Interview: Wolfgang Hohlbein

Wolfgang Hohlbein ist der erfolgreichste deutsche Fantasyautor und nicht nur Fantasyfans ein Begriff. Über 200 Bücher sind ihm schon aus der Feder geflossen. Doch woher nimmt er seine Ideen? Der berühmte Autor stand GEOlino.de Rede und Antwort

Was haben Sie als Kind gerne gelesen?

Eigentlich alles, was mir in die Finger gefallen ist. Das Lesen gelernt habe ich aber mit Karl May. Mit neun oder zehn Jahren habe ich den ersten Karl-May-Roman geschenkt bekommen. Das war Winnetou 3. Ich habe dann eigentlich zwei Jahre nichts anderes gelesen. Und danach so ziemlich alles, was ich gekriegt hab. Von Mickey Maus bis Jules Verne.

Warum schreiben sie so gerne Bücher für Jugendliche und Kinder?

Ich schreibe gar nicht speziell für Kinder und Jugendliche. Ich schreibe gerne Geschichten. Und die Art von Geschichten, die ich auch immer noch lese und mag, die mögen auch Jugendliche und Kinder. Ich schreib ja auch eher für Kinder ab zwölf, nicht so die klassischen Kinderbücher. Ich mag eher - da sind wir wieder bei Karl May - die klassische Abenteuergeschichte.

Woher nehmen Sie die Ideen für ihre Bücher?

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Das ist ganz unterschiedlich. Vieles ist einfach da. Eine große Quelle für Ideen sind zum Beispiel Bilder. Ich schaue mir gerne Bilder an. Oft fallen mir dann spontan kleine Geschichten dazu ein, die mit den Bildern auch manchmal gar nichts zu tun haben. Das ist nur der Auslöser. Und vieles entsteht tatsächlich aus dem richtigen Leben. Das sind kleine Dinge, die ich sehe oder erlebe. Die bringen aber auch den Stein wieder nur ins Rollen. Ich setze mich auch nicht hin und denke mir eine Geschichte von A bis Z aus. Meistens habe ich einen ungefähre Ausgangssituation, und eine Vorstellung davon, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Die Story selbst entwickelt sich beim Schreiben.

Und wie war das bei dem neuen Hörbuch Genesis?

Da war es ähnlich. Ich glaube das war ein Film, den ich gesehen habe, der an Bord eines Kreuzfahrtschiffes spielte. Ich fand die Atmosphäre einfach so toll. Dieser Kontrast zwischen dem riesigen technischen Monster und der wilden Natur. Ich habe mir dann die Anfangsszene vorgestellt, wie ich mich als Jugendlicher gefühlt hätte, wenn meine Eltern mich auf eine Kreuzfahrt in die Antarktis verschleppt hätten. Und genauso fühlt sich ja der arme Held am Anfang auch. Und dann ist die Geschichte so ganz langsam von selber entstanden.

Bekommen sie viel Fanpost?

Ja, mittlerweile wieder. Eine Weile war es erstaunlich wenig, da bekam ich nur ungefähr einen Brief pro Woche. Aber mit dem Internet ist es jetzt auch einfacher. Da kommt schon sehr viel. Ich zähl sie nicht. Aber am Tag hat meine Homepage so ungefähr 1000 Besucher, wenn da nur jeder Zehnte eine Zeile hinterlässt, kommt da schon einiges zusammen.

Beantworten Sie die Post auch?

Ich beantworte eigentlich jeden Brief. Wobei ich gestehe, dass ich auch ein paar Standardantworten auf meinem Computer habe. Weil doch 95 Prozent der Fragen immer die gleichen sind. Aber wenn jemand eine individuelle Frage stellt, kriegt er auch eine Antwort darauf.

Sie haben sechs Kinder. Haben Sie denen viel vorgelesen?

Nein, hab ich nicht. Erwartet man wahrscheinlich von Leuten wir mir. Ich habe natürlich versucht, sie zum lesen anzuhalten. Aber direkt vorgelesen - wollten sie eigentlich auch gar nicht. Die klassische Gute-Nacht-Geschichten, die waren dann eher so spontan selber ausgedacht. Das hat manchmal funktioniert, manchmal auch nicht.

Was raten Sie jungen Autoren?

Schwer zu sagen. Es gibt kein Patentrezept. Jeder muss seine eigene Methode für sich finden. Ich glaube, so wie ich es gemacht habe, ist es eigentlich am besten: Man muss es einfach immer wieder versuchen. Aber ich halte nichts davon, einen Plan aufzustellen, so und so muss man das machen. Ich glaube, wenn man Spaß daran hat und eine gute Geschichte, sollte man sie einfach schreiben. Nicht auf den Markt schielen und sagen: „Ach, da sind gerade Engelsgeschichten, da schreib ich auch mal eine“. Das Wichtigste ist, dass man Spaß daran hat. Auch wenn’s dann nicht sofort oder auch gar nicht klappt, ist es trotzdem eine tolle Sache. Einfach, weil man’s für sich macht, als ein schönes Hobby.

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