Weihnachten auf der Forschungsstation

Im hohen Norden, nicht weit vom Nordpol entfernt, verbringen die Forscher der deutsch-französischen Arktis-Forschungsbasis (AWIPEV) ihr Weihnachtsfest weit weg von zu Hause. Wie sie in der Arktis Weihnachten feiern werden, hat euch Stationsleiter Rainer Vockenroth in einem Brief geschrieben

Bunte Polarlichter sind am Himmel über der Forschungsstation zu sehen. Obwohl es mitten am Tag ist, lässt sich auf der norwegischen Insel Spitzbergen kein Sonnenstrahl blicken. Im Winter herrscht Polarnacht. Hier, etwa 1200 Kilometer vom Nordpol entfernt, erforschen Wissenschaftler die Arktis. Ihre Forschungsbasis befindet sich im Westen der Insel, in einem kleinen Ort namens Ny-Ålesund. Ny-Ålesund ist von schroffen, bis zu 500 Meter hohen Bergen und Gletschern umgeben und liegt direkt an einem Fjord. Auch im Sommer liegt hier Schnee und große Eisblöcke brechen von den Gletschkanten ab und treiben als Eisberge durch den Fjord.

fa053d468d1b774d37492a3dfbc57159

Während der Polarnacht bleibt es auch tagsüber dunkel um die Forschungsstation. Bunte Polarlichter sind am Himmel zu sehen, wenn kleine elektrische Teilchen der Sonne im Magnetfeld der Erde gefangen werden

Auch Weihnachten wird geforscht

Im Winter ist die Forschungsstation nur mit wenig Personal besetzt. Stationsleiter Rainer Vockenroth und seine Kollegen Mareike Peterson und Cedric Couret halten in diesem Jahr die Stellung - auch über die Weihnachtstage.

Denn auf der Forschungsstation muss auch an Weihnachten gearbeitet werden. Um mehr über die Atmosphäre und die Besonderheiten der Arktis zu erfahren, haben die Forscher eine Vielzahl von Messgeräten aufgebaut, die jeden Tag abgelesen werden müssen. Außerdem lassen Rainer und sein Team täglich einen Wetterballon in die Luft steigen, der ihnen Messwerte aus 35 Kilometer Höhe liefert.

Zum Glück bleibt Rainer, Mareike und Cedric neben der Arbeit genügend Zeit, sich ein bisschen auf das Weihnachtsfest vorzubereiten. Und am 24. Dezember wird auch in der Arktis Weihnachten gefeiert. Wie genau das vonstatten geht, erzählt euch Rainer am besten selbst. Hier ist sein Brief:

Post aus der Arktis:

19995b46b5f63f69fbba789483f76315

Stationsleiter Rainer Vockenroth (links) und seine Kollegen Mareike Peterson und Cedric Couret freuen sich über ihren Adventskalender. Das Rentier haben sie "Rudolf" getauft

Liebe GEOlino.de-Leser,

ich heiße Rainer Vockenroth und bin der Stationsleiter der Arktisforschungsbasis auf Spitzbergen. Ich möchte euch erzählen, wie wir hier Weihnachten feiern:

Während der Polarnacht leben hier im Ort ungefähr 30 Personen, die die Adventszeit gemeinsam verbringen. Die meisten sind Norweger, dann zwei Deutsche, ein Franzose und ein Chinese. Von jedem Land fließen die Sitten und Bräuche der Vorweihnachtszeit in das Dorfleben ein. Das ist sehr spannend mitzubekommen. Manches ist wie bei uns in Deutschland, manches aber auch ganz anders. In Deutschland kommt am 6. Dezember der Nikolaus und füllt die Schuhe der Kinder mit Süßigkeiten. In Norwegen und Frankreich kennt man diese Sitte gar nicht. Die Kollegen und Freunde sind immer ganz überrascht, am Nikolausmorgen Leckereien in ihren Schuhen zu finden.

Hier geht's zu Seite 2 des Briefes...

Unsere Kollegen in Deutschland haben uns einen Adventskalender geschickt. Abwechselnd öffnen wir eines der 24 Päckchen, in denen sich meist Weihnachtsgebäck oder nützliche Kleinigkeiten befinden. Auch in der Messe, dem Raum wo alle Einwohner des Ortes gemeinsam essen, ist ein Adventskalender aufgestellt. Die Päckchen hängen im Geweih eines Stoff-Rentiers. Hier im Norden gibt es nämlich nicht nur den Weihnachtsmann, sondern auch Rudolf. Rudolf ist ein Rentier und bringt seit Jahrhunderten die Geschenke zum Heiligen Abend.

In der dunklen Zeit ist es gut, viele Dinge gemeinsam zu machen. In ein paar Tagen treffen wir uns zum Plätzchenbacken. Es ist interessant, die Plätzchen aus verschiedenen Ländern zu probieren. Einmal in der Woche trifft sich eine Gruppe zum Singen. Am Heiligen Abend wollen sie ein paar Lieder vortragen und ich bin gespannt wie das klingen wird.

Den Weihnachtsabend erwarte ich mit großer Spannung. Bis jetzt habe ich das hier im Ort noch nicht erlebt. Es gibt einen Plan, was an dem Tag alles passieren wird: Morgens nach dem Frühstück wird die Messe geschmückt. Den Weihnachtsbaum habe ich schon gesehen. Gegen Mittag machen wir dann einen Umzug durch den Ort. Zusammen mit Rudolf werden wir singend durch die Straßen ziehen, bis wir bei der Glocke des Ortes ankommen und sie läuten. Danach führt Rudolf uns zum Essen. Wahrscheinlich wird es ein besonderes norwegisches Essen mit mehreren Gängen geben. Ganz typisch ist ein Braten aus Rippenfleisch mit Kartoffeln und Soße. Der ist ein bisschen fett, aber sehr lecker!

Nach dem Essen ist dann etwas Zeit bis zur Bescherung am Abend. Wir können unsere Familien, Freunde und Kollegen anrufen und ihnen alles Liebe wünschen. Dann werden wir uns alle im Gemeinschaftsraum versammeln, musizieren, Lieder singen, Plätzchen essen und die Geschenke auspacken. Danach wird der Abend fröhlich ausklingen.

Ein bisschen arbeiten müssen wir an den Weihnachtstagen allerdings auch. Den Messgeräten ist es egal, ob Weihnachten, Ostern oder Silvester ist und auch der Wetterballon muss gestartet werden.

Ich werde noch eineinhalb Jahre hier an der Forschungsstation bleiben. Im nächsten Jahr kann ich euch berichten, wie Weihnachten hier genau funktioniert.

Ich wünsche Euch ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Euer Rainer Vockenroth

GEOlino-Newsletter