Asyl: Wenn es keinen Weg zurück gibt

Asyl, Bleiberecht, Duldung - alles Schlagworte, mit denen man erst mal wenig anfangen kann. Warum beantragt jemand Asyl? Wie geht das? Was ist das Bleiberecht und wer darf es in Anspruch nehmen? Welche Rechte hat man als Geduldeter? Hier findet ihr die Antworten
In diesem Artikel
Nur 1,1 Prozent der Asylsuchenden wird Asyl gewährt

Wenn man aus der Heimat fliehen muss

Weltweit sind über 45 Millionen Menschen auf der Flucht. Gründe zur Flucht gibt es genug: Verfolgung, Folter, Vergewaltigung, Krieg und Bürgerkrieg, drohende Todesstrafe – um nur die wichtigsten zu nennen. Viele Flüchtlinge versuchen in die Europäische Union zu fliehen, denn dort haben sie Anspruch auf Asyl – zumindest viele von ihnen.

Was ist Asyl?

Unter Asyl versteht man einen Zufluchtsort oder einen Unterschlupf, in dem man sicher ist vor Gefahr und Verfolgung. Ein Recht auf Asyl haben Menschen, die in ihrem eigenen Land um ihr Leben oder ihre Freiheit fürchten müssen. Und das nicht, weil sie Verbrecher sind, oder etwas Unrechtes getan haben. In manchen Ländern genügt es schon der falschen Rasse, Religion oder politischen Gruppierung anzugehören, um um sein Leben fürchten zu müssen. In Deutschland gehört das Asylrecht zu den Grundrechten eines jeden Menschen. Das heißt, in unserer Verfassung steht "jeder Mensch hat einen Anspruch auf Asyl in Deutschland"? Aber nur, wenn der Heimatstaat die Menschen nicht ausreichend schützen kann, oder selber der Auslöser für die Flucht ist.

Um Asyl beantragen zu können, müssen Flüchtlinge aber erst einmal nach Europa kommen. Gar nicht so einfach - denn um dort einzureisen, braucht man eigentlich ein Visum. Woher aber soll ein Flüchtling ein Visum bekommen? Genau, gar nicht, deswegen versuchen viele auf illegalen Wegen nach Europa einzureisen. Denn die europäischen Länder versuchen möglichst wenige illegale Einwanderer ins Land zu lassen. Darum wenden sich die Flüchtlinge an sogenannte Schlepper, die ihnen helfen sollen ins Land zu kommen. Das geschieht oft unter Lebensgefahr. Zusätzlich sind die Fliehenden dabei der Willkür der Menschenschmuggler ausgeliefert.

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Wie läuft ein Asylverfahren ab?

Wenn die Fliehenden, trotz aller Widrigkeiten, ein europäisches Land erreicht haben, haben sie ein Anrecht auf ein Asylverfahren. Um den Antrag dafür zu stellen, gehen die Menschen in eine Behörde oder zur Polizei. Von da an wohnen die Antragsteller dann erst einmal in einer bewachten Auffangstation. Dort werden sie registriert und gefragt, warum sie Asyl brauchen. Außerdem erhalten sie eine Aufenthaltsgenehmigung, bis ihr Antrag auf Asyl entschieden ist. Über den Antrag entscheidet in Deutschland das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF.

Die Behörde lädt den Antragsteller zu einem Gespräch ein. Dort muss er die Beamten davon überzeugen, dass er wirklich auf der Flucht ist und nicht nur versucht, sich Asyl zu erschleichen.

Nur 1,1 Prozent der Asylsuchenden wird Asyl gewährt

Asyl bekommen nur politisch verfolgte Ausländer. Viele Menschen werden auch zum Beispiel wegen ihrer Religion oder Hautfarbe bedroht – sie können dann Flüchtlingsschutz erhalten. In rund 86 Prozent der Fälle findet die BAMF nicht, dass die Menschen Asyl oder Flüchtlingsschutz nötig haben. Den Flüchtlingen wird dann nahegelegt, wieder auszureisen. Wenn sie das nicht können, weil sie zum Beispiel keinen Pass haben oder die Situation im Heimatland zu unsicher ist, bekommen sie eine Duldung. Eine Duldung ist, im Beamtendeutsch: "Eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung". Das heißt, der Mensch darf im Land bleiben, bis die Abschiebung möglich ist. Er darf aber zum Beispiel keiner Arbeit nachgehen und sich nur in einem Bundesland aufhalten. Geduldet zu sein, ist für die betroffenen Menschen ziemlich schlimm, denn sie müssen jeden Tag mit dem Bescheid rechnen, dass sie jetzt ausreisen müssen. Kriegen die Menschen den Bescheid, dass sie ausreisen müssen, tun es aber nicht, können sie abgeschoben werden. Das heißt, sie werden von der Polizei aus dem Land begleitet.

Hat die Behörde den Eindruck, dass der Asylsuchende versucht hat, sich das Asyl mit Lügen zu erschleichen, wird er abgelehnt. Menschen, die so eine rigorose Ablehnung bekommen, haben es schwer, jemals eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, auch wenn sie noch nicht gleich abgeschoben werden können.

Wichtig: das Einreiseland

Entscheidend ist auch über welches Land der Asylsuchende eingereist ist. Wenn ein Ausländer in Deutschland Asyl beantragt, obwohl er zum Beispiel über Spanien in die EU eingereist ist, wird er zurück nach Spanien abgeschoben. Denn ein Asylverfahren muss in dem Land bearbeitet werden, in dem der Bewerber als erstes eingereist ist. Dabei ist egal, ob er in Deutschland Verwandte oder Freunde hat, oder er in Spanien ganz alleine ist. Er darf sein Einreiseland nicht verlassen. In den südlichen EU-Ländern kommen viel mehr Flüchtlinge an als im Norden Europas. Diese Länder sind mit den vielen Flüchtlingen oft überfordert, denn sie müssen alle Menschen unterbringen und ihre Anträge bearbeiten. Das ist sehr aufwändig und kostet viel Geld.

Diese Regel mit dem Einreiseland gilt für die sogenannten sicheren Drittstaaten: Das sind alle EU-Länder und Norwegen und die Schweiz.

Heiß begehrt: die Aufenthaltserlaubnis

Die Aufenthaltserlaubnis ist ein Dokument, das dem Ausländer erlaubt, für eine befristete Zeit legal in Deutschland zu leben. Sie kann in unterschiedlichen Fällen erteilt werden. Zum Beispiel, wenn ein Asylantrag anerkannt wird, oder wenn ein Familienmitglied auch in Deutschland leben will. Mit der Aufenthaltserlaubnis ist es den Menschen auch wieder möglich, einer geregelten Arbeit nachzugehen und damit Geld für ihr Leben zu verdienen.

Von der Aufenthaltserlaubnis bis hin zur Staatsbürgerschaft

Die Aufenthaltserlaubnis wiederum ist Voraussetzung, um jemals deutscher Staatsbürger werden zu können. Der Weg dahin allerdings ist weit. Man muss bereits acht Jahre in Deutschland gelebt haben und sich durch Arbeit mit genügend Geld zum Leben versorgen können. Außerdem darf man nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. Dass man der deutschen Sprache mächtig ist und die Demokratie in Deutschland anerkennt, wird auch vorausgesetzt.

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