Fidschi-Tagebuch, Teil 7: Raini, mein bester Freund

Finn geht mit Raini durch dick und dünn. Und er bietet ihm Unterschlupf, als der Ärger mit seiner Tante hat. Aber ein harmlos gemeintes Feuer trennt die beiden Freunde. Vielleicht für immer

Finn erzählt euch von seinem Freund Raini

Am liebsten spiele ich mit meinem Freund Raini von gegenüber. Raini ist zwölf und geht in die sechste Klasse der Kamendra Schule. Das ist die indische Schule. Raini geht zur Kamendraschule, damit er Fußball spielen kann. Er ist totaler Fußballfan. Wir spielen auf der Straße, und wir haben ein Lager in der Hibiskushecke vom Nachbarn.

Raini ist eigentlich gar nicht von hier, sondern von Kasavu, anderthalb Stunden Fahrt von hier. Da leben seine Eltern. Er kommt aus einem Dorf fast auf dem Gipfel eines Berges. Sie haben dort einen riesigen Fluss, in dem Fische und Süßwasserkrabben gefischt werden. Raini hat noch fünf Geschwister. Er ist der Zweitälteste und die Eltern haben ihn zu seiner "Nena" (Tante) hierher geschickt, damit er in einer guten Schule in Savusavu lernen kann. Raini hat es bei der Tante nicht gerade einfach. Wir hören sie oft seinen Namen schreien, und er muss die ganze Hausarbeit machen, damit er bei ihr wohnen kann.

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Raini und Finn haben viel Spaß zusammen

Am Anfang habe ich manchmal bei ihm Video geguckt, und er hatte überhaupt keine Zeit, mit mir zu spielen. Die Tante hat ihn die ganze Zeit rumgeschickt. Tu dies, tu das. Letztes Wochenende hat er die ganze Zeit arbeiten müssen. Ich denke manchmal, die Tante macht gar nichts. Einmal ist er einfach aus der Stadt weggelaufen. Da hilft er jeden Sonnabend beim Grillen. Die Tante hatte ihn mitten in der Stadt, vor den anderen Leuten, geschlagen. Da ist er zu uns gekommen und erst ganz spät abends zurück. Gestern hat er bei uns geschlafen, weil er wieder Streit mit der Tante hatte. Er hatte dann heute am Sonntag bis 9:30 Uhr geschlafen. Ich war schon um sieben wach, aber er war ganz müde. Wahrscheinlich durfte er bei seiner Tante noch nie so lange schlafen ...

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Raini und Finn in ihrem Hauptquartier, inklusive Computer

Dann ist etwas Blödes passiert: Meine Mutter war kurz mit dem Motorrad in der Stadt, und Raini wollte unbedingt Feuer machen. Hier brennen alle immer die alten Kokosnussblätter ab. Unser Haufen war schon ganz groß. Das ganze Holz vom Hausbau war auch darin. Das Feuer wurde ganz hoch und hat schon die Kokosnusspalmen angebrannt. Man konnte es weit sehen. Ich hatte Angst. Luisa ist dann zu unserem Nachbarn gelaufen, und der ist gekommen. Er hat das Feuer gelöscht und hat uns total angeschrien. Das hat Rainis Nena gehört und er musste nach Hause und wurde da total verhauen. Er hatte nämlich gar nicht erzählt, dass er bei uns schläft. Die hatten schon die Polizei angerufen, weil er weggelaufen war. Der andere Onkel kam zu uns und hat gesagt, dass Raini ein schlechter Junge ist. Und der Vater am Montag kommen soll und ihn wieder in sein Dorf bringt.

Heute früh habe ich ihn nicht mehr mit seiner Schuluniform an der Straße stehen sehen. Ich bin sehr traurig. Ich konnte mich nicht mal mehr von ihm verabschieden. Ich glaube nicht, dass Raini böse ist. Die behandeln ihn alle nur so schlecht und er muss zu viel arbeiten.

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Luisa und Finn sind Anfang des Jahres mit ihren Eltern nach Fidschi ausgewandert. Bei GEOlino.de berichten sie regelmäßig über ihre Erlebnisse. Hier im Forum könnt ihr ihnen auch selber Fragen stellen
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