Karneval Die fünfte Jahreszeit

Tagelang Party machen, in bunten Kostümen respektlos über die Obrigkeit herziehen - so kennen wir den Karneval. Doch was wird da eigentlich gefeiert?
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Karneval in Rio
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So feiert man den Karneval auf Kuba!

Nichts geht mehr rund um den Chlodwigplatz in Köln. Tausende Menschen in bunten Kostümen und Fantasieuniformen, geschmückte Pferde, Traktoren, Anhänger mit ausgeflippten Aufbauten verstopfen den Süden der Innenstadt. Um elf Minuten vor elf fällt der Startschuss, und ein riesiger Umzug kommt unter dem Geschmetter von 117 Blaskapellen in Gang, sechs Kilometer lang. "Kölle alaaaaf!", rufen die Narren. Kinder ziehen mit prall gefüllten Taschen durch die Menge: Von den Festwagen hagelt es nämlich Süßigkeiten - insgesamt rund 140 Tonnen, davon allein 700000 Tafeln Schokolade!

Es ist Rosenmontag, Höhepunkt des Karnevals. Nicht nur in Köln regieren die Narren. Auch andere deutsche Städte sind jetzt, Anfang Februar, total "jeck" -"verrückt" auf Rheinisch. Die Arbeit ruht, dafür wird geschunkelt und getanzt. Doch was feiern die Leute überhaupt?

Seit wann gibt es Karneval?

Die Ursprünge des Karnevals reichen weit bis ins Mittelalter und haben mit Ostern zu tun, dem Fest, an dem die Christen der Kreuzigung und Auferstehung Jesu gedenken. Vor Ostern aber, so wollte es die Kirche, sollten die Gläubigen fasten, zum Beispiel kein Fleisch essen! So taten Christen Buße und stellten ihren Glauben unter Beweis. Während die Fastenzeit anfangs nur wenige Tage dauerte, war sie bis zum 11. Jahrhundert auf fast sieben Wochen ausgedehnt worden, vom Aschermittwoch bis zum Ostersonntag.

Kein Wunder, dass irgendwann irgendwer auf die Idee kam, es noch einmal richtig krachen zu lassen, bevor das Fasten begann. Von Italien aus verbreitete sich dieser neue Brauch. Von dort stammt auch sein Name: "Carnevale" bedeutet so viel wie "Fleisch, leb wohl!"

Aber es ging nicht nur ums Essen und Trinken. In vielen Gegenden verschmolz der Karneval mit anderen, vorchristlichen Festen, die den Frühlingsanfang feierten. In der ungarischen Stadt Mohacs etwa ziehen mit Holzmasken und zotteligen Kostümen angetane Menschen umher, um mit viel Lärm den Winter auszutreiben. In Bulgarien gibt es ähnliche Bräuche seit mehr als 3000 Jahren.

Karneval in Rio

Im 16. und 17. Jahrhundert brachten die Eroberer aus Spanien und Portugal ihren Karneval auch in die Karibik, nach Mittel- und Südamerika. Mit Erfolg: Der Karneval in der brasilianischen Großstadt Rio de Janeiro ist heute mit einigen Millionen Besuchern eine der größten Straßenpartys der Welt und ganz bestimmt die wildeste. Während die Kölner Parade nach vier Stunden beendet ist, kommen die Brasilianer dann erst richtig in Fahrt. Wenn die besten Sambaschulen zur Parade antreten, wird zwölf Stunden getanzt!

Karneval hat sich vor allem in katholischen Gegenden durchgesetzt. Dabei ist der Brauch alles andere als ein kirchliches Fest. Lange Zeit beäugten Priester und Bischöfe, aber auch die weltliche Obrigkeit das närrische Treiben mit Argwohn. Nicht genug, dass sich die Menschen im Karneval allen erdenklichen Lastern hingaben. Sie trieben auch jede Menge Schabernack - und tun das bis heute! Mit Kostümen und frechen Sprüchen machen Karnevalisten die Politik lächerlich.

Wagen für die große Parade Vor ein paar Jahren wurde in Deutschland diskutiert, ob in Klassenzimmern Kruzifixe hängen dürfen. Prompt bauten Düsseldorfer Narren einen Paradewagen, der ein Kreuz zeigte, an dem statt Jesus Christus drei Clowns hingen. "Nicht witzig!", urteilte die Kirche. Der Wagen fehlte dann im Rosenmontagszug. Noch schlimmer traf es Venedig: Dessen berühmter Karneval fiel jahrzehntelang auf Druck von spaßfeindlichen Politikern und bierernsten Priestern ganz aus!

Bis heute hat die "fünfte Jahreszeit", wie der Karneval auch genannt wird, nicht nur Freunde. Jedes Jahr verlassen viele Kölner ihre Stadt für einige Tage, um dem Rummel zu entgehen. Verbieten will das Fest aber niemand mehr. Ist auch gar nicht nötig, denn jeder weiß: Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Dann beginnt für manche die Fastenzeit. Für die anderen aber das lange Warten - bis zum nächsten Rosenmontagszug.

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