Muslime Die Weltreligionen, Teil 2: Der Islam

"Allahu Akbar – Gott ist groß!" Für Muslime beginnt mit diesen Worten der Ruf zum Gebet. Weit mehr als eine Milliarde Menschen folgen ihm weltweit. Der Islam ist eine Religion mit langer Geschichte: Ihr Ursprung liegt knapp 1400 Jahre zurück

"Schwätzer! Sterngucker! Verrückter Dichter!“ So nennen ihn einige Bürger Mekkas. Dabei ist Mohammed ein geachteter Mann in der arabischen Handelsstadt gewesen. Ein Kaufmann, den man „den Vertrauenswürdigen“ genannt hat.

Und jetzt das: Mohammed hat eine Erscheinung gehabt. Ein Engel, erzählt er, habe ihm gesagt, er sei ein Prophet, ein Bote Gottes. Und deshalb will Mohammed nun die Menschen von ihrem selbstsüchtigen Leben abbringen, von ihrem Glauben an Götzen und Geister oder auch heilige Datteln. Alle sollen nur noch zu einem Gott beten: zu „Allah“.

Das gefällt den Mekkanern gar nicht. Denn sie verehren viele verschiedene Götter, und manche Familie hat sogar ihren eigenen Hausgott.

Für die Muslime beginnt die Zeitrechung am 16. Juli 622 nach Christus

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Moschee in Medina

Doch Mohammed predigt unermüdlich – bis er zwölf Jahre nach seiner Erleuchtung die Heimat verlässt, in der kaum jemand seine Lehre hören will. Die Bewohner der Oase Jathrib, viele Tagesmärsche entfernt, suchen gerade einen Schlichter, der den Krieg zwischen zwei verfeindeten Stämmen beenden soll. Und tatsächlich: Ihm, dem Fremden, gelingt es, den Streit zu beenden. Die ehemaligen Gegner schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen. Mit dem Aufbruch Mohammeds nach Jathrib am 16. Juli 622 nach christlicher Zeitrechnung (siehe Weltreligionen Teil 1: Das Christentum) begann für die Muslime eine neue Zeitrechnung: das Jahr „1“ des Islam.

Islam? Das ist der Name des Glaubens, den Mohammed predigt. „Hingabe an Gott“ heißt das übersetzt. Und „die sich Gott unterwerfen“ ist die Übersetzung für das Wort Muslime. Wie im Christentum wird also auch im Islam nicht an viele Götter, sondern nur an einen einzigen geglaubt, eben Allah. Aber anders als die Christen verehren Muslime keinen heiligen Geist und auch keinen Erlöser wie Jesus Christus.

Muslime und Christen beten den gleichen Gott an

Mohammed ist für die Gläubigen ein einfacher, sterblicher Mensch. Seine Lehre verspricht jedem, der den Gesetzen Allahs folgt, ein glückliches, friedliches Leben. Und nach dem Tod? Muslime glauben, dass Gott über jeden Menschen Gericht halten wird: Wer die Gesetze Allahs befolgt hat, kommt ins Paradies, Ungläubige und Heuchler hingegen werden in der Hölle versinken.

Mohammeds Gott ist derselbe, von dem in der Bibel der Christen gesprochen wird. Mohammeds Anhänger glauben, dass Allah immer wieder Propheten wie Abraham, Moses und Jesus geschickt hat, um den rechten Glauben zu verkünden.

Mohammed ist für sie der letzte und wichtigste dieser Gottesboten. Und der Islam für die Gläubigen mehr als eine Religion. Er ist das Regelwerk für den Alltag: Wie muss man seine Schulden bezahlen? Wie die Hände nach dem Essen säubern? Wie ist ein Dieb zu bestrafen? Auf all dies gibt Mohammed Antworten. 22 Jahre lang empfängt er Nachrichten von Allah. Es heißt, ihn überkomme jedesmal ein Schaudern, bevor Allah sich ihm offenbart.

