Fidschi-Tagebuch, Teil 6: Süßes gibt es von Baini

Wie gut, dass es Baini gibt. Die alte Inderin steht jeden Tag nach der Schule bereit, um den Kindern selbst gemachte Süßigkeiten zu verkaufen. Wer jetzt an Schokoriegel und Gummibärchen denkt, liegt weit daneben. Naschen kann man Mangohaut, Iceblock, Toffee ...

Aber lest selbst, was Luisa zu erzählen hat:

Hier in Fidschi lieben die Kinder - genauso wie in Deutschland - Süßigkeiten. Im Supermarkt in der Stadt gibt es zwar Schokoriegel, Weingummis, Kekse und Chips, allerdings sind sie viel zu teuer für die meisten Fidschianer. Die Einheimischen haben hier ihre ganz eigenen Süßigkeiten. Es gibt zum Beispiel in der Schulkantine Blockhandys (so etwas wie Brausebonbons), Bongo (so etwas wie Chips), Lollies oder Mangoskin (getrocknete Mangohaut) und Eis zu kaufen.

Ich kaufe meistens Mangoskin. Mangoskin ist etwa fingerlang, bleistiftdick und knallrot. Ich mag den süßsauren Geschmack. Nach dem Essen hat man ganz rote Finger. Deshalb schmieren sich die anderen Mädchen in der Schule die Mangoskin als Lippenstift auf die Lippen.

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Baini wartet jeden Tag auf die Schulkinder, um ihre Süßigkeiten zu verkaufen

Doch unsere Lieblingssüßigkeiten kaufen wir nach der Schule an der Bushaltestelle. Dort auf einem kleinen Holzschemel sitzt "Baini" hinter ihrem riesigen Süßigkeitenkorb. Baini ist eine alte Inderin mit einem langen grauen Zopf unter einem Schleier. Sie trägt immer einen himmelblauen Sari (indisches Gewand) und eine Kette mit Goldmünzen. Ihre kleinen verschrumpelten Hände reichen uns die verschiedensten Süßigkeiten aus dem Korb. Der ist mit einem Tuch zugedeckt, bis wir Schulkinder kommen.

Unter dem Tuch verbergen sich viele selbst gemachte Süßigkeiten. Das beliebteste ist Toffee. Toffee ist pink, so groß wie Hanuta und aus Kokosnussraspeln gemacht. Es kostet umgerechnet 5 Cent. Viele Kinder kaufen aber auch Iceblock. Das ist Wassereis in einer Plastiktüte in allen möglichen Farben. Iceblock ist eine schöne Erfrischung nach der anstrengenden Schule. Baini kann nur Fidschianisch und Hindi sprechen. Baini kann man nicht so einfach betrügen, obwohl das viele Kinder immer wieder versuchen. Sie guckt sich jede Münze genau an und prüft, ob es nicht falsches Geld ist. Einige versuchen immer wieder mit ausländischem Geld oder sogar geschliffenen Kronkorken "einzukaufen".

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Die leckeren Toffees sind in der einen roten Schachtel zu sehen: viereckig und rosa

Viele Schüler kaufen auch auf "Dinau". Dinbau ist Fidschianisch und bedeutet Kredit. Am nächsten Morgen kommt Baini und verlangt ihr Geld. Wenn die Kinder dann nicht ihren Kredit bezahlen, flucht sie immer auf Hindi. Sie hat auch schon mal jemanden geschlagen deswegen. Einmal habe ich auch auf "dinau" eingekauft und am nächsten Morgen verlangte sie ihr Geld zurück. Ich war aber schon in der "line" und Mrs Vatoga (Finns Klassenlehrerin) sagte mir, ich solle die Line anführen, weil ich ja prefect bin.

Ich hatte total vergessen, dass ich Schulden bei Baini hatte. Aber auf einmal sah ich sie auf mich zu humpeln. Plötzlich erinnerte ich mich und ich hoffte sie hatte mich vergessen aber sie rief: "Yalewa o iko dinau !" (Mädchen - Du hast Dinau) Das war auch das erste mal überhaupt, dass mir Baini, in die Augen schaute. Die anderen und auch die Lehrerin guckten alle auf uns. Mir war das so peinlich, denn ich hatte gar kein Geld dabei, außer mein Busgeld. Ich musste Finn fragen, ob er noch Geld dabei hatte und konnte dann bezahlen. Zum Glück. Andere zischen in solchen Situationen dann zwischen ihren Zähnen "Afternoon Baini", um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Sie schieben das Bezahlen dann auf, bis nach der Schule.

Hier findest du die anderen Tagebucheinträge

Luisa und Finn sind Anfang des Jahres mit ihren Eltern nach Fidschi ausgewandert. Bei GEOlino.de berichten sie regelmäßig über ihre Erlebnisse. Hier im Forum könnt ihr ihnen auch selber Fragen stellen
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