Nächste Stunde: Ekelkunde

Wenn in amerikanischen Klassenzimmern von Pupsen, Ohrenschmalz, Erbrochenem und Pickeln die Rede ist, dann steht ein ganz besonders Schulfach auf dem Stundenplan: "Ekelkunde"

Wusstet ihr, dass täglich ein guter Liter Rotz in euren Magen wandert und dass sich über zwei Millionen Bakterien auf eurem Gesicht tummeln? Oder dass ein Pups von Bakterien in eurem Darm produziert wird und Ohrenschmalz bei manchen Menschen trocken und bei anderen feucht ist? Nein? Dann wird es höchste Zeit für eine Lektion in Sachen "Ekelkunde"!

Aber Vorsicht, dieses Schulfach ist nichts für schwache Mägen! Von Schiet, Urin und Erbrochenem, bis hin zu Ohrenschmalz, Rülpsern, Spucke, Rotz, Schweiß, Pickeln und Käsemauken wird hier alles behandelt, was der eigene Körper so täglich von sich gibt. "Je unappetitlicher, desto interessanter", lautet das Motto der amerikanische Lehrerin Sylvia Branzei. Entschlossen, der Langeweile im Biologieunterricht ein Ende zu setzen, erfand sie kurzerhand eine neue Wissenschaft und nannte sie "Ekelkunde".

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Das neue Schulfach "Ekelkunde" ist nichts für schwache Mägen:

Rotz, Urin und Ohrenschmalz sind hier die Themenbereiche

Den eigenen Körper kennen lernen

Die Bücher, die sie zu diesem Thema geschrieben hat, sind in amerikanischen Schulen ein großer Erfolg. Mittlerweile wurden sie sogar ins Spanische, Französische, Bulgarische, Japanische und Koreanische übersetzt. Denn von den faszinierend ekeligen Dingen lässt sich eine Menge über Biologie und Chemie lernen. Die Schüler erfahren in der "Ekelkunde" ganz nebenbei, wie die Vorgänge im eigenen Körper ablaufen.

Besonders anschaulich funktioniert das mit kleinen Experimenten, die Sylvia Branzei sich ausgedacht hat. Bewegungen und Transport im Verdauungstrakt lassen sich zum Beispiel gut mit einem weichen Plastikschlauch, ein paar Murmeln und etwas Olivenöl erklären. Der Plastikschlauch ist natürlich der Darm, der Entsorgungstrakt unsers Körpers. Das Olivenöl ersetzt den Schleim, mit dem unser Dickdarm von Innen beschichtet ist. Wofür die Murmeln stehen, könnt ihr euch wohl selber denken!

Idee kam beim Zehennägel schneiden

Die Idee zur "Ekelkunde" kam Sylvia Branzei übrigens beim Zehennägel schneiden. "Woraus besteht eigentlich das schwarze Zeug unter den Rändern?", fragte sie sich und ihr Interesse an fiesen Substanzen rund um den Körper war geweckt. Doch beim menschlichen Körper hat die Lehrerin es nicht belassen. Auch die Tiere hat sie inzwischen genauer unter die Lupe genommen und interessante Fakten herausgefunden.

Im Gegensatz zu einem Liter, wie wir, produziert eine Kuh ganze 200 Liter Speichel am Tag! Fliegen schmecken mit Sinneshaaren an den Beinen und deponieren ihren Magensaft als Verdauungshilfe bereits vor dem Verzehr auf ihren Speisen. Und genau wie Schnecken können auch Schimmelpilze und gewisse Fische große Mengen Schleim produzieren.

Um eines kommen auch die Schüler und Schülerinnen der Ekelkunde nicht herum: Hausaufgaben. Zum Beispiel müssen sie herausfinden, wie viel Urin die eigene Blase fassen kann oder, ob das eigene Gebiss voll Zahnbelag ist. Diese Experimente kann man nun wirklich nicht im Klassenzimmer machen - viel zu eklig!

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