Die Kaaba in Mekka ist das wichtigste Heiligtum

Die meisten Bewohner Jathribs werden jedenfalls muslimisch, und Mohammed wird ihr Anführer. Die Oase heißt jetzt Medina: „Stadt des Propheten“. Im Jahr 630 marschiert Mohammed mit 10000 Männern in Mekka ein, seiner Heimatstadt. Hier steht die Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude, in dem die arabischen Einwohner ihre Götzen verehren. Der Prophet lässt die Götzenbilder vernichten und weiht das Gebäude Allah. Seither ist die Kaaba das wichtigste Heiligtum des Islam. Mohammed zeigt Gnade gegenüber den Besiegten, und viele Mekkaner treten dem Islam bei.

Doch dann stirbt der Prophet, vermutlich am 8. Juni 632. Seine Lehre aber bleibt erhalten: Denn viele Anhänger haben auf Pergament, Lederresten und gebleichten Knochenstücken notiert, was ihnen Mohammed als Wort Gottes überliefert hat. Später wird all dies in einem Buch zusammengefasst: dem Koran.

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Wird von den Gläubigen umrundet: die Kaaba in Mekka

Der Halbmond ist das Symbol des Islam

Einen Nachfolger hat Mohammed nicht bestimmt. Und so fällt die muslimische Gemeinde bald nach seinem Tod auseinander: Eine Gruppe, die so genannten Sunniten, folgt Abu Bekr, der ihr oberster Politiker und Richter, ihr Kalif, wird. Eine andere Gruppe, die Schiiten, will Mohammeds Vetter Ali zum Kalifen wählen. Als Ali im Jahr 661 ermordet wird, trennen sich Sunniten und Schiiten – eine Spaltung, die bis heute andauert!

Trotz des Streits innerhalb der Gemeinde – der Einfluss der Muslime wächst. Sie erobern Damaskus, Jerusalem, Ägypten, Südspanien und Teile Afghanistans. Als sie Byzanz besetzen, das heutige Istanbul in der Türkei, wählen sie dessen Stadtwappen zu ihrem Symbol: den Halbmond, genannt Hikal. Die Eroberer nehmen sich ein Beispiel am Propheten Mohammed und zeigen Toleranz gegenüber den Andersgläubigen: Juden und Christen dürfen – gegen Zahlung einer Summe Geldes – ihren Glauben behalten, denn deren religiöse Schriften (die Thora und die Bibel) sind auch für die Muslime heilige Werke.

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Gebetet wird weltweit immer Richtung Mekka

Bücher, Wissen über die Erde und das Universum – sie helfen nach Ansicht der Anhänger Allahs, Gott und die von ihm geschaffene Welt besser zu verstehen. Islamische Forscher lassen deshalb Sternwarten bauen, zeichnen Weltkarten, entdecken Medikamente und mathematische Formeln. Wörter wie Algebra, Ziffer oder Alkohol sind Schöpfungen muslimischer Wissenschaftler. „Die Tinte der Gelehrten ist kostbarer als das Blut des Märtyrers (eines Menschen, der für seine Überzeugung stirbt)“, soll Mohammed gesagt haben.

Es gibt rund 1,3 Milliarden Muslime

Die Religion breitet sich mit den Jahrhunderten weiter aus: Heute leben rund 1,3 Milliarden Menschen nach den Regeln Allahs – das entspricht etwa einem Fünftel der Weltbevölkerung – die meisten in Nordafrika und Asien. Aber auch in Staaten wie den USA, Deutschland, Russland oder Frankreich.

Für die meisten Muslime ist der Islam einfach ihr friedlicher privater Glaube. Andere aber wollen ihr ganzes Leben, ja sogar alle Gesetze auf die Religion ausrichten und andere Meinungen und Glaubensrichtungen verbieten. Das geschah bis vor kurzem zum Beispiel in Afghanistan: Dort wurden die Gesetze des Islam grausam missbraucht, um Frauen zu unterdrücken, Menschen mit anderen Ansichten zu verfolgen, Musik und Tanz, Kino und Fotografieren zu verbieten.

Verallgemeinern aber darf man das nicht: In Oman zum Beispiel, einem kleinen Staat im Osten der arabischen Halbinsel, ist der Islam Staatsreligion, und es regiert ein Sultan. Frauen und Mädchen werden dennoch nicht benachteiligt und die strengen, muslimischen Gesetze nur in wenigen Fällen angewendet. Ja, die dort lebenden Christen und Hindus dürfen sogar Kirchen und Tempel bauen. Und jeder darf zu seinem Gott beten.

Der Islam: Entstehung und Grundpfeiler der Weltreligion
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