gibt es strenge Vorschriften: Ab wann Nebenjobs erlaubt sind und welche sich lohnen.

Dürfen Kinder schon Geld verdienen?

Steine schleppen oder stundenlang am Webstuhl sitzen – solch schwere Kinderarbeit wurde in Deutschland vor langer Zeit verboten. Vom 13. Geburtstag an aber dürfen Jungen und Mädchen ihr Taschengeld durch einen leichten Nebenjob aufbessern. Dazu müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Zuerst benötigt ihr die Erlaubnis eurer Eltern. Stimmen sie zu, dürft ihr trotzdem nicht länger als zwei Stunden täglich arbeiten – und nicht häufiger als an fünf Tagen pro Woche. Verboten sind zudem Frühdienst morgens vor der Schule und Spätschichten nach 18 Uhr. Was bleibt da noch? Mit Fantasie eine Menge: Golfplatzbetreiber suchen häufig Ballsammler; Computerfreaks können Nachbarn den abgestürzten Rechner reparieren; und wer ein Schulfach gut beherrscht, kann sich mit Nachhilfestunden etwas dazuverdienen. Noch ein Tipp: Bekannte suchen häufig jemanden, der auf ihr kleines Kind aufpasst, bei einer Familienfeier aushilft oder mit dem Hund spazieren geht – alles für ein paar Euros. Und so mancher GEOlino-Redakteur hat sich früher sein Taschengeld mit dem Verteilen von

Zeitungen verdient.

Aufs Konto statt unters Kopfkissen

Es lohnt sich, das Ersparte nicht unter dem Kopfkissen zu verstecken, sondern auf ein Sparbuch oder Girokonto einzuzahlen. Die Banken und Sparkassen zahlen nämlich jedem, der bei ihnen Geld "parkt" und es ihnen auf diese Weise leiht, eine Leihgebühr – die so genannten Zinsen. Wer 100 Euro auf seinem Sparbuch hat, bekommt nach einem Jahr zwischen 50 Cent und 1,50 Euro obendrauf. Ob euer Taschengeld bei der Bank besser aufgehoben ist als in der Sparbüchse, müsst ihr mit euren Eltern beraten. Nur sie dürfen für euch ein Jugendgirokonto eröffnen. Notwendig wird es spätestens, wenn ihr regelmäßig Geld dazuverdient. Bei vielen Banken sind Konten für Kinder und Jugendliche kostenlos. Oft gilt ein Mindestalter von zwölf Jahren. Zum Konto erhaltet ihr eine Kundenkarte, mit der ihr Geld am Automaten abheben könnt. Um euch vor Schulden zu schützen, funktioniert das aber nur, wenn genug Geld auf dem Konto ist. Wer nicht gleich alles Ersparte wieder ausgeben will, kann mit den Eltern und der Bank einen Auszahlungshöchstbetrag vereinbaren. Mehr spuckt der Automat dann nicht aus.

Johannes hat in der Gärtnerei gelernt, dass jeder Euro hart erarbeitet werden muss. Im Moment spart der Biologie-Fan für ein Aqua-Terrarium: ein Becken, in dem Fische und Echsen leben können. Johannes: "Es kostet über 800 Euro. Bis ich die zusammenhabe, vergehen mindestens noch fünf Jahre."

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