Freundschaft Warum gute Freunde so wertvoll sind

Freunde zählen zu den wichtigsten Menschen auf der Welt. Denn sie stehen einem bei, wenn sonst niemand mehr da ist. Warum findet man sie nur so schwer?
Ein Bund fürs ganze Leben: Freundschaft
Für mehr als drei Viertel aller befragten Kinder ist Freundschaft das Wichtigste

Ein echter Freund steht an deiner Seite

Am Dienstag, in der ersten Pause, war er besonders fies. "Na, Panzerketten gegessen?", spottete Nils. Charlotte blickte stumm zu Boden. Seit zwei Wochen trug sie eine feste Zahnklammer. Die Zunge, die Backen, alles war aufgeratscht. Doch viel mehr schmerzten die Sprüche. "Drahtfres..." – "Halt die Luft an!", fiel Merle ihm ins Wort. "Charlotte wird bald schön lächeln und gerade Zähne haben. Du dagegen solltest deinen Mund am besten nie aufmachen." Es ist eigentlich nur eine Kleinigkeit, sagt die zwölfjährige Charlotte aus Bonn: "Aber in dem Moment war ich mir sicher, dass Merle eine echte Freundin ist, auf die ich zählen und der ich vertrauen kann."

Wer Freunde hat, der lebt gesünder

Die meisten werden verstehen, weshalb Charlotte so glücklich ist, wenn sie davon erzählt. Als GEOlino mehr als 900 Kinder fragte, was ihnen am wichtigsten im Leben ist, antworteten mehr als drei Viertel: Freundschaft! Dieses Gefühl, einen Menschen zu haben, der einem seelenverwandt ist. Mit dem man sich schlapplachen kann. Der zuhört und immer zur rechten Zeit ein Taschentuch reicht – weil er schon vor der ersten Träne sieht, dass einem zum Heulen zumute ist.

"Freunde sind überlebenswichtig", sagt der Soziologe Professor Lothar Krappmann aus Berlin. Und er kann das sogar mit Studien belegen: Menschen, die sich regelmäßig mit Freunden treffen, leben länger und sind gesünder. Mädchen und Jungen mit engen Gefährten haben mehr Selbstbewusstsein. Denn Freunde geben ganz freiwillig Halt und Anerkennung. Und die Gewissheit, dass man genau so, wie man ist, liebenswert ist. Eltern und Verwandte dagegen sind – ja, per Gesetz sogar – verpflichtet, ihre Kinder zu unterstützen.

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Freunde sollten bereit sein zu geben und zu gönnen

Wie aber werden aus Menschen, die zufällig in dieselbe Klasse gehen, Freunde? Wer Charlotte und Merle begegnet, glaubt zunächst: Gegensätze ziehen sich an. Charlotte ist die stille, kluge Kämpferin, Merle dagegen der Jungenschwarm. Wie an diesem Dienstagmorgen hat sie meist den richtigen Spruch auf den Lippen. Doch bei genauerem Hinsehen schießt ein anderes, viel treffenderes Sprichwort in den Kopf: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Beide Mädchen lieben Tennis und setzen sich dafür ein, dass die Dinge gerecht zugehen. "Irgendwann haben wir uns mal über eine unfaire Lehrerin aufgeregt", erinnert sich Merle. "Da hat es klick gemacht."

Freunde teilen zu Beginn irgendetwas: Sie haben dasselbe Alter oder denselben Humor, ähnliche Hobbys oder Talente. Darüber kommt man ins Gespräch und erfährt dabei, dass der andere in vielem auch anders ist. Dass er besser schwimmen oder schreiben kann, vielleicht auch beliebter ist. Kein Wunder also, dass zwischen Freunden schnell Neid wuchern kann. Doch solche Gefühle auszuhalten gehört zu den wenigen Bedingungen dafür, ob man Freunde behalten und neue gewinnen kann.

Eine andere lautet: Freunde sollten bereit sein zu geben und zu gönnen. Eine Eigenschaft, die bei jüngeren Kindern nicht besonders ausgeprägt ist: Kindergartenkumpel trennen sich noch im Streit um das Lieblingsauto.

Freunden kann man alles sagen

Richtig wichtig werden Freunde ohnehin erst später, in der Pubertät, der wohl verwirrendsten aller Lebensphasen. Mit Freunden lässt sich über alles sprechen. Sie können dabei ehrlich sein, ohne zu beleidigen. Sagt einem die Mutter, dass sie die Zickereien hasst, klingt das oft von oben herab. Freunden dagegen ist man dankbar für den Hinweis. Sie wissen, wovon sie reden. Das bedeutet aber nicht, dass Freunde immer recht haben. Freundschaft bedeutet auch, den anderen Menschen mit seinen Macken und Meinungen zu akzeptieren – obwohl sie einem selbst fremd sind.

Merle etwa hasst Charlottes Unpünktlichkeit, Lotte findet Merle manchmal viel zu direkt. Sie haben sich schon oft mächtig darüber gestritten. Doch knallende Türen und kullernde Tränen sind nichts Schlimmes. Sie zeigen, dass einem die Beziehung zu diesem Menschen so wichtig ist, dass man um sie kämpfen möchte. Nur eine Sache verträgt keine Freundschaft: das Verpetzen von Geheimnissen. Zerstörtes Vertrauen lässt sich nie wieder aufbauen.

Wie finde ich Freunde? Über das Geheimnis der Beliebtheit

Wenn Lukas auf den Schulhof kommt, schart sich die halbe Klasse um ihn. Nur Frieda steht oft am Rand und rätselt, weshalb kaum jemand sie beachtet. Liegt es daran, dass sie keine Markenklamotten trägt, keine hübschen Locken und weniger Taschengeld hat? Von wegen! Solche Äußerlichkeiten zählen bei Kindern weit weniger, als gedacht, sagen Berliner Forscher. Sie haben 234 Mädchen und Jungen befragt und herausgefunden: Beliebt ist viel mehr, wer fair und freundlich ist und viele Ideen hat, für die er Mitstreiter sucht.

Denn gemeinsame Unternehmungen schweißen zusammen. Wer also Freunde sucht, sollte sich über seine Stärken Gedanken machen und darüber, wo er seine Talente und Ideen einbringen kann. Oft fällt das in einem Sportverein oder in der Theater-AG leichter, weil sich dort Menschen mit ähnlichen Interessen treffen und die Gruppen kleiner sind. So kann man schneller auf sich aufmerksam machen und mit anderen ins Gespräch kommen. Kinder, die ihre Meinung sagen, sind übrigens meist beliebter als die stillen.

Feiert die Freundschaft!
Tag der Freundschaft
Feiert die Freundschaft!
Am 30. Juli ist Tag der Freundschaft. Grund genug für uns, um die Frage zu stellen: Wie kann man dem Anderen zeigen, dass er einem wichtig ist?
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