Thailändische Geisterhäuschen

Bei uns glaubt kaum jemand an Geister. Wenn doch, wird er von den meisten Menschen für verrückt erklärt. Ganz anders in Thailand: Dort ist es völlig normal, einen eigenen Haus- und Hofgeist zu haben - und ihn gebührend zu beherbergen!
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Ein großes Vogelhaus? Nein, das ist ein Häuschen für thailändische Haus- und Hofgeister

Ein Geist zieht um

Die Menschen in Thailand glauben, dass jedes Stück Land von mindestens einem Geist bewohnt wird. Wenn der Besitzer darauf ein Haus bauen will, dann nimmt er dem Geist sein Zuhause weg. Und weil jedem bekannt ist, dass man Geiser besser nicht verärgern sollte, haben sich die Menschen dort eine tolle Idee einfallen lassen: Sie siedeln den aus dem Boden des Bauplatzes vertriebenen Geist einfach um!

Damit der Geist nicht mit den Menschen in ihrem neuen Haus wohnen muss, bauen sie ihm ein eigenes Häuschen und richten es ihm gemütlich ein. Was so einfach klingt, ist eine hoch kompliziertes Verfahren.

Der richtige Platz? Zunächst muss der Dorfschamane einen günstigen Platz für das neue Heim des Geistes finden. Dabei gibt es viele Regeln, die er befolgen muss. So darf zum Beispiel der Schatten des großen Hauses auf keinen Fall auf das Geiserhäuschen fallen. Die Menschen glauben, dass die Geister und die Menschen in zwei ganz verschiedenen Welten leben, die sich gegenseitig nicht stören sollten.

Deswegen darf nicht einmal der Schatten auf die jeweils andere Welt treffen. Der beste Platz für das Häuschen ist an der Grundstücksgrenze. Vorn dort aus kann der Geist, so glauben die Thailänder, den nahenden Feind besser sehen und nahendes Unglück schneller abwenden. Zum Schluss bestimmt noch ein Astrologe das Datum, an dem das Häuschen aufgestellt und eingeweiht werden kann.

Die kleinen Geisterschreine werden nicht nur vor Wohnhäusern gebaut. Sie stehen fast vor jedem Gebäude egal, ob Krankenhaus, Hotel oder Kaufhaus. Sogar Schulen haben ihre Schreine. Dort sieht man oft Schüler, die sich durch Opfergaben bei den Geistern einschmeicheln wollen und für gute Noten beten.

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Ein Fernseher im Geisterhaus

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Die thailändischen Geisterhäuschen werden mit viel Mühe gepflegt und geschmückt. Der Geist soll sich wohl fühlen und Segen bringen

So ganz uneigennützig ist der ganze Aufwand der Familien jedoch nicht. Als Gegenleistung für so viel Ehre hat der Hausgeist nämlich die Pflicht, die im Haus lebende Familie zu achten und für deren Wohlergehen zu sorgen. Je zufriedener der Geist, desto größer seine Unterstützung. Die Leute glauben, dass Geister und Menschen ähnliche Bedürfnissen und Vorlieben haben. Deswegen richten sie die Geiserhäuschen oft so ein, wie sie als Geist selbst gern leben würden. Manche stellen sogar kleine Modelle von Fernsehern oder Tänzerinnenfiguren hinein, damit der Geist auch unterhalten wird. Oft sieht man auch Tierfiguren, die dem Geist dienen sollen. Feste Regeln gibt es da nicht. Hauptsache, der Geist fühlt sich darin auch ganz sicher heimisch.

Geisterschmaus

Am wichtigsten ist jedoch das leibliche Wohl des Geistes. Damit es ihm gut geht, bekommt er regelmäßig Opfergaben. Oft ist es eine kleine Portion frischer Früchte, Reis oder auch Kuchen. Zum Schmuck werden gern duftende Blumengirlanden gehängt und Räucherstäbchen angezündet.

Manchmal gibt es auch ein Schnäpschen oder eine Dose Coca-Cola für die Geister. Nicht nur wegen des Geschmackes, sondern vor allem wegen der roten Dose! Es heißt nämlich, dass Rot die Lieblingsfarbe der thailändischen Geister sei.

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Ärger im Haus

Wenn der Geist zufrieden ist, kann der Hausherr sicher sein, dass Gut und seine Familie vor dem Bösen beschützt werden. Wenn ein Geisterhäuschen vernachlässigt wird, so glauben die Thailänder, kann das schlimme Folgen haben. Es heißt, dass der Geist dann dafür sorgt, dass das Wohnhaus in denselben schlechten Zustand gerät.

Wenn der Hausgeist beleidigt ist, kann es sogar passieren, dass er auszieht. Das würde sehr großes Unglück über den Hausherren und seine Familie bringen. Dann müsste die Familie einen Geisterdoktor rufen, der in einer aufwendigen und teuren Zeremonie den Geist wieder beschwichtigt und zurückholt.

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